Ein bisschen fairer

In mir schlummert schon immer ein kleiner Öko, ein Weltverbesserer. Als Kind saß ich stundenlang im Urlaub am Pool und habe versucht Insekten zu retten, die im Wasser umhertrieben. Ich konnte es nicht ertragen, sie sterben zu sehen. Es kam mir so unfair vor.

 

Der Öko in mir möchte Müll trennen, sich vegetarisch ernähren, weniger Abfall produzieren, Verpackungsmaterial meiden. Er ist nicht immer da, zeitweise, manchmal monate- oder gar jahrelang wird er niedergetrampelt, klein gehalten von der Gleichgültigkeit, die lieber konsumiert, sich lieber alles einfach macht, sich beeinflussen lässt und mitläuft. Das passiert, der Öko ist auch nur ein Mensch. Aber grundsätzlich ist er da und redet mit.

Den Gedanken des Minimalismus finde ich schon länger attraktiv und spannend, und spätestens seit ich ein Semester in Brasilien verbracht habe, mit 7 kg auf dem Rücken, sprich einer Hand voll Kleidung und ein paar anderen Dingen, weiß ich, dass es wirklich nicht so viel braucht, wie wir denken. Man muss nicht pausenlos konsumieren, auch wenn es einem an jeder Ecke suggeriert wird, man kann aussteigen, aus dem immer haben wollen, immer mehr horten müssen, immer und immer wieder austauschen.

Mein Handy ist dieses Jahr 4 Jahre alt und darauf bin ich stolz, denn früher habe ich mir alle 2 Jahre ein neues gekauft, einfach, um das neuste Modell zu haben. Brauche ich aber gar nicht. Ich habe eine Handtasche und einen Rucksack. Werde ich benutzen, bis beides auseinanderfällt (tut die Handtasche eigentlich schon). Ich gehe nicht mehr los und komme mit schönen, sinnlosen Kosmetikprodukten vom nächsten Drogeriemarkt zurück. Ein Duschgel, bis dieses leer ist, meine 3-5 Standard Make-up-Produkte. Fertig, das reicht, ich muss nicht alles durchtesten, jede Variante, die ich langfristig eh nicht benutze, griffbereit haben.

Ähnlich mit Kleidung. Ich gehe nicht mehr aus Langeweile oder einer sonstigen Laune heraus shoppen. Ich versuche zum einen, wenig zu kaufen, wenig zu haben, regelmäßig auszusortieren, zum anderen überlege ich mir vorher, was ich brauche, was ich wirklich trage, investiere lieber mehr in ein gutes Teil, als mit einer vollen Tüte von Primark nach Hause zu kommen.

Anfang des Jahres habe ich außerdem begonnen, mich mit fair fashion, slow fashion, bewussterem Konsum von Kleidung zu beschäftigen. Ich möchte nicht jedem Trend hinterherrennen und 3 volle Kleiderschränke mit Zeugs möchte ich erstrecht nicht. Warum also nicht in faire, grüne Kleidung investieren? Mit gutem Gewissen das kaufen, was ich kaufe, am Wandel beteiligt sein. Ja, es ist teurer, aber vielleicht brauche ich nicht 5 Jeans, sondern nur eine oder zwei.

Zudem ist Second Hand eine super Variante, um umweltschonend und bewusst zu kaufen. Hier spricht für mich auch nichts dagegen, Marken zu tragen, die ich sonst eher nicht unterstützen möchte. Schließlich wird gebrauchte Kleidung, die noch gut ist, weiterverwendet, die Lebensdauer verlängert, anstatt etwas neu Produziertes zu kaufen. Das ist cool.

Ich will hiermit nicht sagen, dass ich unglaublich toll und altruistisch bin. Sondern, dass jeder bei der ein oder anderen Sache, die ihm liegt, die er sinnvoll findet, bewusster handeln kann. Ein paar Impulskäufe weniger sind schon eine gute Sache. Wir werden mit Werbung bombardiert, die uns ins Gesicht brüllt, dass wir weniger wert, weniger cool, schön, hipp, in sind, wenn wir nicht xyz kaufen, wenn wir nicht auf dem neusten Stand der Technik, der Mode, der Inneneinrichtung, … sind.

Doch das ist nicht wahr, wir müssen uns immer wieder aktiv bewusst machen, dass das nicht stimmt. Allzu leicht wird man influenced, bekommt Zweifel, möchte doch mithalten, mit den Caros, Xenias usw. auf Instagram und co. Werbung ist dafür da, uns Mangel zu suggerieren, unseren Selbstwert an das, was wir konsumieren zu heften. Das hat mit der Realität allerdings nichts zu tun.

Wollen wir am Ende nicht lieber für etwas stehen? Möchten wir nicht lieber Ideale haben, anstatt Michael Kors Handtaschen und einen Raum voller brandaktueller Kleidungsstücke? Wollen wir nicht lieber sein anstatt scheinen?

 

 

 

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