Tagebuch der Depression // 9-19.10.2016

9.10.2016

Mein ganzes Leben habe ich versucht, mich anzupassen. Ich hatte immer ein Gefühl der Andersartigkeit. Ich wollte so gerne so sein, wie alle anderen vermeintlich sind, das machen, was sie machen, wollen, was sie wollen, denken, was sie denken.

Ich wollte mich in Formen pressen, habe gedrückt, gezogen und bin am Ende doch wieder davor gestanden. Alles mit dem tief verwurzelten Gefühl, dass ich anders bin, dass mit mir etwas nicht stimmt, dass ich dringend anders sein sollte. Was für eine selbstzerstörerische Haltung.

 

10.10.2016

Es geht mir nicht gut heute. Ich hatte wieder diesen Alptraum. Ich werde verfolgt, bin auf der Flucht, habe Angst, entkomme jedoch nicht.

Genau so ist die Situation hier. Ich ertrage es kaum mehr, in dieser Wohnung zu leben, würde am liebsten flüchten. Ich bin furchtbar angespannt, jedes Mal, wenn ich mein Zimmer verlasse. Es ist, als würde eine Leiche im Nebenzimmer liegen, langsam verwesend, und alle Bewohner versuchen, den Zustand zu ignorieren. Ich stecke fest und kann nichts tun, außer abwarten, und zu hoffen, dass es schnell vorbei geht. Diese ganzen offenen Baustellen rauben mir so viel Energie.  Wann ist mein Leben endlich wieder normal?

 

10.10.2016

Flüchten, verfolgt werden, Verzweiflung, feststecken in ungewollten Situationen, nicht vor und nicht zurückkommen, etwas ändern wollen, einen Idealzustand herbeisehnen, der zu weit entfernt scheint, Opfer der Umstände sein, sich nicht wehren können, nicht fort können, keine bessere Alternative haben, kein Entkommen, die Qualen ertragen müssen, provisorische Zustände, Ungewissheit, Unsicherheit, Abbrechen, für kurze Zeit entfliehen, sich entziehen, weg wollen, nichts richtig können, halb, nichts Richtiges, zurückgezogen werden, sich zurückhalten, Angst, Schüchternheit, unliebsam sein, anders sein, nicht aus seiner Haut rauskönnen, besser, anders sein wollen, Wut, Trauer, sich selbst zerstören, unterdrücken, unendlich viel Hass, sich selbst brechen, funktionieren wollen, am Ende sein, das Leben nicht mehr leben wollen, keine Hoffnung, Einsamkeit, Leere, Sinnlosigkeit, warum existiere ich?, ich kann nicht mehr, bin so angespannt, hilf mir bitte, hilf mir endlich, ich will nicht mehr so leben

Ich bin auf der Flucht, nur wovor?

 

13.10.2016

Ich bin traurig. Ich habe das Gefühl, mich jeden Tag mehr zu verlieren. Wer bin ich, wer will ich sein? Ich weiß es einfach nicht mehr. Mein geschnürtes Korsett ist aufgeplatzt, der Inhalt liegt lose herum, weiß nicht, wie er sich wieder zusammenfügen soll. Was will ich, was ist meine Vision? Findet sich alles wieder, findet mich alles? Wird mein Leben wieder normaler?

Ich fühle mich schrecklich alleine, habe das Gefühl, dass mich keiner verstehen kann, dass ich den Menschen in meinem Umfeld fremder werde. Unsicherheit macht mir Angst, keine Entscheidung treffen zu können, macht mir Angst. Wo geht es hin, wie geht es weiter?

 

17.10.2016

Was macht das Leben lebenswert? Woher weiß ich das, woher wissen das andere? Wer hat eine Antwort? Kann man das Leben richtig verstehen, kann man es falsch verstehen?

Die Angst ist wieder da, packt mich im Nacken, lacht mich aus. Ich schaue sie an, schaue sie mir ganz genau an, aber mein Blick wird getrübt, jedes Mal. Ich habe schreckliche Angst vor dem Leben. Was, wenn es mich im Stich lässt? Was, wenn es mir etwas vormacht und ich darauf reinfalle?

Ich habe schreckliche Angst zu versagen. Es lähmt mich, ich ziehe Steine hinter mir her.

 

19.10.2016

Ich fühle mich schrecklich, schrecklich alleine und schrecklich überfordert. Alles erscheint mir so furchtbar sinnlos, tut nur noch weh. Ich sehe keine Richtung mehr in meinem Leben, weiß nicht, was das alles soll. Warum bin ich hier?

 

 

2 Kommentare

  1. Ich lese alle Deine Texte, seit ich Deine Seite hier gefunden habe. – Dieser hier und der vorige lassen mich allerdings schweigen. Ich kann das nicht „liken“ und vermag nichts zu schreiben, obwohl ich ganz viele Worte in mir habe. Ich habe (leider) selbst immer wieder depressive Episoden … (auch aktuell) – deshalb ist’s mir so schwer.

    Ich hoffe und wünsche nur, dass es Dir inzwischen besser geht, auch gerade jetzt. Das wünsche ich mir von Herzen für Dich!

    Ich hoffe, dass ich bald WIRKLICH zu kommentieren vermag – Deine Blogseite gefällt mir …

    Habe beschlossen, Dir hier auch zu folgen und möchte Dir auf diese Weise und überhaupt Dankeschön sagen, dass Du auch meinem Blog folgen magst. Hat mich sehr gefreut, das letztens zu bemerken!

    Liebe Grüße an Dich!

    Gefällt mir

    1. Hallo,
      Danke für deine Worte! Ich weiß, dass das sehr schwer ist, ich weiß es ganz genau. Mir geht es mittlerweile sehr gut , deswegen teile ich das hier auch. Ich hab es da wieder rausgeschafft, zum glück. Ich wünsche dir das selbe und hoffe, dass es ganz bald wieder besser wird!
      Liebe Grüße,
      Arunika

      Gefällt 1 Person

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