Wonach bist du süchtig?

Süchtig? Erste Reaktion, bin ich nicht, ich doch nicht. Sucht klingt so hart, so manifest.

Gar nicht sexy.

Nur im Spaß vielleicht, süchtig sein nach einer Serie, nach einer coolen Aktivität, das sagt man, mehr hat man mit diesem Wort nicht zu tun.

Süchtig sind nur die ganz unten, oder? Die, die alles kaputt machen, die, die die krassen Fehler begehen, die nicht mehr zurück können. Die Familien zerstören und sich selbst, die auf der Straße landen, den Job verlieren, ihren Körper ruinieren.

Oder?

Sind es Zigaretten, Alkohol, Drogen?

 

Machst du es ganz offensichtlich, ganz ungehemmt? Brauchst du den Kick, die Beruhigung, das Ausschalten, Abschalten? Musst du den Stoff spüren, um was zu spüren, oder um nichts mehr zu fühlen? Ist dein Leben langweilig, bist du es? Bist du einfach darauf hängen geblieben, sagst dir, es ist schon ok, du kannst jederzeit damit aufhören? Kannst du das wirklich? Findest du dich cool, Peter Pan-mäßig?, nur nicht erwachsen werden, nur keine Verantwortung übernehmen. Du bist ja noch jung, du bist wild, da sieht das ganze nicht so traurig aus, da ist es noch lustig. Abstürzen klingt noch nach Abenteuer, nach Freiheit. Frei bist du gerade nicht, aber willst es unbedingt sein.

 

Ist es Essen, dein Handy, das Internet, Kaffee oder Süßes?

 

Willst du dich belohnen oder trösten? Brauchst du etwas, um über den Tag zu kommen, um wach zu bleiben, oder dich nicht aufzuregen? Ist es die Ablenkung vom Alltag, die neuen Reize, das zudecken, überdecken, von dem, was da ist, was nicht da ist?Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du wieder zugreifst, aber egal, mein Gott, wer will dich denn richten?Jeder braucht einen Ausgleich, denkst du dir das? Gestresst bist du, runterkommen willst du.

 

Ist es Arbeit, Anerkennung, Konflikte, Vergleiche oder Bestätigung?

 

Musst du am Ball bleiben, im Hamsterrad, brauchst du das beschäftigt sein, den Lauf, das ständige Hetzen und Hinterherrennen? Was würde die Stille, eine Pause, Leere mit dir machen? Kannst du das aushalten?

Musst du ständig beweisen, dir, den anderen, vor allem dir selbst, dass du immer höher, immer weiter kommst, dass es niemals Stillstand gibt, dass du nicht still stehen kannst? Bist du nur etwas wert, wenn du etwas machst? Ist Produktivität deine Luft zum Atmen?Brauchst du die Reibung, musst du immer Recht haben? Wie wichtig ist dir das Bild von dir selbst, das du anderen weismachen willst?

 

Sind es knallige Gefühle, Hochs und Tiefs, Nähe, ein bisschen Liebe?

 

Wie verzweifelt bist du, wie groß ist der Fall am Morgen danach? Hast du dir jemals überlegt, dass du selbst etwas dafür kannst? Muss es immer extrem sein, kannst du Monotonie nicht ertragen? Fühlst du dich nur lebendig, wenn etwas in dir explodiert? Machst du alles, zu viel, um nicht alleine zu sein?

 

 

 

 

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