Warum sich alle auf Instagram ausziehen // Ist bloggen Kunst?

Was ist Kunst? Viele sehen Ausstellungsstücke in einem modernen Kunstmuseum, wie ein zerknülltes Blatt Papier, oder ein paar Löffel nebeneinander platziert und sagen “Das kann ich auch, für mich ist das keine Kunst”.

 

Ja, ich kann das ebenso. Aber darum geht es nicht. Wer den Begriff “Kunst” hört, und sich darunter etwas vorstellen soll, denkt meist als erstes an altertümliche, detailreiche, raffiniert und aufwendig ausgearbeitete Gemälde und Wandbemalungen, wie sie beispielsweise im Vatikanischen Museum zu sehen sind. Etwas, das jemand mit großer Begabung in mühevollem Prozess herstellt, etwas, das nicht jeder einfach so nachahmen und reproduzieren kann (Außer vielleicht mit Malen nach Zahlen). Da Vinci,. Mona Lisa, das letzte Abendmahl. Sowas.

 

Das ist ein ziemlich limitierter Blick. Musik, Theater, Literatur, das empfinden wir ebenfalls als Kunst. Wenn es denn nur kompliziert genug gemacht ist, wenn Konsens darüber herrscht, dass es wertvoll ist.. Am besten gestaltet es sich so, dass wir es nicht so richtig verstehen. Kafka. Das ist komisch, das ist dann wohl Kunst.

 

Kunst kann alles sein. Kunst hat eine Intention. Jemand gibt etwas Außergewöhnlichem oder auch Alltäglichem einen bestimmten Blickwinkel vor, durch den wir es betrachten. Eine Intention. Eine Bedeutung hinter dem bloßen Objekt. Er spiegelt ein Teil seiner selbst in der Darstellung, gibt etwas von sich, um es zu zeigen, um es anderen zu präsentieren, um ihnen etwas zu lehren, sie aufmerksam zu machen, zu unterhalten, oder sich wiederfinden zu lassen.

 

Kunst ist sich nackt machen. Egal, wie vermeintlich objektiv man eine Sache darstellt, man kann sie nicht hervorbringen, ohne sich selbst darin mit zu verarbeiten. Kunst ist persönlich und intim. Kunst macht angreifbar.

 

Kunst ist Selbstdarstellung. Manchmal sehr offensichtlich, man denke an ein Selbstporträt. Manchmal versteckt, in einer Interpretation des Geschehens, das man malt beispielsweise. Aber es hat immer auch mit dem Selbst des Künstlers zu tun.

 

Selbstdarstellung. Musiker gehen damit meist sehr offen um. Unzählige Liebeslieder handeln von persönlichen Erfahrungen, in fast jedem Song geht es dem Künstler darum, etwas zu verarbeiten. Seinen Schmerz, seine Wut, seine Trauer. Seine Sicht auf die Welt. Ein Teil von ihm für die Öffentlichkeit. Auf dem Silbertablett serviert.

 

Nie im Leben kämen wir darauf, jenen Musikern das vorzuwerfen. Er oder sie singt eben über seine verflossene Liebe. Wir kennen das, wir finden uns wieder.

Nun ist es aber scheinbar schon verwerflich, Fotos von sich online zu stellen, oder Texte zu veröffentlichen. Schreiben, Fotografieren im Netz. Kunst? Nein, so würden wir das nicht nennen.

 

Wenn es denn mittlerweile nicht mehr verwerflich und irgendwie weird ist, Online präsent zu sein, dann ist es zumindest verwerflich, diese Darstellungen als Kunst zu betiteln. Warum eigentlich? Weil es nicht “gut genug” ist? Weil keine offiziellen Stellen das Label “Kunst” dafür vergeben? Es in keinem Museum zu sehen ist?

 

Sind Blogs und Instagram nicht eine neue Art von Onlinemuseen? In denen nicht nur ausstellen darf, wer offiziell geprüft ist, sonder einfach jedermann? Ein Museum für den Künstler in jedem?

 

Van Gogh. Erst nach seinem Tod berühmt geworden. So manch eine heutzutage als große Persönlichkeit geltende Figur der Geschichte galt zu Lebzeiten als Niemand, wurde belächelt, nicht ernst genommen, verdiente keinen Cent mit seinen Hervorbringungen. Manchmal sehen wir Kunst erst sehr viel später als Kunst. Manchmal scheint die Bedeutung mit der Zeit zu wachsen. Vor allem wenn Darstellungen Zeitzeugen der Geschichte werden. Briefe aus dem 2. Weltkrieg, Tagebucheinträge. Anne Frank.

Vielleicht hängen Instagram-Fotos in 100 Jahren im Museum.

 

Die Sache mit der Nacktheit auf Instagram

 

Der menschliche Körper ist eines der beliebtesten Kunstobjekte. Allgegenwärtig, für uns selbstverständlich und doch manchmal mystisch, besonders, besonders Schön. Natürlich. Einem Fotografen kreidet man Fotografien von halb oder gar nicht bekleideten Personen nicht an, einem Laien schon.

 

Es macht vielleicht schon einen Unterschied, ob man sich mit aufgepumpten Brüsten lasziv im Bikini räkelt und davon Fotos schießen lässt, um besonders viele Likes von Gaffern zu erhaschen. Oder ob man eine andere Intention hegt. Der menschliche Körper fasziniert uns so oder so. Macht es einen Unterschied? Ich weiß es nicht.

Man kann so viel aussagen, so viel darstellen mit nackter Haut. Man kann sich präsentieren, zeigen, was man hat. Man kann dafür stehen, seinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Ermutigen. Man kann seine Makel in Besonderheiten umwandeln. Aufmerksamkeit erregen. Verletzlichkeit, Intimität und Nähe herstellen. Provozieren. Die Schönheit eines nackten Körpers zelebrieren. Was auch immer.

 

Ist ein menschlicher Körper etwas, das man verstecken muss, das an und für sich auf irgendeine Weise anrüchig sein kann? Wird Haut immer automatisch sexualisiert, wenn keine Kleidung darauf liegt?

 

Fragen auf die ich keine Antworten habe. Aber ich denke darüber nach.

 

 

 

 

 

6 Kommentare

  1. Kunst ist ein kulturell geprägter Begriff.
    Was Kunst bedeutet ist also eine Frage des Konsens.
    Oft verstehen wir darunter Gemälde und Literatur.
    Wenn man es genau nimmt wurde hierfür der Begriff bildende Künste geschaffen.
    Eine weitere Form wäre, wenn ich diesen Ausdruck generieren darf, die populäre Kunst.
    Darunter fallen dann Filme, moderne Musik aber auch Videospiele.
    Das alles sind Arten von Kunst wenn man den Begriff wie einen Pool verwendet,
    um verschiedene Ausprägungen zusammenzufassen.
    Was aber das Wesen angeht beginnt Kunst tatsächlich mit der Intention.
    Ich rede dir in diesem Fall nicht einfach nur nach dem Mund,
    sondern komme einfach zur selben Auffassung dass das die Quintessenz der Sache ist.
    Kunst ist Schöpferdrang könnte man auch sagen.
    Ein Spiel mit Perspektive und Bedeutung.
    Kunst ist das Vorhaben sich einen Ausdruck zu schaffen.

    Ironischerweise ist es sehr witzig wenn jemand meint,
    ein nackter Körper sei keine Kunst.
    Das sehen etliche Renaissancemaler aber ganz anders.
    So blind sind die Menschen eben oft.
    Wenn etwas alt ist und zur Klassig gehört, verehren sie es.
    Aber wenn man dem eine persönliche Bedeutung gibt, spotten sie.

    Was übrigens mich angeht habe ich da eine persönliche und etwas poetische Antwort.
    Kunst ist der Wunsch nach Unsterblichkeit.

    Gefällt 2 Personen

  2. Kunst ist sehr allgemein. Kunst ist ein totales Streit-Thema. Kunst definiert jeder anders.
    Wobei ich das mit den Musikern nicht wirklich so unterschreiben kann, dass es fast nur um deren eigenen Gefühle geht 😉
    Auch als Musiker ist man ein Kreativer, der irgendwie Kunst schafft. Kunst ist Fantasie. Sämtliche Autoren denken sich ja auch ihre Texte einfach so aus, ohne persönlichen Bezug. Auch Liebesgeschichten von Musikern können erfunden sein 😉 Kunst ist halt eben auch immer etwas übertrieben 😉

    Toller Post, der zum Nachdenken anregt ❤

    Liebste Grüße
    Swantje von http://www.swanted.de

    Gefällt 1 Person

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