Schauspieler werden // die Ausbildung an einer Schauspielschule

Ich gehe seit heute auf die Schauspielschule. Ich finde das selbst noch ziemlich verrückt, hätte mir das jemand vor 3 Jahre erzählt, hätte ich gelacht und selbigen dann vors Schienbein getreten.

Wie ich überhaupt dazu gekommen bin, werde ich in einem anderen Beitrag erzählen. Hier soll erst einmal das Thema Zugang zum Schauspielberuf durch die Schauspielschule gehen (aus der Sicht eines absoluten Beginners).

 

Man hat zwei Möglichkeiten, als Schauspieler Fuß zu fassen. Entweder man schlägt sich über Komparsenjobs/Kleindarstellerrollen, unbezahlte Kurzfilm- und Regiestudentenprojekte durch, versucht sich irgendwie hochzuarbeiten, Sprechrollen im Fernsehen zu bekommen oder an Theaterproduktionen mitzuwirken, eine Agentur zu finden und sich langsam zu etablieren, oder man besucht eine Schauspielschule. Alles genannte muss man wahrscheinlich trotzdem machen früher oder später machen und Eigeninitiative und Durchhaltevermögen ist in jedem Fall gefragt, der Einstieg ist aber einfacher, wenn man eine Schauspielausbildung hat. Du weißt dann eher, was du tust und andere glauben dir auch eher, dass du das weißt.

 

Staatlich oder privat

 

Es gibt in Deutschland 14 staatliche Schauspielschulen. Zugangsvoraussetzung ist normalerweise das Abitur, in Ausnahmefällen ist auch ohne möglich. Da das staatliche Studium umsonst ist und die beste Qualität beinhaltet, sind die Plätz heiß umkämpft. Bis zu 1000 Bewerber spielen um einen Platz, jährlichen werden meist um die 10 Studenten angenommen. Am bekanntesten ist wahrscheinlich die Ernst Busch Schauspielschule im Berliner Osten. Wer an einer staatlichen Schule einen Ausbildungsplatz ergattert, muss sich keine Sorgen mehr machen. Theater, TV und Agenturen werden ihn/sie voraussichtlich mit Kusshand aufnehmen.

Ohne Abschrecken zu wollen, aber wer keine Koryphäe und außerordentlich talentiert ist, wird es schwer haben, an eine staatliche Schule zu kommen. Zumal auch am liebsten Schulabgänger genommen werden, wer Mitte Zwanzig und älter ist, hat schlechte Karten.

 

Wer jedoch direkt von der Schule kommt, an sich glaubt und schon Spielerfahrung hat, sollte aufjedenfall an der staatlichen Schauspielschule vorsprechen. Manch einer tingelt jahrelang von Stadt zu Stadt im gesamten deutschsprachigen Raum, absolviert 10, 20,… Vorsprechen, um schließlich endlich irgendwo genommen zu werden. Das ist krass, aber die Karrierechancen sind mit staatlichem Abschluss einfach zweifellos die besten. Die Ausbildung geht normalerweise 4 Jahre.

Für all jene, die vergebens an staatlichen Schulen vorgesprochen haben, für die zu alten (in my case), oder die, die einfach keine Lust auf’s Kämpfen, auf zu viel Erniedrigung und Absagen haben (auch my case), gibt es die privaten Schauspielschulen. Es gibt staatlich anerkannte und solche, die teilweise nur 1-2 jährige Lehrgänge anbieten. Bestenfalls wählt man eine anerkannte. Es gibt einige dutzend private Schauspielschulen in Deutschland.

 

Qualitativ ist bei den privaten Schauspielschulen alles dabei, von staatlichem Anspruch mit sehr guten Lehrern bis zum Arbeitsbeschaffungsmaßnahmenniveau. Man sollte sich seine favorisierten Schulen sehr genau ansehen, schließlich zahlt man ein paar hundert Euro im Monat für die Ausbildung (~zwischen 380 bis 600) und sollte dafür auch etwas lernen. Die Ausbildung dauert meist 3 bis 3,5 Jahre.

In Berlin gibt es um die 10 privaten Schauspielschulen. Manch eine hat einen besseren Ruf als die andere, die Preise variieren stark, aber ansonsten ist es gar nicht so leicht, die richtige zu finden.

Es werden (auch an den staatlichen Schulen) regelmäßig offene Klassen, Workshops, Kurse etc. für Interessenten angeboten. Außerdem kann man zu den Abschlussabenden der Studenten gehen und sich ansehen, wie gut oder schlecht die sind.

 

Ich habe es mir, weiß Gott, lange überlegt, ob ich in meinem Alter noch an die Schauspielschule gehen möchte, ob ich noch ein Studium ertrage, ob ich das Geld aufbringen kann und möchte, und mich letztendlich dafür entschieden.

 

Es gibt kein Patentrezept für den Berufseinstieg. Du kannst als Quereinsteiger in einer mega erfolgreichen Serie landen und zack, bist du ein gefragter Schauspieler, oder du absolvierst ein knochenhartes Studium und nachher will dich trotzdem keiner sehen. Du musst sehr viel selbst dafür tun und es wirklich, wirklich wollen. Ansonsten wirst du der Anstrengung vermutlich schnell müde werden. Wer in jedem Fall ans Theater will und keine Lust auf Kamera hat, der kommt kaum um eine Ausbildung drumherum. Denn das Spielen auf der Bühne ist anspruchsvoller und facettenreicher, ohne Handwerkszeug wird man dort schlecht Fuß fassen können.

 

Der Markt ist, gerade bei weiblichen Schauspielern, wahrlich übersättigt, keiner wartet auf dich, du wirst dein ganzes Arbeitsleben kämpfen, konkurrieren, viel Ablehnung aushalten müssen, aber wer eine Liebe für’s Spielen hat, der weiß, man kann dennoch nicht anders.

 

 

 

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