Ich werde einfach nicht wach // Winterblues

Es ist 5:30 Uhr, 7 Uhr oder 10 Uhr. Das ist eigentlich egal. Ich wache auf, bin aber nicht wach. Mein Köper dreht sich nochmal rum, döst weiter, verharrt in diesem Zustand. Ich fühle mich genau wie vor dem Schlafen, müde, so müde. Ein Körper aus Blei, Wachs in meinem Kopf, das hart geworden ist und so bleibt. Klumpig, fest, unbeweglich.

Mit Kaffee in den Adern wird’s vielleicht besser. Raus in die Kälte. Sie haut mir einmal kräftig ins Gesicht, mit voller Härte. Mein Blick wird klarer, das Blei aber bleibt. Ich schleppe es mit, ziehe es vorwärts, raus ins grau in grau. Wo fängt der Himmel an, wo hört die Straße auf?

Die Schultern hochgezogen, um der spitzen Kälte Widerstand zu leisten, sie nicht durch die Kleidung zu lassen. Schnell wieder raus aus diesem Moment, wieder ins Warme.

Die Heizungsluft macht träge, surrt leise neben meinem Ohr, lässt die Augenlider schwer werden. Wann kann ich wieder ins Bett?

 

Ich bin müde, so müde.

 

Ich verkrieche, verstecke mich vor der Dunkelheit, die kaum Pause hat, die den Tag und die Nacht beherrscht, die nur so selten Licht zulässt.

Ich bin zu müde, um anzupacken, zu müde, um loszugehen, spontan zu sein, einfach zu machen.

Weihnachtsshopping, Glühwein, Nikolaus, das interessiert mich kaum, meine Begeisterung ist unter dem Klumpen Blei begraben, taut gerade nicht auf.

 

Ich bin müde, so müde.

 

Mir geht’s nicht schlecht, ganz und gar nicht, mein Blei ist zufrieden, mummelt sich ein, grunzt andächtig vor sich hin, mit einer Tasse Tee und Lebkuchengebäck. Nur in Bewegung kommt es nicht, klumpt antriebslos vor sich hin.

Ich mache Winterschlaf, den ganzen Tag, warte ab, warte jetzt schon auf den Neuanfang, auf die ersten Knospen, auf das große Aufatmen. Es ist noch lange hin, das weiß ich, aber ich kann’s jetzt schon kaum mehr erwarten, dass mein Blei in Wallung gerät, wieder an Fahrt gewinnt.

Bis es soweit ist, bis die Welt wieder ein bisschen lächelt, ein bisschen freundlicher, einladender dreinschaut, ruh ich mich aus, bleib bei mir. Schwer und ungelenk.

 

Ich bin müde, das ist okay.

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