Mama, ich habe einen Hund gekauft! // Über impulsives Verhalten

Alle anderen wissen es besser- sie leben schließlich schon länger, oder intensiver, oder besser, oder auf irgendeine Weise, die sie zu Ratschlägen bemächtigt. Natürlich wollen Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte und manchmal auch Unbekannte in den meisten Fällen nur das Beste für dich. Sie wollen dich beschützen, dich davor bewahren, die Fehler zu machen, die sie schon begangen haben. Gut möglich, dass sie es wirklich besser wissen, dass sie am Ende recht haben und du dir eingestehen musst, dass deine Entscheidung falsch war. Wissen kannst du das aber nur, wenn du es selbst probiert hast. Aus Fehlern anderer lernt man nicht. Und vielleicht ist es gar nicht so falsch?

Zwei Entscheidungen aus meinem Leben, die völlig unüberlegt und unpraktisch waren. Und bis heute trotzdem großartig sind.

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Szenario 1

Ich bin seit einer Woche in Berlin. Das Praktikum, für das ich hier bin, geht insgesamt 2 Monate. 2 Monate in meiner Lieblingsstadt, 2 Monate Berlin. Einer meiner größten Wünsche ist es, hier zu leben, dauerhaft, für immer vielleicht. Aber noch studiere ich in Dresden, noch mindestens 1 Semester. Die Bachelorarbeit wartet auf mich, die muss ich in Dresden schreiben. Ich brauche die Uni, die Bibliothek, den Prof, die Kommilitonen.

Es ist Samstag. Ich liege im Bett und bin glücklich und aufgeregt, einfach weil ich in Berlin bin. Ich überlege, was ich alles tolles unternehmen kann, was ich besichtigen, ausprobieren, testen und machen will. Meine Liste ist endlos, 2 Monate sind es nicht.

„Ich bleibe hier, ich will nicht mehr weg“, denke ich.

Gesagt, getan, ich mache mich am gleichen Tag noch auf die Suche nach einer dauerhaften Bleibe in Berlin, überzeuge mich und mein Umfeld davon, dass ich auch von hier aus meine Bachelorarbeit schreiben kann (Was?! Das ist doch total umständlich!) und freue mich über meine dumme Idee. Ich brauche noch einige Wochen, bis ich tatsächlich ein WG-Zimmer habe und ich verbringe viel Zeit im Bus von Berlin nach Dresden und wieder zurück, aber ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung.

Bis heute habe ich es nicht bereut.

 

Szenario 2

Ich wollte schon immer einen Hund, jeder, der mich ein bisschen kennt, weiß das. Bei meinen Eltern durfte ich keinen haben. Und als Student? Da hat man nicht genug Zeit und Geld und sowieso, wer weiß, was noch so alles passiert.

Januar 2017. Ich habe wieder einmal vor mich hundemäßig umzuhören. Nur so zu Informationszwecken, vielleicht kann ich nächstes Jahr endlich einen Hund haben.

Also rufe ich bei einer Straßenhundevermittlung an. Ich habe mir einen süßen, schwarzen Welpen ausgeguckt, er ist aus Zypern. Eine unfreundliche Stimme am anderen Ende der Leitung sagt mir nach kurzem Verhör, dass ich noch zu jung bin, um einen Hund vermittelt zu bekommen. Schließlich fängt das Leben in meinem Alter erst an, sie selbst habe erst mit 40 einen Hund haben können. Aha, danke.

Ich schaue weiter und vereinbare schließlich einen „Besichtigungstermin“. Ich will wirklich nur mal schauen, das denke ich tatsächlich zu diesem Zeitpunkt.

An einem Donnerstag fahre ich also gen Osten Berlins und klingle bei einer Privatadresse. Als mir die Tür geöffnet wird, stürmen zwei winzig kleine Hunde aufgeregt auf mich zu und springen auf mir herum, nachdem ich mich gesetzt habe. Ich bin verliebt.

Ich habe kein Geld dabei, ich habe am Abend noch etwas vor, ich habe keinerlei Hundeerfahrung oder Ausrüstung, aber als mir gesagt wird, dass ich entweder jetzt zuschlagen muss, oder mein Favoritenwelpe ansonsten wahrscheinlich nachher von jemand anderem abgeholt wird, mache ich es einfach, ohne weiter nachzudenken. Mit der bis-dato-Hundemutter gehe ich zum nächsten Bankautomaten, das ab-jetzt-mein-Hündchen in meinen Schal gewickelt.

10 Minuten später stehe ich frierend an der Bushaltestelle und rufe meine Mutter an.

„Mama, ich habe einen Hund gekauft!“ Der Schock auf der anderen Seite ist groß.

Der Anfang ist nicht leicht, (warum läuft mir der Hund überall hinterher und wann ist er endlich stubenrein?!) aber ich bin unendlich glücklich mit meinem Kleinen.

Bis heute habe ich es nicht bereut.

 

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14 Kommentare

  1. Das ist soooo toll, dass du dich getraut hast! Ich bin auch der Meinung, dass es gut überlegt sein muss, wenn man sich einen Hund zu legt. Aber wenn du es so sehr wolltest und dir gewünscht hast dann geht’s dem kleinen bestimmt gut bei dir 🙂

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    1. Ich glaube, er is ganz happy bei mir 🙂 Das Wohl des Tieres hat aufjedenfall Priorität.
      Aber wenn man sich selbst bereit fühlt und andere einem sagen, dass das nicht so ist und man sich dann selbst immer wieder vertröstet, kommt manchmal so eine spontane Aktion dabei raus^^

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  2. Love the spontaneity of the post, wish you find a place in your favorite city. And yes others may know better and it is wise to listen and apply it if you think is suits your Mz Arunika!!

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