Just don’t // Warum mich deine Meinung nicht interessiert

„Deinem Essen fehlt aber die Soße, oder?“

„Wo sind deine langen Haare, das sah viel schöner aus!“

„Du musst deinem Hund xyz beibringen, damit er sich auf xyz-weise verhält. Der Hund von xyz kann das auch, der ist super erzogen!“

„Dafür willst du Geld ausgeben?“

„Ich würde das nicht so machen“

 

Ich reagiere extrem empfindlich auf ungefragte Meinungen im realen Leben (Im Internet gelten sowieso andere Gesetze und wenn ich mich öffentlich darstelle, provoziere ich Kommentare dazu bzw. ist das sogar gewünscht, alles gut und fein). Ich bilde mir ein, dass ich selbst vorsichtig bin in dem, was ich anderen gegenüber äußere, wenn es um Beurteilungen geht.

Wenn mir jemand begeistert von einer neuen Idee erzählt, etwas zeigt, dass er/sie gut findet, oder über einen unangenehmen Fehler spricht, möchte ich nicht diejenige sein, die erstmal mit 100 Bedenken um die Ecke kommt, ausbremst und berichtigt. Ich will nicht die Person sein, der man lieber nichts erzählt, weil sie einen knallhart verurteilt für alles, was man macht und nicht macht.

Es wird erzählt und es wird zugehört. Man muss nicht applaudieren, wenn jemand einem eine dubiose Story unterbreitet, aber man kann sich zu aller erst neutral äußern.

Solange jemand (den ich vielleicht nicht mal (wirklich) kenne) nicht ausdrücklich nach meiner Meinung fragt, und wirklich ehrlich wissen will, was ich darüber denke, und ich auch nichts Positives oder Aufbauendes zu sagen habe, halte ich lieber erstmal den Mund.

Schade nur, dass das außer mir kaum jemand so zu sehen scheint. Ständig, überall, in jeder denkbaren Situation wird einem ungefragt die Meinung unterbreitet, natürlich besonders dann, wenn diese etwas Kritisches beinhaltet. Egal, ob zur eigenen Figur, zur Kleidung oder zur Frisur. Zum Haustier ganz besonders gerne (Du solltest deinem Hund unbedingt eine Lederjacke für 80€ kaufen, wenn du ihn wirklich liebst (ist ernsthaft schon vorgekommen (lustiges Beispiel))).

Während ich optische, oberflächliche Einschätzungen noch halbwegs wegstecken kann, könnte ich Wände hochgehen, wenn meine Lebenseinstellung, meine Handlungen und Entscheidungen grundlos kommentiert und bewertet werden.

Warum? Wie kommt man darauf, andere Menschen runterzuziehen und mit der eigenen Meinung zu belästigen, wenn sie nicht danach gefragt haben? Ich verstehe es einfach nicht.

Ich wollte nicht wissen, ob du findest, dass ich zu oft verreise, dass ich langweilig bin, dass es bescheuert ist, 5 Monate nachdem ich meinen Freund kennengelernt hab, zusammenzuziehen.

Es ist völlig in Ordnung, wenn du nicht mit mir übereinstimmst. Aber warum willst du mir den Tag vermiesen, indem du mir sagst, dass ich/mein Verhalten assi, unverantwortlich, verschwenderisch, komisch, dumm etc. bin/ist? Warum?

Die Beispiele und Kommentare mögen vielleicht harmlos erscheinen, und wie schon erwähnt, reagiere ich sehr empfindlich darauf. Aber ist es nicht förderlicher, zweimal nachzudenken, bevor man sich ungefragt negativ oder sogar verletzend äußert? Förderlich für die Beziehung zu demjenigen, den man dabei ist runterzumachen, förderlich für sich selbst, der man auch nicht will, dass andere einen beurteilen.

Wem ist damit geholfen, wenn du deiner Mitbewohnerin, die gerade eine Stunde gekocht hat und dabei ist zu speisen, sagst, dass ihr Essen nicht gerade lecker aussieht? Wen bringt es weiter, wem nützt es etwas, Vergangenes, was so oder so nicht mehr geändert werden kann und wofür sich der andere in manch einer Situation vielleicht auch noch schämt, negativ zu kommentieren, sodass sich derjenige noch schlechter fühlt? Warum sollte man das tun?

Ich versteh’s einfach nicht.

4 Kommentare

  1. Ach, das ist schön, dass Du das so siehst, wie Du es siehst.

    Dieses sofortige „Vergleichen“, „Bewerten“, „Urteilen“ und dann „rein in die Schublade“ finde ich, ganz wie Du, extrem schlimm. –

    Ich habe in meiner Arbeit viel mit Jugendlichen und Kindern zu tun. Es ist so übel, so traurig,, wie viele davon untereinander genau in dieser Weise miteinander umgehen. Weil es ihnen so viele Erwachsene gerade so vorleben! – Und auf der Strecke bleiben dann so viele derjemigen, die dauernd bewertet, be- und/oder verurteilt und in Schubladen gepackt wurden. Und mancher von diesen ist auf dem besten Wege, daran zu zerbrechen. Oder das ist gar schon geschehen …

    Ein Blick wie Deiner oben auf dem „Bratpfannenfoto“ (sensationell gelungen !!!) ist da das Mindeste an Äußerung von Unwillen.

    Dankeschön für Deinen Eintrag und viele liebe Grüße an Dich!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s