Ghosting // Tinderella to be

Ghosting

Ich bin schuldig und du bestimmt auch.

Eine Verbindung, und sei sie noch so profan, unentwickelt, uneindeutig, langsam und unstetig sterben zu lassen, ohne Erklärung, ohne Vorwarnung, ohne Statement.

 

Ghosting.

Ich glaube die meisten haben schon mal geghosted. Immer seltener auf Nachrichten eingehen, weniger oft antworten oder gleich von einem auf den anderen Tag völlig ignorieren. Es ist so einfach und so falsch.

Man wird jemanden los, ohne sich verabschieden zu müssen. Wie soll man auch jemandem, den man irgendwie irgendwo kennengelernt hat, von dem man vermutet, dass er auf einen steht, dass er einen eventuell auf einen Kaffee treffen will, sagen, dass man das, was er eventuell vorhat, nicht wollen wird und deshalb den Kontakt nicht mehr wünscht. Ist zu awkward.

Und auch wenn man ein, zwei Dates hatte, was soll man denn sagen? Dass da bei dir nichts ist und du zwar nicht weißt, ob das andersherum anders ist, aber du trotzdem schon mal klarstellen möchtest, dass es nichts wird?

Und wenn es was Längeres wird, aber halt auch nicht so richtig, nicht so richtig gut und schon gar nicht richtig fest. Soll man etwa sagen, dass sich das nicht entwickelt, dass da noch 1,2,3,4,5 andere sind, die irgendwie besser passen?

Ja, vielleicht schon. Denn ghosten ist wie Tiger in Käfige sperren. Du hast den Schlüssel und rückst ihn einfach nicht raus.

 

Und wenn man selbst dann geghosted wird, dann wünscht man sich diese peinliche Erklärung, anstatt der sterbenden Konversation, der sterbenden Hoffnung, der immer größer werdenden Stille und Entfremdung, dann wünscht man sich, der andere lässt einen nicht einfach langsam verhungern und wartet, bis man endlich, endlich begriffen hat, dass man raus ist.

Die Erkenntnis kommt in kleinen Wellen, die immer größer werden, Ebbe und Flut. Mal bist du dir sicher, jetzt kommt nichts mehr, jetzt war’s das. Bis durch ein Smiley, ein ‚haha, ja‘, oder eine Antwort nach 4 Tagen wieder Hoffnung an Land gespült wird. Und der Prozess beginnt von vorne, das Gift der schmerzhaften Erkenntnis breitet sich langsam aus, es bleiben verzweifelte Versuche des Uminterpretierens, aber irgendwann, irgendwann hat man’s geschluckt. Bis zum nächsten kleinen Hoffnungsschimmer.

Sterben auf Raten. Du überlässt dem anderen 1000 und 1 Möglichkeit sich auszumalen, was passiert ist, was er falsch gemacht hat, was er hätte anders machen können.

Ist es jetzt vorbei oder muss ich einfach nur warten, vielleicht bist du wirklich nur busy und im Stress. Über Tage und Wochen rattert der Kopf, dreht sich im Kreis, immer und immer wieder, du postest auf Instagram, hast mir aber immer noch nicht geschrieben, was du am Wochenende vorhast. Du meintest, wir sehen uns bald wieder, aber jetzt kommt irgendwie nichts mehr.

Immer und immer wieder die Gespräche, Nachrichten und Augenblicke in ihre Einzelteile zerlegen, bis man keine Kraft mehr hat, bis sie auf Molekülgröße geschrumpft sind, keinen Sinn mehr ergeben, bis man seinen ganzen Stolz verliert, bis man unter sein eigenes Niveau rutscht. Der Cocktail aus Verzweiflung, Hoffnung und Enttäuschung macht das mit dir. Du kannst nicht objektiv bleiben, wenn du das Objekt bist, um das es geht. Du bleibst, bis es zu sehr weh tut.

 

Tu der Welt was Gutes, ghoste nicht.

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s