Scheitern und Versagen // Quarterlife Crisis

Scheitern.quarterlifecrisis

Was macht das Scheitern eigentlich so verdammt unerträglich? Das frage ich mich seit letztem Samstag. Da ist mir nämlich eine Absage eiskalt ins Gesicht geklatscht und ich bin jetzt noch nicht wieder ganz getrocknet.

 

Scheitern. Dieses Wort ist mit so viel Dramatik, Endgültigkeit und Tragweite aufgeladen. In etwa wie Einsamkeit, zentnerschwer, behäbig, immer too much. Etwas, das so mächtig ist, dass wir es besser gar nicht aussprechen, ansprechen, auch nur denken. Wer sagt, dass er gescheitert ist, dass er versagt hat, der wird direkt mit Beschwichtigungen überhäuft, es wird relativiert, entkräftet. Scheitern, das ist eine Nummer zu groß, um es zu verkraften.

Die meisten Menschen haben riesige Angst vor dem Scheitern. Es ist vielleicht eine der größten Ängste überhaupt. Ein Schritt zu weit gegangen, in den Abgrund gestürzt. Diesen einen Fehler gemacht, diese eine Hürde nicht gemeistert. Für immer verdammt, klein zu bleiben, das Leben nicht zu bekommen, das man sich ausgemalt hat.

 

Lieber nicht versuchen als Scheitern. Was würden wir alles tun, wenn wir keine Angst vor dem Scheitern hätten? Ein verrücktes Leben hätten wir, unendliche Möglichkeiten. Die Angst vor der Abfuhr, der Absage, dem Nein, dem Misserfolg, hält uns oft zurück. Das ist vielleicht nicht immer schlecht, des Öfteren aber schon.

 

Was macht das Scheitern so verdammt unerträglich? Die Bedeutung, die wir ihm geben. Ein für uns wahrgenommener negativer Ausgang von was auch immer, löst Drama, Trauma in uns aus. Das schwarze Loch der Selbstzweifel, das bis dato vielleicht eine Weile geschlossen war, reißt gnadenlos wieder auf, lässt all die Dämonen wieder in unseren Kopf, die wir doch sonst so gut in Zaum halten.

 

Du kannst es einfach nicht, du bist nicht gut genug, du schaffst es nie!

 

Das schwarze Loch gräbt all die vergangenen gescheiterten Versuche wieder hervor und präsentiert sie uns, garniert mit Erklärungen, die uns garantiert nicht schmecken. Du konntest es eben noch nie, du warst eben nie gut darin, glaub bloß nicht, dass du es jemals sein wirst.

Und auch die Zukunft weiß es zu prognostizieren. Wird nicht anders, du bist jetzt gescheitert, du wirst immer scheitern, immer, immer wieder, lass es einfach gleich sein, nimm dir ne Tüte Pombären und setz dich zu mir, wir gucken Dsds.

 

Der Selbstwert leidet bei einer Zurückweisung. Auf einmal stellt man seine ganze Person in Frage, unweigerlich kommt gedanklich immer noch mehr dazu, das zu dieser unangenehmen Situation geführt hat. Wir sind ein Life-Fail, anders kann es nicht sein.

 

Was stimmt nicht mit mir und warum, lieber Gott?

 

Doch selbst die persönlichste Kritik, Entwertung, Ablehnung hat nur bedingt etwas mit dir zu tun. So Vieles kommt zusammen, ist ausschlaggebend. Es ist für uns unmöglich, die Gesamtheit der Faktoren, die zu unserem Scheitern geführt haben, zu überblicken. Und selbst wenn. Warum sollten diese genau so in jeder künftigen Situation zusammenkommen? Geht gar nicht.

Alles ändert sich konstant und wir uns auch.

 

Scheitern ist so unerträglich, weil wir daraus mehr machen, als es ist. Kein Nein ist jemals in Stein gemeißelt und schon gar nicht auf alle Lebensbereiche übertragbar. Wir würden besser klar kommen, wenn wir dem schwarzen Loch eine verpassen, uns ein bisschen im Selbstmitleid suhlen und dann nicht mehr mit der schwarzen Loch-Brille die Welt betrachten würden.

 

As always leichter gesagt als getan.

 

 

 

 

9 Kommentare

  1. Du hast was Therapeutisches, liebe Arunika.

    Das meine ich völlig ernst und mit allem Respekt. – Denn Du hast, was es an Facetten an Spielrunden des eigenen Gedankenkarussels zum Thema Scheitern und Versagen geben kann benannt, analysiert und den einzig Sinn machenden Schluss gezogen. (Kann und sollte ich mir gut hinter die Ohren schreiben und bei Bedarf zum Nachlesen vorholen!)

    Alles ist damit gesagt.

    Einschließlich Deines letzten Satzes:

    „As always leichter gesagt als getan.“

    Ich wünsche Dir , dass Du schnell wieder trocknest 😉 , dass Du es so schnell und unbeschadet wie nur möglich schaffst, drüber weg zu kommen.

    In diesem Sinne, liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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