Horrorherz // Halloween-Story

Es war 22:05 Uhr. Sie schaute immer wieder auf die Uhr und ließ den Blick zur Tür schweifen.

Wo blieb er?

Sie war nervös. Sie wusste, dass sie nicht hier sein sollte. Immer wieder vergewisserte sie sich, dass keine bekannte Person in der Bar war.

Sie hatte einfach nicht widerstehen können. Er hatte sie vor einer Woche angesprochen, als sie mit ihren Freundinnen unterwegs gewesen war. Sie hatte nicht großartig auf seine Annährungsversuche reagiert, gelacht, ihm aber trotzdem ihre Nummer gegeben. Warum eigentlich? Warum tat sie sowas, obwohl sie vergeben war?

Sie hatten sich die ganze Woche geschrieben, fast ununterbrochen. Er war an allem interessiert, was sie tat, fragte immer wieder, wie es ihr ging und wollte an ihrem Leben teilhaben. Also ließ sie ihn.

Heute Vormittag hatte er sie angerufen. Überrascht und überrumpelt hatte sie abgenommen. Ob sie ihn heute Abend treffen wolle, hatte er gefragt. Spontan hatte sie eingewilligt. Jonas war mit seinen Freunden in Barcelona über’s Wochenende, er würde nichts mitbekommen. Jemanden zu treffen war außerdem nicht verboten, dachte sie sich. Sie würde sich nur nett mit ihm unterhalten und dann wieder nach Hause fahren.

 

22:15. Er war immer noch nicht da. Ihr Handy lag auf dem Tisch vor ihr, sie wartete auf eine Nachricht von ihm, aber es kam nichts. Er hatte sie unbedingt treffen wollen und jetzt versetzte er sie?

Als sie ein Getränk bestellen wollte und sich nach einem Kellner suchend umsah, fiel ihr ein großer, langhaariger Typ auf, der an seinem Gesprächspartner vorbei zu ihr blickte. Unangenehm berührt sah sie schnell wieder weg und bestellte sich ein Glas Weißwein bei dem Kellner, der nun zu ihr herüberkam. Als sie ihren Blick eine Minute später wieder über ihn gleiten ließ, schaute er immer noch wie gebannt zu ihr. Er schien sein Gegenüber, der wahrscheinlich ein Kumpel oder ein Arbeitskollege war, völlig vergessen zu haben. Fast war sie gewillt zu winken, tat es aber nicht und drehte sich schließlich mit dem Rücken in seine Richtung.

Um 22:20 Uhr versuchte sie ihn anzurufen. Sie war genervt von der Warterei und kurz davor zu gehen. Der Langhaarige schien sie immer noch zu beobachten, was sie weitestgehend zu ignorieren versuchte. Er ging nicht ran. Sie ärgerte sich, dass sie hierhergekommen war.

Mit einem schnellen Zug trank sie ihren Wein aus, bezahlte und ging Richtung Tür. Sie meinte im Augenwinkel erkennen zu können, dass der Langhaarige sich ebenfalls in Bewegung setzte und beschleunigte ihre Schritte. Sie hatte absolut keine Lust von ihm angesprochen zu werden, ihre Stimmung war ruiniert.

Draußen schlug ihr eisiger Wind entgegen. Sie zog die Schultern hoch, sank den Kopf und ging eilig zum Straßenrand, wo sie geparkt hatte.

Als sie sich gerade angeschnallt hatte und den Motor startete, sah sie jemanden aus der Bar treten. War es der Langhaarige? Kam er ihr etwa nach? Sie gab Gas.

Als sie aus der Stadt herausgefahren war, spürte sie deutlich den Wind um ihr Auto peitschen. Auf der Landstraße war außer ihr keiner. Den Blick auf den Lichtkegel vor ihr gerichtet, fuhr sie langsam zwischen Bäumen und Feldern entlang, dem Wind, der immer stärker zu werden schien, entgegen.

Als sie kurz vor einer Kreuzung war, sah sie einige Meter entfernt etwas auf der Fahrbahn. Sie beugte sich so weit wie möglich zur Windschutzscheibe vor und kniff die Augen zusammen. Stand da jemand mitten auf der Straße?

Sie drosselte das Tempo bis sie schließlich zum Stehen kam. Es stand tatsächlich eine Person auf der Fahrbahn. Einfach so, reglos, ihr entgegenblickend. Was zur Hölle sollte das? Sie konnte kein weiteres Auto sehen, nichts, was die Situation erklären konnte. In der Stille hörte sie ihr Herz klopfen. Warnend. Ihr war unwohl und sie wusste nicht, was sie tun sollte. Die Person bewegte sich noch immer nicht, sie konnte jedoch nicht an ihr vorbeifahren und traute sich auch nicht näher heran. Die Zeit schien wie in Zeitlupe zu vergehen, bis sich der Reglose in Bewegung setzte und auf sie zukam…

 

zu Part 2

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