Irgendwas mit Medien // Lohnt sich studieren noch?

Studierst du noch oder machst du schon etwas, das dich für einen Beruf qualifiziert?

Es gab Zeiten, da war ein Abitur wirklich etwas wert. Ebenso ein Realschulabschluss und auch mit einem guten Hauptschulabschluss konnte man eine ordentliche Ausbildung absolvieren. Habe ich mir zumindest so erzählen lassen.

 

Mittlerweile ist dein Master of Arts zwar nett, aber wenn du keine Auslandserfahrung, sehr gute Spanischkenntnisse, Photoshop-Skills und HTML-Wissen besitzt, leider nicht genug.

Ist ein Studium eigentlich noch sinnvoll? Lohnt sich studieren heutzutage noch?

 

Die Unis sind voll, jeder kann und vorallem jeder will studieren. Studienabgänger sind dermaßen inflationär vorhanden, dass man einfach mehr machen muss, als nur gut abzuschließen, um überhaupt noch aus der Masse herauszustechen. In Jobanzeigen werden sämtliche Kenntnisse verlangt, die nicht im Studium gelehrt werden, dass man für all jene eigentlich ein weiteres Studium hätte abschließen müssen. Eines, das leider nirgends angeboten wird. Du brauchst Arbeitserfahrung. Selbst für ein popeliges Pflichtpraktikum wird verlangt, dass du schon irgendwoher weißt, wie das Ganze funktioniert. Bei einem Job auf Berufseinsteiger-Niveau sowieso. Du solltest sämtliche Software, Programmiersprachen, Contentmanagementsysteme, Sprachen, Abläufe und Arbeitsweisen schon kennengelernt haben und bestenfalls beherrschen. Woher auch immer.

Leider lernt man in einem Studium meistens alles, nur das nicht. Ich kann jetzt vielleicht eine Hausarbeit nach wissenschaftlichen Standards schreiben, aber wie ich eine Konferenz leite, mit der Presse umgehe oder ein Video anständig bearbeite, weiß ich nicht, muss ich mir im zweifelsfall selbst beibringen oder in externen Kursen erlernen.

 

Das theoretische Wissen, der Umgang mit Wissenschaft ist zwar horizonterweiternd, jedoch so fern vom Arbeitsalltag, – es sei denn man bleibt als Dozent an der Uni oder geht in die Forschung, was einfach so gut wie keiner macht -dass man nicht umhin kommt, sich zu fragen, für was genau man das Gedöns eigentlich lernt.

Zumal seitdem das Internetzeitalter angebrochen ist, Wissen sehr viel einfacher zugänglich ist, als noch vor ein paar Jahrzehnten. Man findet zwar auch sehr viel Müll in den Tiefen des Webs, und Wikipedia ist weiß Gott nicht die Antwort auf alle Fragen, aber wenn man anständig sucht, dann findet man auch fundiertes Wissen. Dafür braucht man immer weniger eine physische Bibliothek, in der man sich durch echte Bücher wühlt.

Besonders in besagtem Sektor „Irgendwas mit Medien“ scheint ein traditioneller Akademischer Grad immer weniger wert zu sein, da hier immer mehr Soft- und Hardskills benötigt werden, die eine wissenschaftliche Ausbildung einfach nicht lehrt. Das Internet und die Computertechnologie werden nicht demnächst verpuffen, es wird immer noch mehr Jobs geben, die darauf basieren, vor allem die Jobs, die man sich vielleicht als halbwegs cool vorstellt, wenn man die Schule verlässt.

So in Richtung Journalismus, Mediendesign, PR, Marketing, Kommunikation… gefühlt jeder 2. Geistes- und Sozialwissenschaftler möchte sich dorthin beruflich orientieren. Nur bringt einem die Theorie der Schweigespirale oder die Habermaschen Ergüsse nicht so viel, wie Adobe Grundlagen und der sichere Umgang mit Excel.

Die Schere dessen, was gelehrt wird und was die Arbeitswelt fordert, scheint immer weiter auseinander zu klaffen. Zumal man als gescheiter Journalismusstudent oder Marketingabsolvent tatsächlich nach und nach von denen überholt zu werden scheint, die direkt an der Materie gelernt haben: Blogger, Influencer, Youtuber, Social Media Menschen, Techniknerds, Computerfreaks ohne abgeschlossenem Studium, die für diverse Marketingberatungen, Kolumnenschreiber-, Interviewerstellen, oder Onlineportalmanagerposten einfach besser geeignet sind, weil sie’s eben praktisch schon beherrschen, weil sie es sich selbst, learning by doing, beigebracht haben.

 

Also, lohnt sich studieren noch?

 

Kommt darauf an (wie überraschender Weise immer). Ja, ein Studium bringt einem immer irgendwas. Du reifst durch die schiere Flut an Informationen, Blättern, die du nicht zugeordnet hast und die wild durch deine Bude fliegen, das erste Mal selbstständig Leben, dich mit intellektuell Anspruchsvollem beschäftigen. Du musst dich in den meisten Fällen durchkämpfen, musst dich selbst managen und organisieren und nebenher 1276 wichtige Begriffe auswendig können. Das macht tough.

Trotzdem wäre es gut, wenn auch eine altehrwürdige Universität sich den Trends des echten Lebens nicht verschließen und ein bisschen mehr Praxis in das Studium mit aufnehmen würde. Schließlich werden am Ende die meisten Absolventen keine verrückten Wissenschaftler und stur das weiterzugeben, was man seit dem 15. Jahrhundert weitergibt, ist einerseits versnobbt, andererseits einfach sinnlos.

Ich würde mir, wenn ich nochmal 18 oder 19, naiv und voller Hoffnung wäre, genau überlegen, inwieweit ein Studium für mich Sinn ergibt. Will ich studieren, weil man halt studiert, weil ich Bock auf Studentenpartys habe oder passt das wirklich zu dem, was ich später mal machen möchte? (Sofern ich das schon weiß oder denke zu wissen). Ist in meinem Fall eine Ausbildung, in der ich direkt ein Handwerk, ohne das Gelaber drum herum, lerne, eventuell passender? Oder vielleicht ein duales Studium? Oder bin ich wirklich der Freigeist, der erstmal ein paar Jährchen in Seminaren den Sinn der Welt diskutieren will, brauche ich das geistige Futter, will ich vielleicht später auch weiterhin forschen, oder einen Beruf ergreifen, in dem ein Studium einfach ein Muss ist?

 

Am Ende des Tages schadet Bildung nie. Man verliert vielleicht ein paar Jahre, wenn man erstmal planlos im Nebel herumstudiert bzw. am Ende merkt, dass man nun aber noch etwas mit Praxisbezug machen muss, Traineestelle, Volontariat, oder noch mal eine Art von Ausbildung. Aber mit 21 Jahren stehen einem immer noch alle Türen offen. Im Zweifelsfall einfach mal anfangen zu studieren, kann nicht schaden. Und wer Ingenieur, Mathelehrer oder Anwalt werden will, der wird in naher Zukunft sowieso nicht um ein stinknormales Studium herumkommen.

 

 

 

 

6 Kommentare

  1. So wahr! Ist wirklich ein Jammer, dass man in der Uni so wenig praktisch anwendbares Wissen mitbekommt. Andererseits lernt man ja auch schon in der Schule nicht wirklich viel, das man später im Leben noch unbedingt braucht – mal abgesehen vom Lesen, Schreiben und Rechnen, und selbst da hört man ja, dass immer weniger Kinder gut lesen und schreiben können. Ih glaube, das ganze Bildungssystem muss mal irgendwie revolutioniert werden. 😄

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  2. Sehr interessante Gedanken, vor Allem, da ich gerade 18 1/2 jährig versuche, mich zu orientieren, wie es weiter geht, was ich überhaupt möchte. Ich denke, ich brauche vor allem das „geistige Futter“, wie du es treffend nennst. Und das Problem in meinem Alter, beziehungsweise an der Situation nach dem ABi ist ja leider, dass du eigentlich überhaupt keinen Plan davon hast, was du werden willst, bzw. kannst. Wenn du zu denen zählst, die auf jeden Fall Arzt oder Anwalt werden wollen, ist das wohl nicht so, aber alles im geistes- und sozialwissenschaftlichen Sektor erscheint dir als noch einigermaßen unerfahrener Abiturient wie eine große attraktive Blase, deren Inhaltsstoffe du aber überhaupt nicht erahnen kannst. Was weiß ich denn, wie es in den Branchen zugeht, in denen ich mir momentan vorstellen könnte, irgendwann mal zu arbeiten?
    Das lernt man in der Schule nämlich nicht, stattdessen kann ich dir erzählen, wie man eine Funktionsschar analysiert oder Orientalischer Pantoffel auf französisch sagen… 🙂

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    1. Haha, da hast du recht! Ich denke, heutzutage steht man eh alle paarJahre vor der Entscheidung und Frage, was man eigentlich will und wie es weitergehen soll. Man KANN einfach nicht alles mit18 wissen und vorausplanen. Deshalb einfach mal eine Richtung einschlagen, die man für den Moment als sinnvoll erachtet, ist dann doch gut. Man sieht eh erst im Laufe der Zeit, wie sich alles entwickelt und ob man wirklich noch den eingeschlagenen Weg weitergehen will.

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  3. Toller und an sich wichtiger Eintrag. Gehört an jedes Bildungsministerium und jedes Rektorenzimmer gepinnt!

    Schmunzeln musste ich über einen freudschen(?) Verschreiben in Deinem Text – Du schriebst da an einer Stelle von „GEISTER- (und Sozial-)wissenschaftlern“ – Mit Blick auf das, was einen in der Praxis dann eigentlich erwartet und eben nicht Bestandteil eines Studiums ist, hat diese Umschreibung durchaus einen tieferen Sinn … 😉

    Liebe Grüße nach Berlin an Dich!

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