Mein Unbehagen auf Reisen // Traveldiary

Reisen ist für mich definitiv eines der besten Hobbies, für das man sein Geld in jungen Jahren verschleudern kann. Nichts bereichert einen so nachhaltig, schafft langanhaltende Zufriedenheit und einen echten Mehrwert für das ganze Leben, wie loszuziehen und sich die Welt anzuschauen. Man wächst, erweitert seinen Horizont, lernt so viel Neues jeden Tag kennen.

Ich würde behaupten, ich war schon recht viel unterwegs, habe schon einiges gesehen. Vor allem das alleine Reisen hat mich ziemlich geprägt, das ist eine einzigartige Erfahrung.

Trotzdem oder gerade deswegen sehe ich das Reisen nicht mehr komplett unkritisch, bzw. erkenne bei mir ein paar negative Muster, in die ich jedes Mal verfalle, wenn ich unterwegs bin.

 

Reisen = Punkte abarbeiten

Ich bin mittlerweile nicht mehr so scharf darauf, jedes im Reiseführer erwähnte Highlight eines Ortes abzuklappern und einen Haken dahinter zu setzen. Ich möchte vor allem den Vibe, das Gefühl, die Lebensart einer Destination kennenlernen. Dafür setze ich mich auch gerne mal in ein Café und beobachte die Menschen, die Umgangsweisen. Was bietet eine Stadt, wie ist ihr Gemeinschaftsverständnis, wie glücklich wirken die Leute in ihr? Solche Dinge nimmt man einfach wahr, die arbeitet man nicht ab.

Trotzdem möchte ich natürlich auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen haben. Ich verlasse Rom nicht, ohne im Vatikan gewesen zu sein, ich fahre in Rio de Janeiro zum Cristo Redentor, der riesigen Christusstatue, hinauf, ich muss den Blick vom Tafelberg in Kapstadt auch genossen haben. Aber immer wieder kommt mir das so primitiv vor, das ganze Punkte abarbeiten, Sehenswürdigkeiten abklappern, Punkt für Punkt, hin, Foto schießen, weiter.

Ist das Reisen? Eine Liste von Dingen, die man gemacht haben MUSS, abarbeiten? Damit man nachher das obligatorische Foto vorweisen kann, damit man nicken kann, wenn man gefragt wird, ob man aber hoffentlich xyz auch gesehen hat. Sich in Massen über die Erde schieben, in Touristenbussen, zu den Orten gekarrt zu werden, die die Allgemeinheit als sehenswert deklariert hat, mal ehrlich, ist das nicht auch ein bisschen irre?

 

Reisen ohne Rücksicht auf Verluste

Was mir jedes Mal wehtut, ist, wenn ich mitten in der Natur Müll herumliegen sehe, am besten direkt neben einem Schild, das darum bittet, seinen Abfall nicht einfach irgendwo hinzuwerfen. Wie unglaublich egozentrisch und gleichgültig kann man eigentlich sein, dass man auch den letzten Fleck Erde verdrecken muss?

Aber nicht nur das Offensichtliche macht mich stutzig. Ich werde das Gefühl nicht los, dass wenn wir die Natur, Flora und Faune wirklich lieben und respektieren würden, wir einfach zuhause blieben. An dem Ort, an dem wir die Natur bereits verdrängt und bebaut haben. Wo schon kaum mehr Natürlichkeit herrscht. Anstatt dass wir losziehen und die Naturreservate, Parks, Regenwälder etc. dieser Welt mit unserem Dasein belästigen. Die Tiere stören, die Natur mit Abgasen verpesten, Straßen bauen, Wege einrichten. Damit der Mensch sich auch jeden noch so kleinen Ort zu Gemüte führen kann. Wäre ja schrecklich, wenn uns etwas vorenthalten bliebe.

 

Innere Leere auf Reisen

Es passiert mir immer wieder. Auf längeren Autofahren, auf einem Strandabschnitt, der genau so aussieht, wie der davor und der davor und der davor. Auf einem Wanderweg, der mich irgendwie nicht begeistert.

Eine extreme Langeweile überkommt mich, eine Mikrodepression, die einige Augenblicke anhält. Meistens bin ich dann noch übermüdet, wünsche mir eigentlich nur, ich könnte mich hinlegen.

In solchen Momenten kann ich mich einfach nicht an dem Erfreuen, was ich vor mir habe. Und mag es noch so beeindruckend sein, es langweilt mich. Ich frage mich, warum ich das eigentlich mache, warum ich in der Weltgeschichte umherfahre, was das soll. Was macht es für einen Sinn? Warum um alles in der Welt macht man das? Ich sehne mich nach einigen Tagen des in-den-Tag-hinein-Lebens nach meinem Alltag und meiner Routine, nach ein bisschen Stress, den eine volle to-do-Liste auslöst.

Ich frage mich dann, ob ich extrem undankbar bin, warum ich nicht einfach genießen kann, was gerade vor mir ist, warum ich mich so fühle. Aber ich kann es nicht ändern, manchmal überkommt mich so eine starke Sehnsucht nach meiner eigenen Struktur, die ich zuhause habe, dass ich die ganze Reise an sich in Frage stelle.

 

Kennt das irgendjemand?

5 Kommentare

  1. Für mich ist reisen das schönste was es gibt! ❤❤ es gibts nichts erfüllendes als neue Länder und Städte zu erkunden, neue Menschen kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln ❤❤

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