Nachts potenzierst du dich

Nachts bist du mehr, nachts wirst du mehr du selbst, nachts potenzierst du dich.

Nachts bist du innerlich lauter, weil es außen leiser wird. Es wird schwieriger dich zurückzuhalten, nachts musst du dir selbst in die Augen sehen.

Nachts kannst du nicht anders als zuhören, wenn der Schlaf dich nicht weggleiten lässt.

Nachts potenzierst du dich.

Warum ist Dunkelheit so gefährlich, vor was versteckst du dich?

Irgendwann musst du immer nach Hause. Steine knirschen unter deinen Schritten, der Regen schmatzt genügsam auf deinem Schirm. Weil es dunkel ist, kannst du nichts sehen, kannst nur noch fühlen.

Du weißt nicht, ob hinter diesem Baum jemand steht, auf dich wartet, du kannst nur erahnen, in die Dunkelheit hineinhoffen.

Nachts kannst du weniger wegschieben, nicht verschieben, nur stillstehen und ansehen.

 

Warum gehen wir eigentlich nachts feiern?

Dem Schlaf entfliehen. Der Wahrheit vielleicht, der Utopie. Bist du nachts ok mit dir, oder brauchst du dafür laute Bässe, ist es zu viel, allein mit dir? Ein Drink oder zwei, oder vielleicht auch ein paar mehr, nachts geht das, nachts willst du dir die Maske abreißen oder gar erst aufsetzen, nachts mal ungehemmt, nachts so, wie am Tage nicht.

In der Dunkelheit zum Kind werden, leicht und verantwortungslos. Weniger Ernst, weniger gefasst. Nachts drückt schwer und macht gleichzeitig leicht, am Tag ist alles offensichtlich, sieht jeder alles, aber nachts, da findest du Schlupflöcher, hoffst, dass du tagsüber auch noch durch passt. Der Alltag löst sich auf in der Dunkelheit, du kannst dich für ein paar Stunden nochmal neu erfinden.

 

Nachts wird die Luft dünner, die Gedanken zerbrechlicher. Wohin mit sich selbst, wenn die Außenwelt in sich kehrt, die Reize abflachen?

Warum nachts wach bleiben, wenn du doch so viel zu träumen hast? Vielleicht gibt es was zu verpassen, gibt es was zu verpassen? Oder verpasst du dich selbst, kannst du mit dir selbst gut reden oder hörst du dir nicht richtig zu?

 

Nachts potenzierst du dich.

Irgendwann ist jede Party vorbei, jeder Film angesehen, Gespräche geführt. Nachts musst du dich stellen, du musst loslassen, du kommst an deinen Träumen nicht vorbei.

Nachts ist alles intensiver; weil so viel Farbe geschluckt wird, sind die Sinne geschärft. Kein Ablenkung, keine Verpflichtung.

 

Bist du ein Nachtmensch?

 

 

 

4 Kommentare

  1. Ein toller Text, der mich in ganz viele Facetten des Nachdenkens befördert hat. Ich bin kein Nachtmensch, aber manche Sentenz Deines Eintrags war und ist mir sehr vertraut. – Du bist eine feine Beobachterin und viele Deiner Fragen bringen es auf den Punkt und lassen doch viele Antworten zu.

    Manches mal schon habe ich gefunden, dass Deine Art zu schreiben besonders ist. Heute wieder einmal SEHR!

    Dankeschön für diesen eindrucksvollen, inspirierenden Text!

    Liebe Grüße an Dich, arunika!

    Gefällt 2 Personen

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