Öfter mal ausrasten // Free yourself

Ich habe in diesem Blogpost darüber geschrieben, dass es mir schwerfällt nein zu sagen, oder meine Meinung in negativer Weise kund zu tun. Weil ich schwer damit umgehen kann, jemanden vermeintlich zu enttäuschen. Weil ich nicht will, dass jemand das Gesicht verliert. Weil ich in dem Fall ziemlich feige bin. Das hier ist jedoch ein positives Update.

 

In letzter Zeit übe ich mich im nein Sagen und es wird immer besser. Doch nicht nur das, ich traue mich auch immer mehr, mal unverschämt zu sein. Mal ein bisschen zu pöbeln und auszurasten. Das mag für manch einen eher negativ erscheinen, ich finde es aber super und mir hilft es. Es tut gut, manchmal einfach seinen Ärger zu äußern, genau so, wie er gerade in einem herumwandert, vor allem wenn man dazu neigt, immer alles in sich rein zu fressen.

Eigentlich ist es eher meine Art, etwas Böses auf meiner Zunge erstmal runter zu schlucken, in meinem Kopf hin und her zu schieben und mich später bei jemandem auszukotzen. Viel gesünder und befreiender ist es allerdings, dem Verärgerer gleich zu zeigen, dass man sich aufregt. Und das mache ich nun mit Freude immer öfter. Es ist herrlich.

 

Wenn Leute einfach unverschämt sind. Ein nervöser Typ fragt halbherzig im Vorbeigehen an der U-Bahn Station mehrere Leute, auch mich, nach 70 Cent. Ja, genau 70 Cent. Keiner gibt ihm was. Er regt sich lauthals über die “scheiß Leute auf, die immer nur an sich denken”. Ich schreie ihm hinterher “Geh halt mal arbeiten, dann hast du 70 Cent”. Er hört es nicht mal, aber ich fühle mich besser.

Wenn Menschen zu langsam sind. Im Zug neulich steige ich eilig mit ca. 1234 Leuten hinter mir in ein Zugabteil ein und schiebe mich zwischen den Sitzreihen durch. Die Frau vor mir findet ihren reservierten Platz, setzt sich aber nicht hin, um die Leute hinter sich durchzulassen, sondern fängt erstmal an, sich freudig mit irgendwem zu unterhalten. Ich rufe ihr extrem genervt in den Rücken, ob sie bitte mal Platz machen kann. Sie guckt mich zitronengesichtig an, macht dann aber endlich den Weg frei.

Wenn Leute nicht richtig ticken. Ich stehe abends an einer S-Bahn Station mit nur einer handvoll anderen Personen und warte. Als ich mich auf eine Bank setzen will. Sehe ich schon im Näherkommen, dass der Typ, der 2 Plätze weiter von dem von mir angesteuerten Platz sitzt, ein genervtes Gesicht macht. Als ich mich dann setze, stöhnt er übertrieben, flucht vor sich hin und rutscht ernsthaft noch einen Platz weiter weg. Mir rutscht “bist du behindert?” raus. Er guckt mich an, ich gucke gerade aus. Er will eine Diskussion anfangen, ich ignoriere ihn. Hauptsache, ich habe kommentiert.

 

 

Die Gefahr, sich unberechtigter Weise zu echauffieren, besteht natürlich und das ist der kleine Haken. Wenn man, wie ich, immer alles zerdenkt, macht man sich über sowas auch Gedanken und die Vorstellung, jemanden anzublaffen, der gar nichts getan hat, gefällt mir gar nicht. Aber no risk no fun.

Was ich eigentlich sagen will, ist lediglich, dass es verdammt gut tut und befreit, einfach mal den Mund aufzumachen und zu zeigen wie man denkt und fühlt. Wenn sich jemand dumm verhält, wenn man ungerecht behandelt wird oder jemand einfach unbedacht handelt, dann darf man das auch äußern. Es macht nämlich auf Dauer ziemlich unzufrieden und krank, immer nur klein beizugeben. Ich hatte schon mehrere Tage Magenschmerzen, weil ich mich über jemanden geärgert und gleichzeitig nicht getraut habe, es anzusprechen. Das lohnt sich wirklich nicht.

Lieber manchmal mit voller Wucht auf den Schlips treten. Entschuldigen kann man sich hinterher immer noch.

 

 

 

 

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