#wealltoo // Was mich an der #metoo-Debatte stört

Die aktuelle #metoo-Debatte gegen sexuelle Übergriffe, vordergründig an Frauen im Filmbusiness, ist zweifelsfrei wichtig und richtig. Dass Verantwortliche, die jahrelang ungehindert belästigt haben, endlich zur Rechenschaft gezogen werden, ist mehr als notwendig.

 

Was mich dennoch daran stört?

 

Ganz ehrlich, welche Frau wurde noch nie ungefragt begrabscht, belästigt oder genötigt? Es ist leider Gottes normal (was es keineswegs gutheißen soll). Es geht nicht nur berühmten Frauen so und es ist auch nichts Neues. Wenn Bettina aus Entenhausen in der lokalen Disko bedrängt wird, interessiert das wahrscheinlich niemanden. Wenn man als Ottonormalverbraucherin darüber klagt, wird meist mit einem müden Lächeln abgewunken. Ist eben so. Was will man machen. Einfach nicht mehr in die Disko gehen, oder eine lange Hose anziehen. Na danke.

 

Dass eine solche Debatte über Prominente ausgelöst wird, ist nach der Logik der Medien absolut verständlich, trotzdem stört es mich, wenn so ein Thema zu einem plötzlichen Schocker erklärt wird, als würde es wirklich irgendjemanden wundern.

Noch viel scheinheiliger ist allerdings, dass sich plötzlich alle Mitarbeiter, Freunde, Produktionsfirmen, Kollegen o.Ä. von beschuldigten #metoo-Personen distanzieren, ihr Verhalten anprangern, sich von ihnen (beruflich) trennen oder sie gar aus ihren Filmen rausschneiden. Come on, das ist sowas von lächerlich. Wie bekannt wurde, war es bei den meisten Angeprangerten ein offenes Geheimnis, dass sie Frauen oder Männer seit Jahren belästigten. Alle wussten es. Und jetzt wo die Medien die Geschichten ans Tageslicht zerren, finden es aufeinmal alle anstößig und wenden sich ab. Bevor das Thema jedoch in aller Munde war, hat es keinen interessiert. Grabscht xyz halt manchmal rum, wird trotzdem für die Rolle genommen. Aber jetzt gilt es natürlich das Image zu schützen, also tun wir alle mal so, als fänden wir das wirklich überraschend und schlimm, damit der Imageschaden nicht zu groß wird.

 

Es ist ein Problem, dass das #metoo-Thema momentan Trend ist. Denn Trends verschwinden, werden alt, ausgelatscht, langweilig. Diesem Trend wird es genau so gehen. Alle regen sich auf, für einen, zwei, 3 Monate. Und dann will es keiner mehr hören, dann ist auch genug mit klagen und anprangern, dann muss man auch bitteschön wieder normal weitermachen können. Als sich Frauen gegen Trump erhoben und ihn angeklagt haben, hat es noch keinen interessiert. Sogar als er selbst damit prahlte, gerne Frauen zu belästigen, hat es keiner Ernst genommen, nein, der Mann wurde sogar zum Präsidenten gewählt.

 

#metoo ist real und es muss darüber gesprochen werden, absolut. Dauerhaft und nachhaltig. Es bleibt zu hoffen, dass die Bemühungen und Proteste nicht nach kurzer Zeit wieder im Sande verlaufen und vergessen werden.  Dafür ist es zu wichtig, nicht nur für Frauen im Filmbusiness oder in der Politik, sondern auch für Bettina, Lisa, Annette und mich.

15 Kommentare

  1. Wow, krasser Artikel ! Ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen, aber habe tatsächlich einen ähnlichen Artikel verfasst, in dem es darum geht, selbst nein zu sagen und nicht nur anderen vorürfe zu machen .
    Ich finde deinen Text echt gut und gut durchdacht 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. „trend“ würde ich es nicht nennen. es ist gerade in den medien, ja, (flacht dort aber schon ab), im netz wird noch diskutiert, hier und da. ich stimme dir zu in dem gedanken, dass bestimmte dinge immer thema sein müssen. ich finde es gut, dass das thema an die bzw. in die öffentlichkeit und öffentliche diskussion gekommen ist. die botschaft daraus soll nicht vergessen werden bzw. untergehen. ihr schreibt, dass ihr den eindruck habt, männer nähmen diese debatte gar nicht ernst – den eindruck habe ich auch und gerade deshalb ist es so wichtig dass es gehört wird. es gibt zu viele, die das „normal finden“, wenn jemand begrabscht wird o.ä., es belächeln o.ä. das heißt, das ein gewisser gedanke immer noch nicht in manchen köpfen angekommen ist, dass es nämlich nicht okay/normal/angemessen ist.

    Gefällt 2 Personen

  3. Sehr interessante Sichtweise auf das Thema. Ich hoffe auch, dass die Aufmerksamkeit nicht wieder verschwindet und das Thema dauerhaft diskutiert wird. Sexuelle Belästigung sollte nie „normal“ sein.

    Liebe Grüße,
    Alina von Selfboost

    Gefällt 1 Person

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