Tagebuch der Depression // 21.10-13.11.2016

21.10.2016

Es wird immer schlimmer, seit Stunden bin ich in Panik, weiß nicht mehr weiter. Ich wünschte, jemand wäre für mich da. Jemand, der mich liebt. Ich wünschte, jemand würde mich festhalten, während ich weine, während ich leide. Ich habe solche Angst, alleine zu bleiben

 

26.10.2016

Wieder dieser Alptraum. Ich werde verfolgt, es ist unangenehm. Nicht richtig schlimm, aber unangenehm. Ich weiß, dass ich nur träume, versuche, den Traum dadurch zu modifizieren, mich dem entgegenzusetzen. Es klappt nicht.

Es ist gut, zuhause zu sein. Ich habe erleichternde Momente. Trotzdem ist die Angst da, die Hoffnungslosigkeit. Ich kämpfe. Mal gewinne ich, mal verliere ich. Es kostet in beiden Fällen unendlich viel Kraft. Ich bin so müde. Ich wünsche mir Besserung, weniger Schmerz. Nur das.

 

29.10.2016

Die letzten Tage waren in Ordnung. Viel Ablenkung hat viel geholfen.

Ich kann lachen, aber die Dunkelheit macht sich immer wieder bemerkbar, schleicht sich selbst in die scheinbar unbeschwerten Momente, weicht nicht von mir. Ich bin oft verzweifelt, weiß nicht mehr, was mir dieses Leben geben soll, ob es mir noch etwas geben kann.

Soll ich einfach auf Besserung hoffen? Aber was, wenn ich das Hoffen verlernt habe? Werde ich wieder bestehen können? Was hat mich so aus der Bahn geworfen? Hat das irgendeinen Sinn?

Hat diese Sinnlosigkeit irgendeinen Sinn?

 

31.10.16

Heute geht es mir gut. Ich sollte mich nicht zu früh freuen, ruft es von weitem. Aber ich will mich freuen und ich tue es.

 

3.11.16

Ich sollte mich nicht zu früh freuen, wie wahr. Der Dämon kämpft sich zurück in mein Leben, setzt alles daran, mir einzureden, dass alles sinnlos ist, hoffnungslos. Ich halte dagegen, so gut es geht, werde aber schwächer und schwächer, kann kaum noch standhalten.

Warum hört es nicht auf? Warum lässt es mich nicht einfach in Ruhe? Was macht meine Seele so krank?

 

5.11.16

Ich sollte mein größter Gönner, Unterstützer und Freund sein, entlarve mich aber immer wieder als mein größter Feind. Als derjenige, der mir selbst immer wieder ein Bein stellt. Ich setze die Messlatte so hoch, vergleiche so erbarmungslos, erkenne nicht an, dass ok ist, was ist. Ich kann es nicht, weiß nicht, wie es geht.

Diese innere Unruhe treibt mich an und lähmt mich zugleich. Ich werde hektisch, kann mich aber nicht fortbewegen, breche zusammen.

Ich hasse mich selbst. Ich hasse mich für alles, was ich nicht kann, nicht bin, nicht weiß. Ich habe kein Mitgefühl mit mir selbst.

Ich bin lieber tot als gescheitert. Das Urteil anderer geht mir über alles. In meinen Gedanken ist nur das, was ich falsch mache, ich sehe nur perfekte Menschen um mich herum, neben denen ich der größte Versager bin. Ich mache ständig alles falsch. Ich bin nicht besonders, nichts kann ich wirklich gut. Ich weiß nichts, bin dumm und naiv. Ich habe kein Engagement, keine Leidenschaften, Hobbies, Ziele. Ich kämpfe nicht hart für irgendetwas. Ich bin langweilig, durchschnittlich, erbärmlich unaufregend. Ich kann anderen nichts bieten. Ich bin seltsam, etwas stimmt nicht mit mir. Ich habe keine Ambition, bin faul, so furchtbar unperfekt. Ich habe noch nichts erreicht. Ich habe so schreckliche Angst zu versagen, keine Perspektive zu haben. Ich habe Angst zu verarmen und zu vereinsamen. Ich bin nicht gut genug, für nichts und niemanden.

 

13.11.16

Tiefpunkt. Gestern war der absolute Tiefpunkt, vielleicht nur einer von vielen, die noch kommen werden. Ich habe furchtbare Panik bekommen, habe wieder einmal beobachten müssen, wie das bisschen Stabilität, das sich aufgebaut hat, davon schwimmt, immer weiter von mir wegtreibt, bis ich es kaum noch erkennen kann. Ich frage mich fast, ob das eine Strafe ist. Es wird kurz besser, um danach noch viel schlimmer zu werden. Wie soll man das nicht als Strafe empfinden?

Ich hätte mir am liebsten die Haare vom Kopf gerissen. Dieser Druck, dieser innere Druck, der mich anschreit, der mir immer und immer wieder sagt, dass ich versagt habe, dass ich immer versagen werde, dass ich einfach nicht genug bin.

Gerne würde ich zurückschreien, würde sagen, dass das nicht stimmt, dass ich weiß, dass es nicht stimmt.

Aber ich bin müde und matt, kann mich höchstens wegdrehen. Nicht weit genug jedoch.

Ich hab‘ die Hölle in meinem Kopf.

 

3 Kommentare

  1. Das klingt nach ein ein paar sehr emotionalen Tagen!:( ich habe das gerade mit sehr viel Mitgefühl und Anteilnahme gelesen. Die Art und Weise, wie du deine Gefühlszustände formulierst, finde ich unglaublich authentisch! Aber wenn du eines bist, dann keine Versagerin! Dein Gefühl ist zwar real, aber der Tatsache selbst würde ich widersprechen. Es ist nicht deine Schuld, dass dein Selbstbild und deine Glücksgefühle verschwinden, sondern die der Depression. Ich bin begeistert von deiner Stärke und dein Durchhaltevermögen! Dass du dich motivierst, dich zu freuen, selbst wenn es nur ein Moment ist, finde ich sehr inspirierend!
    Ich wünsche dir für das Wochenende sehr, dass du noch mehr gute Tage haben wirst, die dich weiter kämpfen lassen! ❤️

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    1. Dankeschön für deine Worte, das ist wirklich lieb. Ich habe diese Phase zum Glück seit diesem Jahr überwunden und es geht mir sehr gut. Ich hoffe auch, das bleibt so. Ist für mich auch krass zu lesen, wie ich über mich selbst gedacht hab, wie stark das denken in der Situation beeinflusst wird. Hoffentlich liest es auch jemand, dem es ähnlich geht, und sieht, dass er damit nicht alleine ist und es wieder besser werden kann. 😊

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