Tagebuch der Depression // 21-30.9.2016

„Denk an die Vergangenheit nur dann, wenn die Erinnerung daran Freude bereitet“ -Stolz und Vorurteil, Jane Austen

 

21.09.2016

Ich bin traurig, dann wütend, dann dankbar, dann glücklich und wieder von vorn. Das ist wirklich anstrengend manchmal. Ich durchlebe eine intensive Zeit. Alles ist im Umbruch, alles setzt sich neu, findet andere Wege. In jedem Bereich werden neue Weichen gestellt. Es kostet viel Energie und verlangt meine ganze Aufmerksamkeit.

Außerdem bin ich viel alleine im Moment. Ich denke, das muss so sein. Keine Ablenkung, keine Ausreden. Nur ich, ich mit mir.Es gibt so viel, worüber ich nachdenken muss, so viel, das in Angriff genommen werden will. Eins nach dem anderen. Trotzdem wäre ich dabei gerne nicht alleine, hätte gerne ein bisschen mehr Halt. Aber ich kann und werde mich gedulden. Bis ich endlich bessere Entscheidungen treffen kann.

 

22.09.2016

Ich bin krank geworden. Ein bisschen. Das fesselt mich an’s Bett und an die Wohnung. Ich weiß nicht, ob mir das gefällt, aber es ist notwendig. So viele Emotionen, so viel Erkenntnis prasselt jeden Tag auf mich ein, dass ich kaum weiß, wie ich das alles verdauen soll.

Ich habe wieder gemerkt, dass ich große Angst vor dem alleine Sein habe. Es ist eine alte Angst, ein traumatisches Gefühl, das wenig mit der Gegenwart zu tun hat. Es wird getriggert. Ich fürchte mich davor zu verpassen, ausgeschlossen zu werden, zu vereinsamen.

Aus dem Druck heraus, dieses Gefühl abzustellen, ist schon viel Unglückliches entstanden. Mehr soll nicht hinzukommen. Mein Zustand ist so zerbrechlich. Alles ist neu, alles wird anders. Jeden Tag erfahre ich etwas Neues über mich. Schaffe ich das?

 

25.09.2016

Die Tage gehen so schnell vorbei und sind gleichzeitig unendlich zäh. Ich warte, denke nach, werde gesund, schlage Zeit tot. Mir fällt die Decke auf den Kopf. Dadurch flammt in mir immer wieder diese Verzweiflung auf, eine völlige Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit.

Ein paar Sekunden, ein Moment.

Ich lasse mich nicht hängen, aber es schwächt mich. Was ist die Realität? Nächste Woche wird viel los sein, Schluss mit rumhängen. Darauf freue ich mich, fürchte mich aber auch vor der Herausforderung. Immer diese Angst, immer und überall ist sie der Beifahrer, winkt mir schon von weitem zu, reicht mir meine Jacke.

 

26.09.2016

War der Tag heute gut, schlecht oder okay? Ich weiß es nicht, ich traue mir kein Urteil zu. Mein Gefühl ist momentan eher abgeneigt. Ich vertraue meinen Gefühlen, will es zumindest.

Aber vielleicht war es nur ein schlechter Tag? Vielleicht war ich einfach zu nervös und unsicher? Habe Angst und will mich drücken? Vielleicht wäre es anfangs unangenehm, würde mir dann aber Freude bringen und mich wachsen lassen.

Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was ich will. Ist es ein Schritt nach vorne oder ein Schritt zurück?

 

28.09.2016

Gestern war ein langer Tag, viel gedacht, viel gefühlt. Ich habe getan, was sich richtig angefühlt hat, habe ‚Nein‘ gesagt. Das war wirklich befreiend.

Doch die Frage bleibt nun: Wo gehöre ich eigentlich hin?

Ausprobieren, warten. Ich werde das Richtige finden. Was sich nicht richtig anfühlt, kann auch nicht richtig sein.

 

30.09.2016

Ich denke nach. Ich denke sehr viel nach. Die Angst schlüpft zwischen die Gedanken, treibt sie auseinander, macht sich selbst breit. Was wird aus mir? Was will ich?

Ich spüre die Erwartungen, die gesellschaftlichen Ansprüche. Ich weiß, was „man“ macht, was sicher und vernünftig ist. Ich weiß es, ich weiß, dass es gut ist, aber ich bin das einfach nicht. Ich weiß, dass mich das krank macht. Ich passe in die vorgegebene Form nicht rein. Das schmerzt. Es ist ein Geschenk, aber es schmerzt.

2 Kommentare

  1. Du beschreibst eine Zeit des Umbruchs. Die hab ich grad auch.

    Es ist einerseits übel, da ich das Gefühl habe, dass mein altes Fundament, dass mich so lange getragen hat, weggefegt wurde. Andererseits ist die Chance, etwas völlig neues an dessen Stelle zu setzen. Da besteht eine komische Ambivalenz.

    Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinen neuen Wegen!

    Gefällt mir

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