Wie können wir das rechtfertigen? // Selbstlos vs. Selbstverwirklichung

Es gibt sie und es gibt uns.

Es gibt Ärzte ohne Grenzen, Umweltaktivisten, Tierschützer, Menschenrechtler, Entwicklungshelfer, Altenpfleger, Therapeuten, Krankenschwestern, Anwälte für Arme.

Und es gibt uns. Social Media Experten, Blogger, Fotografen, Schauspieler, BWLer, Marketing Manager, Verkäufer, Künstler. Selbstverwirklicher.

 

Wir widmen unser Leben nicht dem Kampf gegen Leid, Hunger und Krankheiten. Wir helfen nicht den Vergessenen, retten nicht die Armen. Wir opfern uns nicht für einen höheren Sinn, für Mensch, Tier oder Umwelt. Wir leben nicht für andere. Wir leben für uns.

Wie können wir das rechtfertigen?

Es geht mir so oft durch den Kopf. Wie kann ich, bei all dem Leid, all den Problemen, Herausforderungen und Diskrepanzen auf dieser Welt, entscheiden, dass sich mein Leben nur um mich dreht? Dass ich mich nicht ausbilde, um zu helfen, um zu geben. Im Weitesten Sinne vielleicht schon, doch nicht an der Stelle, an der es am meisten gebraucht wird, nicht am schwächsten Glied in der Kette. An erster Stelle bin ich, nur ich. Wie kann das in Ordnung sein?

Da draußen sind Menschen mit Idealen, mit noblen Zielen, Altruisten, Weltverbesserer. Und wir? Was machen wir? Das, was uns am meisten Spaß macht, was angenehm, entspannt, spannend ist? Das, was unsere Persönlichkeit fordert, ihr entspricht? Entspricht uns helfen nicht?

 

Wir sind nicht alleine hier, wir können uns nicht verschanzen, leben genau so vom Gemeinwohl, wie die mit Helfersyndrom. Geben wir genug zurück? Ist da nicht ein Ungleichgewicht?

Wie können wir das rechtfertigen?

 

Ich habe darauf keine Antwort, Es sind Fragen, Sätze, Worte, die in meinem Kopf Purzelbäume schlagen. Reicht ein Verweis darauf, dass wir nicht begabt sind, dass es nicht unser Ding ist, das mit den Menschen, den Tieren, der Natur. Dass wir schlecht darin wären, dass wir lieber unseren Neigungen nachgehen, dass so alle mehr davon haben? Kann das stimmen?

 

Wie können wir das rechtfertigen?

 

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10 Kommentare

  1. Ich denke nicht, dass es um Rechtfertigung gehen sollte. Ein Anfang könnte sein nicht „Es gibt sie und es gibt uns“, zu denken, zu sagen. Das klingt und das ist, wenn es konsequent gedacht, gesagt, gemeint und gelebt wird, Schublade.

    Keinesfalls jeder muss oder kann Entwicklungshelfer, Altenpfleger usw. sein. Aber jeder Blogger, jeder Fotiograf, jeder Manager, Künstler usw. sollte auch nicht NUR DAS (Blogger, Fotograf, Manager) sein (wollen). Im Kleinen ist so viel zu tun möglich und nötig. Rücksicht und Respekt zu leben, nicht NUR auf sich zu schauen. Bestrebt zu sein soweit für sich glücklich zu leben, dass es anderen nicht schadet – auch das wäre ein Anfang. – Aber dazu muss man sich im Mindesten und wiederholt kritisch befragen wollen und auch unbequeme Antworten zulassen. Und die dann nicht einfach stehen und alt werden lassen …

    Gut ist auch, das Bewusstsein in sich (sehr) wach zu halten, dass man jederzeit selbst auf Hilfe angewiesen sein könnte … – Wenn man dann auf einen NUR Manager, NUR Künstler, NUR Selbstverwirklicher trifft …

    Um es zusammenzufassen, ohne irgendein „Urteil“ zu fällen:

    Es gibt keine Rechtfertigung!

    Viele liebe Grüße!

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  2. mir geht es gar nicht um die Rechtfertigung gegenüber anderen, sondern vor mir selbst. Im Kleinen sollte jeder sein Mögliches tun, klar, aber das ist eben einfach, das ganze damit abzutun. Denn es gibt eben auch Menschen , die es „im Großen“ machen. Genau, das kritisch prüfen und hinterfragen, was man eigentlich macht oder nicht macht, finde ich wichtig

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    1. Nicht jeder kann einen „altruitischen“ Beruf haben. Und zu altruistisch sein, hat auch seine Schattenseiten. Ich bin Sozialarbeiter … – und ich bin jetzt zum Ende des Jahres wieder so an meine Grenzen gekommen, dass ich eine halbe Stelle kündigen musste. (Vor gut vier Jahren hatte ich einen kompletten „Zusammenrutsch“ und bin danach nie wieder richtig gesund geworden.) Das ist also auch nicht der richtige Weg –

      Im Kleinen etwas zu tun, ist im Zweifel allerdings gar nicht so einfach. Einer älteren Nachbarin helfen, für sie einkaufen, sie beim Spaziergabg begleiten, Menschen in einer Blinden- und Sehschwachengruppe regelmäßig etwas vorlesen, in einer sozialen Einrichtung aushelfen, das sind „kleine“ Dinge – wenn man die aber regelmäßig und ehrenamtlich macht, dann ist das schon verflixt viel, finde ich.

      Dass Du Dich insoweit hinterfragst, unterscheidet Dich schon mal von etlichen, die das gar nicht erst tun.

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      1. Ja solche Dinge wären schon toll und auch zeitintensiv. Das ist die Frage, wer das bei einer 40 Std Woche noch machen kann. Deswegen bleibt es für mich trotzdem der zentrale Punkt,den ich hier anschneiden will, dass es nen Unterschied macht, ob man seinen Beruf, seine 40 Std/Woche so etwas widmet oder nicht.

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  3. Ja klar, es macht einen Unterschied. Aber Künstler oder Social Media Experten braucht es halt auch. Und weilk das anders nicht sein kann, ist es so schwer, denn eine 40-Stunden-Woche und vielleicht noch Familie sind halt „Fulltime“.

    Aber man kann in jedem Job und vor allem innerhalb der Familie Werte vermitteln. Und das wird vie zu gering geschätzt finde ich. Im Ergebnis hat man , etzwa als Sozialarbeiter, dann Kinder, Jugendliche , Erwachsene zu betrueen, mus „für sie da sein“, die man nicht betreuen müsste, für die man nicht (so) da sein brauchte, wenn dder Sache mit dem „Werte vermitteln“ viel mehr Beachtung geschenkt würde. –

    Man muss manchmal gar nicht so weit schauen, um im Kleinen etwas sehr Wichtiges zu machen, andauernd und immerzu. Und nicht immer muss man dafür „Extrazeit“ aufbringen müssen. Nur dadurch wird das was man tut ja nicht wichtiger.

    Mitunter gibt es auch so eine „WIN-WIN-Situation“ (Ich mag den Ausdruck eigentlich ncht) – Ich habe zum Beispiel jahrelang hauptamtlich Migranten beraten, Seminare gehalten zur tatsächliche rechtlichen und Lebenssituation der sehr unterschiedlichen Migrantengruppen (vor allem vom Aufenthaltsstatus her) – Über lange Zeit habe ich das auch ehrenamtlich als Moderator in einem entsprechenden Internetforum getan. – Ich konnte auf diese Weise helfen und habe andererseits unglaublich viel gelernt, meinen Horizont immer mehr erwietern können, weil da eine Menge richtig guter und kluger Leute mit am Start waren. Dieses Forum war meine beste und wichtigste Weiterbildungsinstanz.

    Was uich sagen will:

    a) Es gibt viele Möglichkeiten

    b) Was „klein“ und selbstverständlich scheint, ist es oft bei Weitem nicht

    c) Über die eigene Lebensart und Ausstrahlung kann man unglaublich viele Menschen erreichenb und ansprechen. Man kann sie ermutigen, sich gegenseitig Zuversicht schenken – im guten, im positiven Sinne – das geht iregndwie in jedem Beruf und im sonstigen Alltag sowieso.

    Herrje, ich „texte“ hier so viel. – Ich verstehe Dein Anliegen sehr gut, Du sollst auch (selbst)kritisch bleiben, aber Dir auch bei dieser kritischen Sichtweise nicht gleichzeitig Mauern aufbauen, liebe arunika …

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  4. Niemandem anderen willentlich zu schaden, das ist allein schon ne Menge wert. Du könntest Drogendealerin, Terrorist, Betrüger, Bankräuber, Mörder oder Entführer sein, Einbrecher oder Autodieb, Kaufhaus- oder auch Taschendieb. Ich denke, wer sich an die Gesetze hält und ein gottgefälliges Leben führt, der tut schon ne ganze Menge, dadurch, das er es nicht tut. Und wenn du einmal einen Beruf hast, dann bist du ein zahlendes Mitglied dieser Gesellschaft durch deine Lohnsteuer. Du zahlst heute schon ne Menge an indirekten Steuern an den Staat. Wir haben als Menschen Arbeitsteilung. Von den Steuern und Abgaben werden die helfenden Berufe bezahlt. Ein Sozialarbeiter ist kein besserer Mensch als etwa ein Bankangestellter, ein Arzt ist nicht besser, als ein Manager. Weil der Sozialarbeiter und der Arzt ja von der Allgemeinheit für ihre Tätigkeit bezahlt werden. Und jeder Beruf ist wichtig und selbst wenn du Hausfrau oder /und Mutter wirst, bist du wichtig und erfüllst eine soziale Aufgabe. Schon jetzt zahlst du Miete, Strom usw. Und davon zahlt der Vermieter und die Stromgesellschaft ihre Verbindlichkeiten oder Angestellten. Alle sind wir wichtig, selbst der Harz4-Empfänger, denn durch sein Arbeitslos-Sein, hat ein anderer die Stelle, die er sonst hätte und dieser andere hat vielleicht eine Familie zu ernähren. Bleib ehrlich und gehe den geraden Weg, dann tust du schon sehr viel für die Allgemeinheit 😉

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  5. In einem antiken Lebenskonzept ist die Rede von „verantwortlicher Selbstsorge.“ Die muss narturgemäß vorneanstehen, damit man überhaupt genug Kraft aufbringen kann, anderen zu helfen. Ein Anfang ist, sich Fragen zu stellen, wie du es hier tust. Wenn dann der Druck groß genug ist, schließt sich hieran entsprechendes Handeln an. Vielleicht ist dein Text aber auch schon Denkanstioß für andere. Man sollte das nicht unterschätzen.

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  6. ich denke, es ist schon gut und wichtig auch für sich selbst zu sorgen. wenn du es nicht tust, wer sollte das sonst tun? du bist dir die nächste, weil du du bist. und wenn du für dich gesorgt hast, dann ist energie, kraft u.a. da, um es auch zu teilen, weiter zu geben, damit geld zu verdienen o.ä.
    vielleicht interessieren dich im moment andere themen, als zu helfen, zum beispiel, dass es dir wichtig(er) ist, dich selbst zu verwirklichen oder viel geld zu verdienen u.s.w.
    helfen kannst du, musst es ja nicht bei greenpeace an irgendwelchen hubschraubern hängend machen, du kannst auch dem nächsten, der auf der straße sitzt, wenn du willst, etwas geld geben. oder deiner alten nachbarin die tasche nach hause tragen oder im blog jemandem einen hilfreichen, unterstützenden, mutmachenden kommentar schreiben oder was und wie auch immer. es gibt viele möglichkeiten, zu helfen. für mich heißt zu helfen übrigens nicht, mich zu opfern. das ist nicht gesund, wenn man selbst dabei auf der strecke bleibt. dann braucht man hinterher ja selbst hilfe. insofern erwähnte ich ja oben, dass es wichtig ist, auch für sich selbst zu sorgen.
    ich halte hilfsbereitschaft für eine sehr wichtige angelegenheit. vielleicht ist das erst in ein paar jahren für dich ein thema, kann ja sein, also thema im sinne von: so möchtest du leben. man verändert sich ja auch mit der zeit.
    ich habe das schon öfter gehört, dass menschen sagen: da und da wurde mir so sehr geholfen, davon möchte ich gern etwas zurück geben. das gibt es auch.
    liebe grüße und schöne feiertage dir.

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