Warum du lesen musst

Zu SchülerVZ-Zeiten hatte man ein Profil, auf dem man verschiedene Kategorien, die eigene Person betreffend, ausfüllen konnte. Darunter Lieblingsbücher.

Ein paar besonders coole Leute haben dies mit “Was sind Bücher?”, oder “ich lese nicht, ich guck Serien” beantwortet. Autsch.

 

Tatsächlich war lesen, glaube ich, eine Zeit lang uncool. Vielleicht ist es das unter Schülern bestimmten Alters immer noch.

Generell gehört es aber zum Glück wieder oder immer noch zum guten Ton, ab und an ein Buch in die Hand zu nehmen, davon zu erzählen, zu empfehlen.

 

Ich finde Lesen wichtig. Im Allgemeinen, Zeitschriften, Artikel im Internet, Nachrichten, Blogs, etc. Besonders aber auch Bücher. Ob Belletristik, zusammengestellte Essays oder ein Selbstfindungsratgeber, ein Buch ist eine geschlossene Einheit für sich, eine Geschichte, ein Gefühls- und Gedankenpaket, etwas, das sehr offen und sehr intim zugleich ist. Für mich kann kein Film und keine Serie den Wert eines Buches ersetzen.

Ein Film lässt dich innerhalb kürzester Zeit in eine Welt eintauchen, macht es dir einfach, mitgerissen zu werden und schleudert dich genau so schnell – meist nach höchstens 2 Stunden – wieder heraus. Egal, wie detailreich die Perspektive eines Films ist, wie nah du den Figuren kommst, ein Buch, das du über viele Stunden liest, mit Unterbrechung über Tage, Wochen und Monate, das meist viel langsamer und genauer aufbaut, mehr Verbindungen, Erklärungen und Einblicke zulässt, ist näher dran. Du bist im Kopf von einer Person, du bist im Gehirn, du kennst die Gedanken und was daraus resultiert. Im Film siehst du meist nur die Handlungen.

 

Wer liest, lebt viele Leben, lebt sie mit, begleitet sie. Ein Film ist zu kurzweilig, zu reißerisch, zu sehr auf schnelle Unterhaltung ausgelegt, um dir das zu geben, was ein gutes Buch dir gibt.

Du bekommst so viele ungefilterte Gedanken und Gefühle, ohne Schnitt, ohne Cliff. Natürlich werden auch Bücher gekürzt, sollen eine attraktive und zumutbare Länge haben, sind überarbeitet, lektoriert etc. Aber trotzdem hast du am Ende mehr. Es werden weniger Sinne bedient, du hörst nichts, du wirst nicht erschreckt, es gibt keine Musik. Alles was du hast sind Worte auf Papier. Das ist erstmal unaufregender und auch mühsamer. Aber im Endeffekt bekommst du mehr. Ich würde behaupten, mich hat selten oder nie ein Film so nachdrücklich beeindruckt und in seinen Bann gezogen, wie Bücher es schon getan haben.

 

Lesen bildet. Das ist nichts Neues und wird trotzdem unterschätzt. Ich würde nicht um 1 Uhr nachts auf dem Sofa sitzen und schreiben, hätte nicht schon ein Buch veröffentlicht, wenn ich nicht von Klein auf gelesen hätte, was das Zeug hält.

Zuerst habe ich natürlich nur zugehört. Stundenlang hat mir meine Mutter immer und immer wieder meine Lieblingsgeschichten vorgelesen. Spiele spielen war nicht so unser Ding, also ging es meistens um Bücher.

Sobald ich in der Lage war selbst zu lesen, habe ich die halbe Stadtbücherei verschlungen. Es war selbstverständlich, dass wir wöchentlich auf die Suche nach neuen Geschichten gehen. Ich denke oft daran, wie offensichtlich prägsam dieses Hobby meiner Eltern für mich war, und wie sehr es mein Leben immer beeinflussen wird. Und ich bin froh, dass wir nicht stattdessen den ganzen Tag vor der Glotze gehangen sind.

 

Du kannst nicht schreiben, wenn du nicht liest. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand geniale Wortkonstruktionen erschafft, der nicht zuerst gelesen hat. Viel, oft. Ohne es aktiv zu steuern oder mitzubekommen, lernt man unglaublich viel beim Lesen. Neue Wörter, Satzkonstruktionen, Grammatik, Stil, Ausdruck. Das alles bekommst du inklusive. Du speicherst es und kannst es nach und nach selbst anwenden.

 

Deshalb hier mein Plädoyer für mich Bücher in deinem Leben! Ich weiß selbst wie es ist, man ist abends müde, Netflix ist in greifbarer Nähe und die Ruhe fehlt einfach. Bei mir vergeht manchmal auch viel Zeit, in der ich nichts gelesen habe, zumindest kein Buch. Aber ich lasse es nie ganz sein und dann sind es eben nur 15 Minuten in der Bahn. Auch so kann man ein Buch irgendwann beenden und das ist einfach sehr befriedigend.

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Das ist ganz „mein“ Text, liebe Arunja. Was das Lesen betrifft, weiß ich nun, dass wir ganz enge „Verwandte“ sind. Ich finde mich in jedem einzelnen Wort, das Du heute hier niedergeschreiben hat, ganz und gar wieder.

    Danke für diese schöne Erfahrung, die Du mir durch das teilen Deiner Lesegdanken geschenkt hast.

    Besonders liebe Grüße an Dich in die große Hauptstsadt! 🙂

    Gefällt 3 Personen

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