Nach der Party // Studentenleben

Du trittst beherzt nach außen, die frische Luft klart deine Sicht, deine Sinne. Du bist noch voller Adrenalin, hast die Party noch im Blut. Du gehst ein paar Schritte, gähnst zum ersten Mal. Du hast was erlebt, du hast getrunken, du warst witzig. Darum geht es doch, oder nicht?

Wenn die Bahn nur einmal pünktlich wär. Du stehst rum, schlingst deine Arme um dich, ziehst dich zusammen. Drinnen war es warm, stickig, rauchig. Vielleicht hättest du noch bleiben sollen?

Du denkst zurück, der Abend war lang, du hast viel gelacht, viel geredet. Er war ganz süß, aber naja. Süß sind viele.

Die Bahn kommt, du steigst schnell ein, setzt dich hin. Du bist fast alleine, vorne ist einer eingeschlafen, hinten diskutieren zwei. Aber du sitzt da allein. Die Bahn fährt los.

Du scrollst durch dein Handy, durch all die Kontakte, die guten und die schlechten. Ein bisschen Kommunikation würde jetzt nicht schaden, wer ist wohl noch wach? Wahrscheinlich keiner. Du schreibst einem Typen, den du vor 3 Wochen kennengelernt hast, dem du nach der letzten Nachricht aber nicht mehr antworten wolltest, weil er nervt. Du bereust es sofort, als er zurück schreibt.

Vielleicht noch wen anrufen, du klingelst mal an, es geht keiner ran. Die Diskutierenden steigen aus, der Schlafende bleibt.

Du wirst müde, die Party in dir ist vorbei. Wozu das alles eigentlich, fragst du dich jetzt. Du fühlst dich nicht gut, du willst nur noch ins Bett.

Die Bahn hält für dich, du steigst aus, gehst schnell los.

Es ist dunkel, es ist leer. Keiner da, keiner unterwegs. Du schaust dich gründlich um, vielleicht steht ja doch einer hinter diesem Baum? Weit hast du es nicht, also einfach weiter.

Du denkst nach, du fragst dich, warum du immer alleine nach Hause gehst. Hätte der Süße nicht mitkommen können? Hätte das einen Unterschied gemacht?

Du spürst jetzt schon, wie dreckig es dir morgen gehen wird. Der Alkohol, die lange Nacht, das wird dein Körper dich büßen lassen. Hat es sich denn gelohnt? Eine neue Handynummer, ein guter Beat. Das ist es doch, was du willst, oder nicht?

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Du schaust nach oben an dein Fenster, das Licht ist an. Du hast es angelassen, damit das Nachhausekommen sich wie nach Hause kommen anfühlt. Weniger alleine.

Oben angekommen, du beeilst dich, die Partyhülle muss weg. Deine Haare riechen nach Zigarettenrauch, du ekelst dich.

Du schlüpfst in dein Bett, sentimental und froh, endlich schlafen zu können. Wenn du schläfst, fühlst du dich nicht alleine. An den Tag, der schon längst angebrochen ist, willst du noch nicht denken, du musst erstmal ausschalten.

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