Mein schlechter Freund der Perfektionismus

Ich möchte einen neuen Beitrag für den Blog schreiben, habe genug Themen parat, Gedanken im Kopf, Überlegungen, die sich bündeln lassen würden. Schreiben geht eigentlich immer. Theoretisch. Praktisch kann ich oft einfach nicht. Ich will, aber ich kann nicht, ich sträube mich, wie mein Hund, der bei Regen nicht raus will.

Ich lese einige andere Blogs und störe mich auch nicht daran, wenn ein Text mal kurz, etwas chaotisch oder nicht tiefergehend ist. Ein paar Worte, ein Update, ein Gedanke, das reicht oft schon, wenn man eine Person und ihre Aufzeichnungen regelmäßig verfolgt. Völlig sinnfrei möchte ich Geschriebenes nicht konsumieren, aber es muss nicht immer atemberaubend sein.

 

Bei mir selbst lasse ich so halb nicht gerne gelten. Nicht, dass ich mit allen Posts immer zufrieden wäre , meistens bin ich das nicht. Meistens formuliere ich im Kopf lediglich eine Weile hin und her und bringe dann das zu Papier, was gerade da ist. Aber mich erstmal zu überwinden, anzufangen, auch wenn vielleicht nichts Nobelpreisverdächtiges dabei rauskommt, das fällt mir sehr schwer.Die gedankliche Hemmschwelle ist hoch.

Wenn ein Text gut ankamen, habe ich das Gefühl, ich müsste beim nächsten mal noch einen drauf setzen. Und nochmal und nochmal, und dann wieder, und immer besser und länger und präziser und wortgewandter usw. Und das kann ich nicht. Und dann verfalle ich in Starre und Lethargie. Ich will keine Enttäuschung wecken, kein „Naja, ist auch nicht mehr so toll, wie es mal war“.

Dabei ist es unrealistisch und unnötig, ständig seine eigenen Rekorde zu brechen. Außerdem ist dieses Projekt hier meins, bei dem ich mich nicht selbst schlagen muss.

Ich gegen ich. Das nervt, das strengt an, das will ich gar nicht. Ich mag keine Wettkämpfe, kein Kräftemessen, nicht mit anderen und nicht mit mir selbst. Trotzdem verfalle ich immer wieder in dieses Denken. Ich ertappe mich bei dem Gedanken „Lieber nichts, lieber gar nicht versuchen, als machen und downgraden“. Oder aber auch: Ich gebe mir gleich keine Mühe, dann muss ich mich wenigstens nicht ärgern, wenn es schief läuft, dann habe ich nichts investiert. Richtig dumm.

Früher habe ich mir unzählige Chancen entgehen lassen, weil ich dachte, ich könnte nicht gut genug für jene sein, ich wollte lieber keine Absage kassieren, kein schlechtes Gefühl riskieren und habe es deswegen gar nicht erst versucht.

Ich glaube, auch Prokrastination hat oft etwas mit Perfektionismus zu tun. Wegschieben, bis man perfekt vorbereitet ist, bis die Umstände passen, man selbst passt, Stunde niemals. Dann holt die Realität ein, gemacht werden muss es, Nachtschicht, verfluchen, am Ende doch mehr schlecht als recht. Sich selbst das Leben schwer machen, ist das.

 

Wem geht es ähnlich?

 

 

8 Kommentare

  1. Dieses Gefühl kenne ich allzu gut. Meistens wenn ich diese Angst verspüre, versuche ich mich abzulenken. Da wäre die Prokastination wieder. Aber ich versuche mich zusammen zu reißen und riskiere doch mal etwas. Du wirst auf jeden Fall mit einer neuen Erfahrung belohnt 🙂

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  2. Ach ja, da kommt mir vieles doch seeeehr bekannt vor … –

    Was das Bloggen betrifft, ist es bei mir nach wie vor so, dass ich zuvorderst für mich selbst schreibe. Das war meine ursprüngliche Intension, und daran hat sich grundsätzlich nichts geändert. Aber, dass es nun gar keine Rolle spielen würde, dass ich nunmehr Leser*innen habe, einige davon sogar schon über wirklich lange Zeiten, so ist es nun auch nicht.

    Dennoch: Mein schärfster Wächter, Richter und Zensor ist mein eigenes Gewissen. Und zwar mir selbst gegenüber. So war das schon immer. Und, obwohl ich mich gelegentlich ganz bewusst bemühe, es ein bisschen „lockerer“ anzugehen, klappt das regelmäßig nicht.

    An Schwierigsten ist es für mich, wenn ich schon eine längere Zeit nichts Schreiberisches zustande bekommen habe, obwohl mir genug Themen, oft sogar solche, die mich sehr beschäftigen, im Kopf herumgehen. Gerade sie sind mir dann aber besonders wichtig, sie „vernünftig“ aufzuschreiben, nachvollziehbar für mich und andere, auch nach längerer Zeit noch. (Auch, weil ich sie zu gegebener zeit vielliecht noch einmal aufgreifen, weiterentwickeln möchte.)

    „Ich gegen mich“ – Du hast es perfekt ausgedrückt, liebe Arunika.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend für Dich!

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