Woher du weißt, dass du das Richtige machst

Es ist Donnerstag, ich stehe eine Stunde früher auf als sonst, denn ich muss den Hund noch zum Hundesitter bringen. An der S-Bahn-Haltestelle wird bitterernst verkündet, dass die Züge gerade nur alle 20 Minuten fahren. Mein Vorsprung ist somit zunichte gemacht, ich warte.

Als der Hund schließlich abgeladen ist, geht es zum Unterricht. Ich gehe in einem unangenehm schnellen Tempo die Straße entlang und über rote Ampeln, meine Schienbeine jammern, ich komme aber trotzdem zu spät.

Der Unterricht ist von der ersten Sekunde an intensiv und fordernd, wir sind schließlich nur zu 4. im ersten Semester. In einen Stuhl lümmeln und vor sich hin dösen, wie in der Uni, geht nicht, geht nie. Aufmerksamkeit von der ersten bis zur letzten Minute.

Donnerstag ist der längste Tag der Woche. Gegen 18:45 Uhr ist Feierabend, ich eile zurück zum Hundesitter, sammle meinen kleinen Hundemann ein und begebe mich auf den Heimweg. Ich bin durchgeschwitzt, stinke vermutlich, meine Haare kleben an der Stirn, mein Körper tut weh und möchte sich ausruhen. Viele Unterrichtsfächer sind körperlich anspruchsvoll und ich bin es nicht gewohnt.

Nach 20 Uhr bin ich dann endlich zuhause. Ich schenke mir einen Schluck Roséwein ein und frage mich daraufhin, warum ich das tue, wie ich auf die Idee komme, schließlich trinke ich nie alleine.

Ich zelebriere den Tag und mich. Mit Speis und Trank.

 

Ich bin hochsensibel, schnell überreizt, genervt, will oft früh nach Hause, ausschalten, abschalten, weg von Menschen und der Welt. Ein Tag wie gestern killt mich normalerweise. Mehr als 12 Stunden aktiv auf den Beinen, konzentriert, am herumrennen, das halte ich gerade so durch, eigentlich.

Aber gestern Abend hab ich mich gut gefühlt.

Ich hab mich lebendig gefühlt, emotional energiegeladen, inspiriert.

Ich war erledigt, aber nicht ausgelaugt, müde, aber nicht matt, fertig, aber nicht frustriert.

 

Wenn du etwas machst, dass für dich, für dich ganz persönlich, Sinn ergibt, was schlicht und ergreifend das Richtige für dich, in diesem Moment, ist, dann fühlst du dich lebendig, anstatt blutleer. Dann gibt dir das, was du tust, Energie, anstatt sie dir bis auf den letzten Tropfen zu rauben.

Natürlich ist auch Erfüllendes anstrengend, Kopf und Körper können und wollen irgendwann einfach nicht mehr. Aber dennoch, du bist am Ende des Tages reicher, anstatt ärmer. Es saugt dir nicht die Lebensenergie und -freude aus, deinen Enthusiasmus. Du hast nicht das Gefühl, Zeit verschwendet zu haben, du willst nicht 3 Gläser Wodka trinken und vergessen, du gibst etwas, deine Zeit, deine Kraft, aber du bekommst auch etwas zurück.

 

Daran merkst du, dass du das Richtige machst.

 

Ich erfinde das Rad nicht neu mit diesen Worten, wir alle wissen, wir müssen etwas tun, das uns Spaß macht, das uns erfüllt. If you have a job you love, you never have to work one day in your Life. Ist klar. Aber wie genau sich Erfüllung anfühlt, das ist dann manchmal doch ein Rätsel. Man denkt vielleicht, es ist okay, am Ende des Tages einfach nur kotzen zu wollen, sich ausgebrannt und zombiös zu fühlen. Man denkt vielleicht, das gehört dazu, das muss so. Auch bei einer Sache, die man gerne macht. Gestern ist mir klar geworden, wo genau der Unterschied zwischen ich mache etwas Cooles, das scheiß anstrengend ist und ich mache etwas Uncooles, das scheiß anstrengend ist liegt

Die Dinge werden leichter, anstatt schwerer. Fühlbar, fast schon messbar. Du kannst aufeinmal ein bisschen mehr als sonst, mehr leisten, mehr durchhalten. Nicht weil du dir sagst, dass du das jetzt musst, sondern weil es einfach geht. Weil keine 5 Kilo Blei an deinem Fuß hängen, die du mitschleifen musst, sonder kleine Flügelchen aus deinem Rücken wachsen.

Natürlich springt man nicht den ganzen Tag freudig im Quadrat, egal wie toll der Beruf, das Studium, die Ausbildung ist. Und ist dein Start-Up noch so genial, am Ende des Jahres musst du eine Steuererklärung abgeben. In jedem Bereich wird es immer die symbolische Steuererkärung geben, Vorgänge, die uns nerven, die dazugehören und erledigt werden müssen. Das ist okay, das Leben ist keine Regenbogenmähne eines Einhorns.

 

Aber das Gros sollte mehr sein, als lästige Pflicht. Es kann mehr sein, es darf mehr sein.

 

 

4 Kommentare

  1. Ohja, du hast echt perfekt beschrieben, wie sich solche Tage anfühlen. ich laufe dann mit einem nicht abschaltbaren, beseelten Dauergrinsen durch die Welt und könnte den ganzen Tag nur darüber schreiben, wie glücklich ich bin und wie sich das anfühlt. Und zwar vor Allem wenn ich so im FLow mit allem bin, das inspiriert einfach enorm 🙂

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