Mein 1. Jahr in Berlin // April und Mai 2016

Bevor es für mich nach einem Monat Abwesenheit wieder nach Berlin geht, mache ich einen kurzen Abstecher nach Hamburg und fahre danach noch zu ihm. Es ist dumm von mir, das weiß ich. Während er arbeitet, sitze ich in seiner Wohnung und schaue aus dem Fenster, es gießt an beiden Tagen in Strömen.

Er hat mich ebenfalls im März besucht, ist für weniger als ein Wochenende quer durch Deutschland gefahren. Ich bilde mir ein, dass das etwas bedeutet.

Ich bin nicht gut mit Zahlen, aber als wir in dieser Bar nebeneinandersaßen und er sein Handy vor sich hielt und seinen Pinncode eingab, hat sich die Kombination geradezu in mein Gedächtnis eingebrannt.

Einen Monat später weiß ich sie immer noch, und in einem ungestörten Moment überkommt es mich, ich nehme sein Handy und schicke mir die Nummer seiner Freundin.

Auf der Rückfahrt nach Berlin, tippe ich immer wieder einen wohlüberlegten Text, lösche ihn wieder und schicke ihn dann doch am Ende ab. Im Prinzip bin ich mir sicher, dass sie schon davon weiß, dass sie es zumindest ahnt. Trotzdem versuche ich, so vorsichtig wie möglich zu formulieren, bilde mir ein, ich tue es auch für sie, der Gerechtigkeit wegen, sage mir, dass es das Richtige ist, dass er mit so etwas rechnen muss, wenn er sich nicht von selbst entscheidet. Ich weiß bis heute nicht, ob das ok, ob das fair war oder nicht.

In Berlin empfängt mich meine neue Mitbewohnerin herzlich, ich fühle mich wohl. Wir sind vom ersten Tag an Freunde. Mir gefällt es, mitten in Mitte zu wohnen, ich bin froh zurück zu sein. Die nächsten Wochen schiebe ich den Gedanken an meine Bachelorarbeit weit weg, dekoriere mein Zimmer, erkunde Berlin und lebe einfach in den Tag hinein.

Er ist wie erwartet ziemlich wütend auf mich, seine ab jetzt Exfreundin redet nicht mehr mit ihm. Mich zieht die ganze Sache zwar ab und an runter, ich bin jedoch für’s erste mit mir selbst beschäftigt.

Anfang Mai raffe ich mich dann doch auf und suche mir einen Job. Ich fange bei einer großen Personalvermittlung im Gastronomiebereich an und werde in große Hotels und zu Events geschickt, bei denen ich mit Sektgläsern auf dem Tablett rumstehe oder Tische abräume. Es ist zum kotzen. 13 Stunden arbeiten ohne Pause kann schon mal vorkommen, man wird von den Ranghöheren oftmals behandelt wie die Essensreste, die man wegräumen soll.

Anstatt meine Bachelorarbeit in Angriff zu nehmen, doktere ich an meinem Romanskript herum, das ich ewig nicht angerührt habe, und entschließe mich, es nochmals einem Verlag zu schicken. Als ich gleich am nächsten Tag eine Antwort per Mail erhalte, kann ich es kaum fassen. Die Verlegerin ist interessiert und will mit mir sprechen.

Er will sich mit mir Treffen um zu reden. Ich willige ein. Natürlich spricht er, als wir uns schließlich beim Asiaten gegenübersitzen über alles, nur nicht über das, was vorgefallen ist. Später, nach ein, zwei Gläsern Wein, frage ich schließlich, was jetzt ist, wie es weitergehen soll. Er sagt, er kann sich auf nichts Neues einlassen. Ich sage, ich möchte endgültig keinen Kontakt mehr.

3 Kommentare

  1. gut, dass du keinen kontakt mehr möchtest. das reißt nur immer wieder das herz auf, wenn man verliebt ist in jemanden, der sich nicht entscheiden kann oder will. tut mir leid für dich. und ich dachte, du schriebst mir, du seist in einer beziehung? oder ist das hier etwas altes? ich blick grad nicht durch, sorry.

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