Alle Jahre wieder // Warum ich Weihnachten nicht mag

Lebkuchen, Punsch, Plätzchen, Weihnachtssterne, Dominosteine, Christbäume, Weihnachtsmärkte, Glitzer, rot, Glühwein, Adventskalender, Plätzchen, Adventskränze, Kerzen, Lametta, Lichterketten – find ich alles ganz cool.

 

Trotzdem mag ich Weihnachten nicht.

 

Jedes Jahr wird mir etwas unbehaglich zumute, wenn die ersten Weihnachtsmänner im Supermarkt verkauft werden, und das vorrangig nicht, weil es bereits Ende August anfängt. Ich habe ein Problem mit gesellschaftlich starren, festgelegten Gefügen, das wissen wir bereits. Für mich gehören unumgängliche Feste wie Weihnachten und Silvester jedoch auch dazu.

Es stört mich, dass ich am 24.12. nicht einfach rumliegen und nichts machen kann. Jaaaaaaa, ich kann es theoretisch tun, praktisch aber nicht. Es wird erwartet, dass man das heilige Fest angemessen feiert, fotografisch dokumentiert und auf Nachfrage Auskunft darüber erteilt. Die Familie möchte, dass man nach Hause kommt und sowieso ist es doch traurig, am Heiligabend alleine zu sein.

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Für mich ist der Tag jedoch nicht anders als alle anderen Tage, da ich weder einen besonderen (religiösen) Bezug zu ihm verspüre, noch kleine Kinder habe, die sich unglaublich darauf freuen.

Man macht es einfach, weil man es macht. Und das mag ich nicht.

Ich bin gerne bei meiner Familie, ich esse gerne zu viel, ich sitze gerne gemütlich zusammen. Aber dafür brauche ich kein festgelegtes Datum und in mir brodelt der Rebell, der einfach nicht machen möchte, nur weil man macht.

Ich fühle mich ein bisschen genötigt, bei dem mitzumachen, was alle machen, obwohl mir der persönliche Sinn dahinter fehlt. Meinen Geburtstag lässt man mich zum Glück gestalten, wie ich will (letztes Jahr war ich an diesem Tag zufällig alleine in Madrid, habe mit einer Gruppe aus dem Hostel beim Pub Crawling reingefeiert und saß anschließend 10 Stunden im Flugzeug nach Mexiko, das war super), für Weihnachten und Silvester gilt das nicht.

 

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Silvester. Für mich noch 134 Kategorien schlimmer als Weihnachten.

Hier ist der allgemeine Druck, einen super genialen Abend, die beste Nacht des Jahres zu haben, besonders groß. Schon Wochen vorher überlegt man, was man anstellen könnte, keiner will sich festlegen, wo und mit wem man feiert, also wird dies bis zur letzten Sekunde offengelassen und am 31. enttäuscht festgestellt, dass es wohl doch nicht so geil wird.

Den provokantesten Satz, den ich wohl je geäußert habe, war „ich bleib‘ Silvester alleine zuhause im Bett“. Das kommt nicht in Frage, das ist unerhört.

Bisher war Silvester bei mir nie die krasseste Nacht des Jahres und wird es auch dieses Jahr nicht werden. Darüber bin ich fast schon froh.

Weihnachten werde ich wie immer zuhause bei der Familie verbringen. Und ich freue mich wirklich auf die entschleunigte Zeit in der Heimat. Aber nicht wegen Weihnachten.

11 Kommentare

  1. Same here! Dankeschön für diesen Post. Ich fühle mich immer ein bisschen unbehaglich, wenn ich zugebe, das Weihnachten nicht so mein Ding ist, danach kommt es üblicherweise zu unangenehmen Gesprächspausen – und ich in Erklärungsnot. Es tut gut zu wissen, dass nicht nur ich mit Weihnachten im klassischen Sinn so meine Schwierigkeiten habe. 😉

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  2. Ich bin auch ein Weihnachtsmuffel und würd am Liebsten über Weihnachten und Neujahr nach Spanien fliegen. Um die Ecke hab ich ne Bekannte mit Mann und zwei kleinen Kindern und wurde eingeladen in der Vorweihnachtszeit bei ihr mit anderen Leuten Weihnachtslieder zu singen. Und sie liest ihren Kindern Weihnachtsgeschichten vor und betont, dass sie Traditionen mag. Ist wohl auch Tradition, die Kinder anzulügen. Irgendwann kriegen sie die Wahrheit raus über Nikolaus und Osterhasen und ich war seinerzeit nicht begeistert über die Verarsche ..

    Ich bin Revoluzzer und mag alles, nur keine starren Regeln. Wenn ich möchte, feiere ich Weihnachten im August. Und diese ganze verlogene Schenkererei und dieses Heileweltspielen. Gefühle vortäuschen und vor Freude in die Luft springen, wenn dir jemand deinen Lieblingsschlafanzug schenkt: Dabei schlafe ich immer nackt, weil auch hier mein Freiheitstrieb sich durchsetzt.

    Weihnachten ist was für Spießer. Wir Andersdenkende beschäftigen uns eben anders. Wenigstens kommen nachts ein paar Horrorfilme im Fernsehen und am Tag ein paar Komödien. Und man hat seinen Lesestoff und seine Musik. Die freien Tage sind natürlich sehr willkommen. Frohes Fest und Friede auf Erden und Freude und Zimtsterne …

    LG PP 😉

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  3. Danke für deine offene Kritik. Verstehe deine Meinung zum Thema Weihnachten. Hast du eine große Familie? Ich finde es einfach schön, dass man wenigstens ein Datum im Jahr hat, wo man alle Familienmitglieder sieht. Vor allem, wenn sie weit auseinander leben. Allein deswegen freue ich mich auf Weihnachten.

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  4. Ich verstehe dich gut. Du sprichst mir aus der Seele. Ich mag Weihnachten auch nicht so sehr. Bin gerne bei meiner Familie zum Essen oder auch Geschenke austauschen. Aber das reicht mir auch. Ein Tag Weihnachten wäre völlig ausreichend. Der ganze Stress vorher. Einkaufen, Geld ausgeben usw. Bin immer froh wenn das lange rumhängen, je nach Wetter noch schlimmer, endlich vorbei ist. Silvester hast du Recht. Zu sagen, ich mache nichts, geht gar nicht! Doch warum ist das so? Kann man das nicht einfach zugeben? Viele Grüße, Julia von http://www.fashion-stoff.de/

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    1. Seh ich auch so, für was der ganze Wirbel. Ich kann mich zum Glück dieses Jahr immerhin an Silvester ausklinken, weil ich am nächsten Tag aus einer anderen Stadt im den Urlaub fliege und den Silvesterabend schon dort verbringe😄

      Liebe Grüße!

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  5. Mit Silvester gebe ich dir völlig Recht. Die Partys unterm Jahr sind zu 99% besser als Silvester. Es ist jedes Jahr der gleiche Misst und ich bin jetzt schon total genervt davon. Was aber noch schlimmer für mich ist, ist Carneval. Auf Knopfdruck gute Laune haben und verkleidet rumlaufen. Zieht man sich unterm Jahr aber Mal etwas bunter oder ausgeflippter an, dann warten böse Blicke…..

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  6. Hi, ich kenne das auch! Viele meiner Freunde geht es wie dir bzw. sogar noch schlimmer, denen graut richtig vor diesem aufgezwungenen Familienabend. Bei uns ist das so. Es kann entweder ganz erträglich werden, wenn alle auf einmal nach Hause kommen oder voll in die Hose gehen. Ich persönlich habe miene Familie lieber in getrennter Variante bei mir, aber dass Weihnachten alle versuchen so zu tun, als würden sie miteinander auskommen, kann echt nerven. Aber tatsächlich, gibt es sie immer mal wieder. Diese Weihnachtsfeste an denen, wir in kleinen Momenten feststellen, dass wir zusammengehören als Familie, egal was kommt und wenn dieses Fest alle drei Jahre einmal dazu beiträgt, dann schaue ich auch wieder mit milderem Blick darauf ;D Aber Silvester! Hola! Da mach ich mir ja sowas von gar keine Platte, ich entscheide mich spontan, wen ich an diesem Abend am liebsten sehen will unabhängig von dem Gedanken, dass am nächsten Morgen Neujahr ist und Feuerwerk gibts ja auch im Sommer zu jedem Dorffest. Und mit dem Anspruch einfach Zeit mit denen zu verbringen, auf die ich gerade Lust habe, macht daraus meist einen richtig guten Abend. – der übers Jahr sicher zu toppen ist, aber zumindest keine Enttäuschung mit unnötigem Druck ist !

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  7. Das Unbehagen geht meines Erachtens davon aus, daß man anscheinend solche Feste braucht, um ein Familien- oder soziales Leben zu generieren.

    Ich persönlich mag keine Geburtstagswünsche, und sonst hört man von den Leuten das ganze Jahr nichts mehr. Das ist doch öde und sinnlos? Aber viele sozialen Beziehungen bestehen nur noch aus solchen Ritualen.

    Da fehlt der Mut sein Leben so zu leben als hätte man jeden Tag Geburtstag oder als sei jeden Tag Weihnachten.

    Schönen neuen Tag!

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