Warum ich kein Veganer mehr bin // Ernährung und Dogmen

Ich habe mich schätzungsweise 2 Jahre vegan ernährt. 2013 bin ich erst langsam auf vegetarisch, und dann auf völlig frei von Tierprodukt umgestiegen.

Mittlerweile ernähre ich mich nur noch vegetarisch.

 

Der Auslöser für den Schritt zurück war mein Auslandssemester in Brasilien. Mir war vorher schon klar, dass dort selbst vegetarisch zu essen eine Herausforderung sein würde. War es. Die Brasilianer waren (noch) nicht auf dem Veggie Trip. Und ich hatte keine Lust, mich extrem einzuschränken, ständig selbst zu kochen und zu streng mit mir zu sein. In einem fremden Land, dessen Sprachen man kaum spricht, klar zu kommen, war mir Herausforderung genug.

 

Wer jetzt hofft, dass ich hier schreibe, dass ich gemerkt habe, dass mir vegan doch zu extrem ist, dass es nichts für mich ist, vielleicht für keinen, dass ich mich immer müde und hungrig gefühlt habe, den muss ich leider enttäuschen.

Ich halte die vegane Ernährung für gesund – wenn richtig ausgeführt – und nachhaltig. Meiner Meinung nach ist es die beste Ernährungsweise für Umwelt, Tiere und Weltbevölkerung. Aber das ist ein anderes Thema.

Mir geht es vielmehr darum, zu betonen, dass man sich selbst nicht geißeln, sich nicht übermäßig unter Druck zu setzen muss, das auch die Grauzone geht und in Ordnung ist, und ein wenig von Dogmen, vom alles oder nichts, Abstand zu nehmen, manchmal nicht schlecht ist.

Es gibt genug Leute, die vorgeben, perfekt zu sein, und das völlig leicht und lebensfroh. Die sich am Label und an dem 100%igen festklammern und alles verurteilen, was nicht all in ist. Dabei würde es schon reichen, wenn jeder ein bisschen mehr gibt.

 

Versteht mich nicht falsch, ich finde NICHT, dass jeder einfach maximal egoistisch vor sich hinleben sollte, sich keinerlei Anstrengung und Mühe geben und alles mit “für mich ist es gut so” wegwischen sollte. Ich bin gegen Ignoranz und Augen verschließen und für Bewusstsein, sich bewusst für und gegen Dinge entscheiden, eine Meinung haben, auch mal Opfer bringen oder sich einschränken für gewisse Ideale. Wir sind nicht alleine auf der Welt und sollten uns auch nicht so verhalten.

Dennoch, es gibt ein Maß, ein gesundes Maß. Ich war eine Zeit lang so streng mit mir, dass ich mir das Leben einfach nur selbst schwer gemacht habe. Kein Zucker, keine verarbeiteten Produkte, glutenfrei, vegan, kein dies, kein das, nur von zuhause selbst gekochtes, etc.

Das kann man nicht ewig durchhalten und muss man auch nicht.

 

Zuhause gibt es bei mir auch heute noch nur Sojamilch und keine toten Tiere. Wenn allerdings richtige Milch, Eier oder Käse im Abendessen sind, das ich nicht zubereitet habe oder ich außerhalb so etwas esse, ist es für mich ok. Ich gebe nicht 100%, weil ich zur Zeit zu bequem dafür bin, und mein Fokus nicht darauf liegt, in diesem Bereich 100% perfekt zu sein. Ich gebe mir Mühe, mir ist nicht egal, was da draußen in dubiosen Tierfabriken passiert, aber ich bin im Moment nicht bereit, zu verzichten.

 

Das ist das Maß, das für mich funktioniert, das sich für mich nicht nach völliger Ignoranz, aber auch nicht nach völligem Verzicht anfühlt. Ich brauche momentan nicht das Label 100% vegan. Ich gebe das, was sich für mich machbar anfühlt.

 

 

 

5 Kommentare

  1. Ich finde es sehr aufrichtig und authentisch wie Du, dieses Thema betreffend, zu Dir stehst. Und ich mutmaße mal, dass das in seiner Quintessenz viel konsequenter ist als so manche derjenigen, die „superkonsequent“ zu sein glauben, es praktizieren.

    Im Übrigen haben mich Deine Gedanken angeregt, darüber zu sinnen, dass und was ich noch an Einigem tun kann, um mich Deiner Lebensweise, quasi „von der anderen Seite“ noch ein bisschen mehr anzunähern. 😉

    Liebe Grüße, arunika, und falls wir uns zuvor nicht mehr lesen, schon mal schöne und erholsame Ostertage für Dich!

    Gefällt 2 Personen

  2. Wow, wir denken ziemlich ähnlich. Ich finde auch, dass es nicht darum geht, das Absolute, das Beste zu machen, sondern immer nur etwas Kleines besser zu machen. Ich stell mir das immer wie so eine Skala vor, deren Zeiger eben nach oben und unten schwangt. Mein Ziel ist es nicht, ganz oben anzukommen; das ist unmöglich oder würde einem sehr zwanghaften Leben gleichen. Ich mag auch diese Alles oder Nichts Einstellung nicht so gerne, weil dann häufig solche Rückfälle passieren. Nach der Partynacht erstmal zu McDonalds zum Beispiel… Und das ist ja auch klar, wenn man sich alles verbietet. Ein gutes Maß ist wichtig. Schön, dass du deine Gedanken geteilt hast und damit zeigst, nicht jeder Mensch, der vegan leben möchte, immer perfekt ist oder perfekt sein will. Das ist so menschlich! 🙂

    Gefällt 1 Person

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