Tattoos und Trennung // Über’s Bereuen

Wenn Leute meine Tattoos entdecken, erzählen sie mir oft, dass sie sich auch gerne tattowieren lassen würden, sie sich aber nicht 100% sicher sind, ob ihnen das Motiv wirklich für immer gefallen wird und dass sie Angst haben, es später zu bereuen.

 

“Und was, wenn sie dir irgendwann nicht mehr gefallen?”

 

Ähnliches beim Zusammenziehen mit dem Partner, oder dem Erwägen einer Trennung. Was wenn man es hinterher bereut?

Soll ich wirklich in eine fremde Stadt ziehen, in der ich niemanden kenne? Meinen Job kündigen? Mir die Haare abschneiden?

 

Was, wenn ich das irgendwann einmal bereue? Was dann?

 

Das ferne Land der eventuellen Reue, die ewige Furcht, vor diesem einen Schritt in die falsche Richtung. Der Schritt in den Hundehaufen unter den Entscheidungen, hält uns so oft zurück. Was, wenn wir etwas machen, das man nicht einfach so wieder rückgängig machen kann? Das dann einfach so ist und man muss damit leben?

 

Das Leben ist kein weißes Blatt, das du möglichst so belassen solltest. Immer nur mit dem Bleistift leicht darauf herummalen, so dass man wieder alles ausradieren kann bei Bedarf. So läuft es einfach nicht. Nimm endlich mal den Buntstift in die Hand und kritzel so richtig drauf los.

 

Denn nicht entscheiden, ist auch eine Entscheidung.

 

Es fühlt sich nicht so an. Es wirkt sicher, es ist passiv. Aber letztlich entscheidest du dich dafür, nichts zu tun, alles beim Alten zu belassen, keinen Schritt nach vorne zu machen und die Umstände entscheiden zu lassen. Und das ist so viel schlechter als ein paar Mal daneben zu liegen. Und auch ein paar Mal einen Volltreffer zu landen.

 

Dann ist es eben mal die falsche Haarfarbe, die falsche Stadt, der falsche Partner, mit dem du ein teures Designersofa für die gemeinsame Wohnung ausgesucht hast. Na und?

Du lebst, du machst Erfahrungen, du entwickelst dich weiter. Nur so kommst du voran. Du kannst nicht alles vermeiden und am Ende trotzdem genau wissen, was du willst und was nicht. So funktioniert das Leben, du musst wagen, gewinnen oder auch mal verlieren, um es künftig besser zu wissen.

 

Was gibt es überhaupt an einer Entscheidung zu bereuen? Triffst du sie nicht, erfährst du niemals, wie es gewesen wäre, wenn du sie doch getroffen hättest. Du wirst niemals wissen, ob es vielleicht genau das Richtige für dich ist, oder eben auch nicht. Du bleibst im Dunkeln, du hältst dich klein, du bist ein Samenkorn im kalten Keller. Ohne Tageslicht, ohne Wasser. Wachstum not possible.

 

Du denkst, du nimmst dir etwas weg, wenn du aus 10 möglichen Wegen einen auswählst. Was ist mit den 9 restlichen? Die sind dann verbaut. Und so wartest du lieber, bis aus 10 schließlich 0 wird. Weil das Leben weitergeht, weil keine Tür für ewig offen bleibt. Ist 0 wirklich besser als 1 (bitte keine Informatikersprüche an dieser Stelle) ?

Es ist genau andersherum. Wenn du nichts auswählst, nimmst du dir die Freiheit zu wählen. Weil du einfach nicht in Aktion trittst. Weil du nicht ausprobierst. Alle Möglichkeiten zu haben und keine zu Wählen, ist nichts zu haben. Gar nichts.

Hör auf, auf Zehenspitzen durch’s Leben zu schleichen und zu versuchen möglichst rein und blütenweiß zu bleiben. Das birgt vielleicht keine Gefahren, ist sicher. Aber dein Leben auskosten sieht anders aus. Dann lieber mal mit Anlauf in den Hundehaufen springen.

 

quarterlife_blog_bereuen

 

Nein, ich werde meine Tattoos nicht irgendwann bereuen. Sie fügen sich ein mit der Zeit, sind ein Teil von mir geworden, gehören einfach dazu. Sie erinnern mich an bestimmte Abschnitte in meinem Leben, an eine Bedeutung die ich ihnen gegeben habe.

Ok, und wenn ich sie doch mit 50 Jahren schrecklich bereue, weil ich als CEO eines spießigen Unternehmens damit nicht ernst genommen werde, dann lasse ich sie entfernen. So what.

 

 

 

 

 

19 Kommentare

  1. ich finde du hast absolut recht! Im Prinzip ist es dein eigenes Ding, es muss dir gefallen und niemand anderem. Und dann finde ich immer, dieses „Gefallen“ ist so eine Sache. Natürlich kann man nicht genau sagen wie man sich entwickelt und ob das Tattoo dann noch genauso toll ist wie man es zu Anfang fand, aber genau wie du es schreibst, wer gibt einem die Gewissheit für irgendwas im Leben?! Ich finde man sollte es einfach tun – es gehört zu der Person, die du jetzt bist und wenn es dir später nicht mehr so gefällt, dann ist es ganz einfach eine Erinnerung – und wie kann man die nicht lieben?! Ich bereue keins meiner Tattoos, ich denke das ist alles eine Einstellungssache 😉

    Liebst,
    Alena
    lookslikeperfect.net

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  2. erst gestern habe ich auch darüber nachgedacht und wie viele Menschen sich in fremde Leben und Entscheidungen einmischen. Ich bin genau deiner Meinung. Danke fürs niederschreiben. Sei lieb gegrüsst. E.

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  3. Mir gefällt deine Art zu Denken. Ich bewundere dein freies Handeln. Vielleicht finde ich es auch super mutig und du hast in jedem Fall Recht. Das Leben ist kurz. Man sollte jeden Tag leben und neue Dinge erleben, sie ausprobieren und auf andere Meinungen nicht all zu viel geben. Schließlich wollen wir alle doch später „coole“ abenteuerliche Geschichten unseren Enkeln erzählen oder in unserer Rollatorgang nicht dumm dastehen und uns fragen, was wir hätten anders machen können. 🙂

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  4. Entweder man nimmt uns mit Tattoos oder nicht. Ich finde das unmöglich das gerade im Berufsleben teilweise so ein Terz daraus gemacht wird. Und zu dem Sprung in den Hundehaufen – sehe ich genauso. Lieber etwas wagen anstatt irgendwann zu bereuen sich nix getraut zu haben…..

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