Sundaymood und Stillstand // Quarterlife Crisis

Heute ist Montag und ich bin froh darüber. Wie bereits erwähnt, kann ich Sonntage nicht sonderlich leiden. Sonntag bedeutet für mich Stillstand, irgendwie dazwischen hängen, das Neue steht schon vor der Tür, das Alte will sich aber noch nicht recht verabschieden. Man kann noch nicht richtig agieren, wartet, dass es wieder von vorne losgeht, füllt den Tag einfach irgendwie, man hat ja nichts vor, es gibt ja nichts Wichtiges zu tun an einem Sonntag.

 

quarterlife (2)

 

Sonntage sind für mich wie Krümel auf dem Sitzplatz im Zug. Du weißt, dass es sich gerade noch ein anderer auf deinem Sitz gemütlich gemacht hat, willst aber eigentlich gar nicht an das denken, was war, sondern vorankommen. Ja, der Vergleich ist seltsam.

 

Sonntags reflektiere ich gerne ungewollt. Es passiert einfach, weil es Sonntag ist. Wenn jeder Tag eine Stimmung hat, ist Sonntag mein Depri-Tag. Mir geht es zwar nicht schlecht, aber irgendwie auch nicht gut.

Mittlerweile ist schon Mitte März, das Jahr ist schon fast nicht mehr neu. Was habe ich bisher eigentlich umgesetzt von meinen Vorsätzen, was muss ich noch auf den Weg bringen?

 

Im Moment hänge ich im Allgemeinen in einer Zwischenphase, warte, bin reaktiv. Eigentlich bin ich schon ziemlich lange so dazwischen, zu lange vielleicht. Ein Jahr lang ist für mich schon Sonntag. Mindestens.

Ich bin ungeduldig und möchte kontrollieren, machen, schnell, jetzt. Was kann ich denn auf die Schnelle erreichen, damit ich mich produktiv und aktiv fühle? Gehe ich vorwärts oder spule ich die gleiche Kassette nur immer wieder von vorne ab, bin ich in einer Endlosschleife an Abarbeiten, bin ich hängen geblieben, oder kreiere ich noch?

 

Ich ertappe mich immer wieder dabei, das Leben in einer Geraden zu denken, immer weiter, immer hoch, Etappe für Etappe. Müsste ich nicht ständig weiter kommen, noch eine Zwischenstufe abhaken, voranschreiten? Schule, Bachelor, Master, Job, Beförderung, coolerer Job, Haus, Kinder, neuer Job, etc.  Oder muss ich mich davon lösen, ist es nicht eher völlig diffus, mal geht es hoch mal bleibt es an der Stelle, wochen-, monate-, vielleicht jahrelang? Mein Leben gleicht wohl eher Letzterem. Ich weiß nicht, ob ich mich damit anfreunden kann. Ich bin ständig am erörtern.

 

Meine Superpower und gleichzeitig größter Stolperstein ist dieser ewig ratternde, niemals ruhende multilevel Knoten im Kopf.

 

Letzte Woche musste ich eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Eine kleine, unaufregende OP, lange geplant, nothing to worry about.

Ich war schon Tage vorher unruhig, habe es verdrängt und versucht, nicht daran zu denken. Nicht, weil ich so schreckliche Angst vor der Narkose oder dem Eingriff hatte. Sondern weil es in mir einen riesigen Widerstand auslöste, mir vorzustellen, dass ich eine Nacht in einem Krankenhaus verbringen muss. Mit Leuten, die vielleicht wirklich krank sind in einem Zimmer. An einem Ort, ohne Wlan, ohne Möglichkeiten, etwas zu tun, das für mich in irgendeiner Weise Sinn ergibt. Völliger Stillstand, Zeit totschlagen, warten, aus dem Fenster sehen, immer wieder das gleiche denken, warten, warten, warten.

 

quarterlife (3)

Abschalten, im Moment präsent sein, loslassen, die to-do’s vergessen, das kann ich überhaupt nicht. Wenn ich aus meinem Alltags-Wettlauf gezwungenermaßen rausgerissen werden, macht mich das wahnsinnig. Nicht, dass ich zuhause die ganze Zeit wahnsinnig produktiv wäre und arbeiten würde, wie bekloppt, ganz und gar nicht. Aber ich habe die Möglichkeit mich sinnvoll zu beschäftigen. Ob es der Abwasch ist, die Wäsche oder den Hund ausführen. Mir Videos über Adobe Software ansehen, einen Roman lesen, oder sogar schlafen. Einfach etwas machen, von dem ich denke, dass es mir etwas bringt, dass es für irgendwas gut ist.

Wenn ich das nicht kann, fühlt es sich für mich nach sterben an.

Ich habe immer noch Angst vor der großen Leere, die das Nichts mit sich bringt.

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Hey, ich bin eben durch einen Kommentar auf deinen Blog gestoßen und er gefällt mir wahnsinnig gut. Du bist unglaublich schön und kannst so schön schreiben.. Du hast mich definitiv als neue, treue Leserin dazu gewonnen!! 😀
    Mir geht es selbst oft so dass ich viel zu oft in das Denken hineinrutsche dass das Leben um Leistung geht und gewissermaßen ein Kampf ist.. das macht mich oft unglücklich und ich muss mich immer wieder daran erinnern dankbar und präsent zu sein.. Und dass ich schon so wie ich bin vollkommen bin.. Ich erinnere mich einfach immer wieder daran, dass ich auf diesem Planeten diese wundervolle Erfahrung machen darf das Leben voll und ganz zu erfahren auf allen unterschiedlichen Bereichen und Ebenen

    Wenn du magst würde ich mich sehr freuen wenn du auch mal auf meinem Blog vorbei schaust. Mein Blog geht insgesamt darum, sich selbst und das Leben einfach zu lieben, um einen nachhaltigen gesunden Lebensstil und alles mögliche das mit kreativen Schaffen zutun hat 🙂
    Alles Liebe, Lea von http://leachristind.blogspot.com

    Gefällt 1 Person

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