Warum ich nicht mehr feiern gehe // Partyanimal gone

Ich komme mit in die Bar, ins Restaurant, zum Vorglühen. Verziehe mich aber höchstwahrscheinlich vor 0 uhr und fahre nach hause.

Warum gehst du nicht mit feiern?

Das höre ich oft. Verständlich, denn früher war ich das komplette Gegenteil. Seit ich 16 war und in den ein oder anderen Club rein durfte, konnte ich das Wochenende kaum erwarten. Endlich wieder Party! Trinken, tanzen, Spaß, Boys kennenlernen, sich was ausgeben lassen, losgelöst sein. Dafür habe ich mehr oder weniger gelebt. Gute 5 Jahre war das mein Ding.

 

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Mittlerweile ist es mehr als 1 Jahr her, dass ich richtig feiern war in einem Club. Davor dürfte es nochmal mindestens halb so lang gewesen sein.

Ich gehe nicht mehr feiern weil…

 

Ich Menschenmassen hasse.

Die ganze Zeit rumgeschubst werden, kaum Luft bekommen, sich nicht um die eigene Achse drehen können – nicht jeder Club ist immer so voll, aber es kommt nicht selten vor. Es zerrt an meinen Nerven und macht mich aggressiv, wenn ich jede 2. Minute einen Ellenbogen oder Fußtritt abbekomme. Das erträgt man nur betrunken.
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Ich empfindlich gegenüber Lautstärke bin.

Ja, die gute Hochsensibilität. Schon Musik zuhause geht für mich meistens nicht. Nicht laut, nicht für länger als 3 Minuten, nicht wenn ich mich nebenher noch unterhalte. Es überreizt mich.. Auch das ertrage ich nur betrunken.
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Ich früh ins Bett gehen will.

Ich brauche Schlaf. Viel, am besten vor 0 Uhr startend. Ansonsten sind die nächsten Tage im Eimer und ich schleppe mich mit Kopfschmerzen herum. Auch das hat mit meiner Empfindlichkeit zu tun. Außerdem bin ich ohne Alkoholkonsum, bzw. nach einem Glas Wein einfach müde und die Vorstellung, bis 6 Uhr morgens irgendwo rumzuhängen, lässt mich erschaudern.

 

Ich kein großer Musikliebhaber bin.

Es können 3 Monate vergehen und ich komme gar nicht auf die Idee, mal meine Musik anzumachen, neue zu Entdecken, Radio zu hören oder Spotify auszuchecken. Ich liebe Ruhe. Ich mag Gesprochenes, Podcasts, Hörbücher, Videos, in denen geredet wird. Ab und an habe ich dann Lieblingslieder, die rauf und runter laufen. Aber ich bin kein riesiger Musikliebhaber. Deshalb muss ich auch nicht regelmäßig in den Club, um meine Mukke zu genießen.
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Ich nicht auf der Suche bin.

Ich bin nicht mehr Single, ich habe keine Lust, angequatscht zu werden. Als Single ist der Club, der Kennenlern-Ort schlechthin. Manche Leute gehen nur feiern, um Bekanntschaften zu schließen. Fällt für mich flach. Ich will nicht sagen, dass mir auf jeder Party 200 Männer hinterherjagen, aber ich werde schon öfters mal angesprochen. Und ich hasse es, jemanden enttäuschen zu müssen, der sich nett annähert.
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Ich jeden Tag auskosten möchte.

2 Tage auskatern, da hab ich keine Lust zu. Und ja, mir geht es nach mehr als einem Glas Wein sehr lange sehr schlecht. Und auch nach keinem Glas Wein, aber erst spät ins Bett gehen. Sensibilität und so. Ich will jedoch was von meinem Wochenende haben, mit meinem Hund rausgehen, Sachen erledigen, arbeiten, die Zeit genießen. Ich bin mehr ein Morgenmensch. Ich stehe meistens auch am Wochenende nicht später als 9 uhr auf. And I love it.
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Ich nicht mehr trinke.

Dieser Punkt bedingt viele der anderen. Die Schwelle des Ertragens sinkt in den Keller mit erhöhtem Alkoholkonsum. Jemand rennt mich um? Egal. Die Musik und Lichtanlagen prasseln auf mich ein? Egal. Es ist 4 Uhr? Sowas von egal. Da ich mittlerweile selten mehr als 1 Glas Wein im Monat trinke, ist die Schwelle des Ertragens ca. auf dem Berliner Fernsehturm. Hoch.

 

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Ich ein Leben habe, das ich mag.

Und das ist das Wichtigste. Früher war ich unruhig, rastlos, unzufrieden. Ich hab mich nicht wohl in meiner Haut gefühlt, der Ort, die Situation, meine Entscheidungen haben mich nicht widergespiegelt. Das Feiern war eine Flucht, eine herbeigesehnte Auszeit von meinem Leben, das irgendwie nicht so war, wie ich es eigentlich wollte. Unterbewusst wollte. Denn ich habe mich so viel weniger gekannt, als jetzt. Hatte eigentlich keine Ahnung, wie ich wirklich bin und was zu mir passt. Ich wusste nur, dass sich so Vieles, das ich mache, falsch anfühlt.

Mittlerweile ist das nicht mehr so. Ich mache Dinge, für die ich eine wirkliche Leidenschaft hege. Ich habe einen Partner, der zu mir passt, Freunde, die zu mir passen. Einen Ort, den ich liebe, eine für mich traumhafte Wohnung, einen Alltag, der nicht perfekt, aber gut für mich ist. Ziele und Pläne. Das alles erfüllt mich so viel mehr, als besoffen bis morgens in irgendeinem Club rumzuhängen.

Nichts gegen die Leute, die das wirklich genießen, deren Hobby das ist, denen es was gibt. Das ist für mich etwas anderes, das will ich auch nicht verurteilen. Für mich war es immer mehr eine Flucht vor mir selbst.

 

11 Kommentare

    1. Ich spreche bei dem Thema definitiv nicht für meine ganze Generation. Im Gegenteil, ich habe eher das Gefühl, dass man mittlerweile selbstverständlich bis über 40 im Clubs rumhängt (kenne da auch einige), während man früher in dem Alter bei seinen 3 Kindern zuhause war

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      1. Natürlich soll man nicht alle über einen Kamm scheren. Aber es gibt schon ein paar eklatante Auffälligkeiten bei den jüngeren Menschen gegen über meinen Jahrgängen. Ich kenne viele Leute in meinem Alter, die in keiner festen Beziehung leben, keine Kinder haben und die immer noch eine sehr enge Beziehung zu ihren Eltern haben (am besten noch zu Hause wohnen) Ich kenne aber auch viele junge Menschen, die früh in einer festen Beziehung leben, früh mit Nachwuchs planen, sehr früh zu Hause ausziehen und sehr schnell erkennen, dass ein gewisse Disziplin zu ihren Plänen dazu gehört und das als selbstverständlich sehen. Die Leute, die du vielleicht auch in den Clubs siehst und die über vierzig sind, sind aber auch oft die Menschen, deren Kinder so langsam aus dem Haus sind und die jetzt wieder ein wenig Freiheit für alte Gewohnheiten haben.

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  1. Kann ich komplett nachvollziehen. 🙂
    Ich & mein Freundeskreis sind überhaupt nicht fürs Feiern ausgelegt bzw. sind es nicht mehr. Wir sitzen lieber daheim zusammen und bevor ich wieder zwei Tage an den Nachwirkungen leide gehe ich es gemütlich an. 😅

    Für morgen wurde ich zum „furtgeh“, wie es bei uns heißt, verdonnert und da bin ich gespannt wie lange es dauert bis ich wieder Daheim bin. 😄

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  2. Mir geht’s genauso wie dir, ich weiß einfach, dass ich mir mit einer Partynacht den nächsten Tag zerschieße und finde einfach, dass sich das in den meisten Fällen überhaupt nicht lohnt. Und in dem letzten Punkt, über die Flucht, die man so nicht mehr braucht, darin erkenne ich ich auch total wieder. 🙂

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