Escape Reality // Wieviel Ernst tut gut?

escape

Dieser Beitrag enthält eine unbezahlte Kooperation

 

Bist du gut im Loslassen? Ich nicht. Ich habe schon erzählt, dass ich öfters mal eine wandelnde to-do-Liste bin. Immer zu schwebt in meinem Kopf umher, was es noch zu tun gibt, und sobald ich nicht abarbeite und versuche, einfach zu sein, werde ich unruhig. Mein Stresslevel ist gerne wegen Nichtigkeiten auf Level 1000.

Ich versuche gerade, das ein wenig abzulegen. Ein bisschen mehr im Jetzt zu sein, bei dem, was ich gerade tue, und weniger in meinem Kopf, der mit Ermahnungen umherschießt, bis mir schwindelig wird.

Die Zeit vergeht unheimlich schnell, wenn man vom Denken ins Erleben kommt. Wenn Interaktion gefragt ist, oder einfach verharren, genießen, präsent sein.

 

Seitdem das Wetter so schön ist und der Frühling endlich auspackt und sich von seiner besten Seite zeigt, habe ich schon einen Zentner Schwere abgelegt. Die letzten Tage saß ich oft in der Sonne, mit einem Kaffee oder Wein in der Hand, hab geredet, dem Hund beim Spielen zugesehen und sonst nichts gemacht. Ich kann das zugegeben nicht lange und schnell greife ich wieder zum Handy oder checke, was ich noch erledigen muss. Aber schon ein paar Minuten bringen mich runter und machen mich entspannter.

Das Jetzt ist alles was wir haben, was direkt vor uns liegt, was wir gestalten können. Und trotzdem verfallen wir so oft in Zukunftsausmalerei oder Vergangenheitsanalyse. Dabei verpasst man so viel von dem, was jetzt noch real ist, zum Greifen, was jetzt gerade gut tut.

 

Ich bin der Master of Gedankenschleifen und Grübeleien, aber ich suche mir gerade gezielt Aktivitäten und Erlebnisse, die mich aus den Windungen meines heißgelaufenen Gehirns reißen und ins Hier und Jetzt befördern.

 

Lesen ist entspannend, nimmt das ganze Bewusstsein mit auf eine Reise in ein anderes Leben, eine andere Zeit, eine andere Welt. Wenn man sich darauf einlässt, kann man komplett abtauchen.

Reden, austauschen. Richtig zuhören, sich reinversetzen. Über das reden, was wirklich zählt, weg von der Oberflächlichkeit.

Natur. Ein Waldspaziergang, am Wasser entlang flanieren. Draußen, ein bisschen abgeschieden, dort liegt eine käseglockige Stille. Einnehmend, bedeutungsträchtig und gleichzeitig nichtssagend. Nichtsaufladend. Das hilft, das System runter zu fahren, offene Tabs für eine Weile zu schließen.

Spielen. Kinder vergessen völlig die Zeit, wenn sie im Spiel sind, wenn sie einfach ihrer Freude folgen. Wir verlieren Leichtigkeit und das Vermögen, zu spielen, wenn wir erwachsen werden. Schließlich wird uns von allen Seiten eingetrichtert, dass jetzt der Ernst des Lebens beginnt, dass wir uns nun um unsere berufliche Zukunft, einen Haushalt und die Steuern kümmern müssen. Alltag kann Halt geben und beruhigen, ich mag meinen Alltag, das völlig profane herumrödeln in der Wohnung, triviale Dinge erledigen. Das alles gehört dazu. Aber ein bisschen Flucht vor zu viel Ernsthaftigkeit schadet nicht. Im Flow sein, weg von dem, was wir Arbeit nennen, gibt manchmal einen Tropfen Lebendigkeit zurück, kann ein Anstoß für Frische und Innovation sein und letztlich mehr Energie für das, was von Tag zu Tag weniger spannend ist, zurückgeben.

 

Escape

 

escape-quarterlife.blog

 

Ich wurde von Escape Berlin eingeladen, einen ihrer Escape Rooms in Berlin zu testen. Da ich mitbekommen habe, dass Escape Games gerade ziemlich im Trend sind, und ich das gerne mal ausprobieren wollte, habe ich die Einladung dankend angenommen.

Escape Berlin hat 4 Spiele zur Auswahl, Sherlock Holmes, Bing Päng (für Kinder), ein Horrorspiel und eingeschlossen im Schnapsladen. Letzteres klang für mich und meine Freunde ziemlich lustig, sodass wir uns dafür entschieden haben.

Also ging es an einem Sonntag Nachmittag zum organisierten Flüchten. Wir 5 wurden in einen Raum gebracht, mit einigen wenigen Erläuterungen, Tür zu, Spiel beginnt.

Ich bin von Natur aus absolut kein Spielkind. Ich mag weder Trinkspiele, noch Brettspiele, noch sonst etwas in der Art. Mir fehlt wahrscheinlich, wie schon gesagt, die Leichtigkeit dafür, die Fähigkeit mich einzulassen. Umso gespannter war ich, ob das Escape Game es schafft, mich aus der Reserve zu locken.

 

Und das hat es tatsächlich. Zu Beginn steht man etwas ratlos herum, es wird jedoch recht schnell klar, welche Rätsel zu lösen sind. Nervenkitzel entsteht sofort durch die von einer Stunde herunterzählende Zeit. Wir mussten zu Beginn beispielsweise erst einmal die Alarmanlage ausschalten, einige Zahlencodes knacken und uns immer wieder ein Schnäpschen gönnen. Ziel war es, das im Computer des Schnapsladens hinterlegte und passwortgeschützte Rezept für den sagenumwobenen Berliner Tropfen zu ergaunern.

Das Spiel barg einige völlig unerwartete Überraschungen und kreative Aufgabenstellungen. Ich war nach kurzer Zeit tatsächlich voller Eifer und hatte richtig Spaß.

Kurz vor Schluss haben wir, etwas angeheitert, das Rätsel gelöst und wurden wieder befreit.

Ich habe total Lust bekommen, noch mehr solcher Escape Rooms zu spielen und auch mal Laser Tag oder Paintball auszuprobieren. Ein bisschen zu spielen eben und die Zeit zu vergessen.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s