Sommer in Berlin

Berlin, im Sommer tust du gut, denn im Winter tust du weh.

 

Berlin im Sommer erfrischt und drückt manchmal. Wenn die Sonne auf den Asphalt knallt, dein Schatten vor dir her wandert, wenn die Straßen leerer sind als die Parks und Seen, wenn die Leute oft raus statt rein fahren. Dann ist Sommer.

Berlin wacht auf, streckt sich, kriecht aus seinem tristen Loch heraus. Menschen, die sich das letzte halbe Jahr versteckt haben, kommen endlich wieder aus vorhängebehängten Zimmern raus, drängen auf die Open Airs, in die Cafés, Bars, Bordsteine. Das Leben findet auf den Straßen statt, die sind öfter mal dreckig, manchmal zu laut, aber echt und lebendig. Iced Latte und kühles Bier, Straßenmusik, Springbrunnen.

 

Es gibt unendlich viel zu tun, wenn man der Hitze standhält, kein Stückchen Grün, das nicht besiedelt wird. Das Leben ist wieder leichter, die Abende lang. Die Parks sind auch noch lange nach Einbruch der Dunkelheit voll, kollektives genießen, bis es kühl wird, aber das dauert. Wir bleiben noch wach, die Stadt wird eh nie richtig schwarz.

Musik, lachen, Unbeschwertheit. Berlin im Sommer stinkt manchmal, macht aber so viel mehr Spaß.

Kein Programm notwendig, Stadtteile erkunden geht immer, du kannst niemals alles kennen. In die Straßenbahn und einfach irgendwo aussteigen, gehen und gehen, bis die Füße wehtun. Ein neue Gegend, ein neuer Vibe, immer wieder anders. Am Wasser entlang, durch die Wiese, unbekannte Straßen. Nord, Ost, Süd, West, irgendwas kennst du noch nicht.

 

Auf der Straße sitzen, wenn die Bars zu teuer sind, mit dem Bier oder Cider in der Hand schlendern, bis es irgendwo schön genug ist um zu verweilen. Die Wärme macht die Leute locker und offen, keiner will so schnell nach Hause.

Stickige S-Bahnen, kein Sauerstoff mehr in der Lust. Feierabendschwall, Schulter an Schulter aneinandergedrückt, jede Haltestelle noch ein paar mehr. Haare kleben im Nacken, Schweiß auf der Stirn. Der Geruch von Schweiß, zu süßem Parfum. Dir wird übel, du betest, dass die Bahn endlich weiterfährt.

Du bist nicht allein, du fühlst dich nicht allein. Alle wollen in der Sonne sein, in der Pause im Gras sitzen. Wannsee, Müggelsee, Liepnitzsee am Wochenende, Volleyballspielen, Stadtstrand, Schwimmbad. Hauptsache ans Wasser.

 

Berlin im Sommer, große Liebe. Warum wegfahren, wenn du hier alles hast, jetzt sogar noch gutes Wetter? Das macht keine Sinn.

Die Clubs ziehn ins freie, feiern unterm Sternenhimmel, anstehen tut jetzt nicht mehr weh. Tretboot mieten, Stand-Up-Paddling, schwimmen im eiskalten Wetter.

Es tropft, trocknet aber schnell.

 

Mit dem Laptop im Café, die Stimmung einfangen. Alles wird ein wenig langsamer, weil es wieder möglich ist, sich Zeit zu lassen. Alle sind ein bisschen freundlicher, weil’s schon hell ist, wenn sie aufstehen.

Sommer in Berlin macht frei. Kein herum huschen, kurz raus, schnell wieder rein, weil draußen sein weh tut. Kein Verstecken vor Petrus Laune.

 

Das Leben findet ungefiltert zwischen Himmel und Erde statt.

 

 

 

4 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s