Vom Sommerloch verschluckt

Die aufgeheizte Luft surrt um meinen Kopf. Der Asphalt verschwimmt in der Ferne. Ich seh nicht mehr ganz klar.

Es ist dampfig, drückend. Nach ein paar Schritten steht mir der Schweiß auf der Stirn, klebt im Nacken, breitet sich unaufhaltsam aus. Wie feuchter Kaugummi. Ich tupfe mich trocken, es bringt nichts.

Meine Füße sind staubig, Stadtsand knirscht unter meinen pinken Birkenstock-Sandalen. Nevada in Berlin.

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Die Sonne brennt, verbrennt. Bestraft vielleicht ein bisschen, nährt aber gleichzeitig. Es geht nicht mit, es geht nicht ohne. Es tut gut, und es belastet. Sich in die Sonne setzen.

Das Gras ist braun und matt.

Wo ist es gerade am kühlsten?

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Kalte Cola wär gut. Stille in der Stadt. Alle ausgeflogen, alle im Schatten. Am See, am Meer, am Fluss.

Ich atme schwerfällig, der Hund hechelt. Wir sind uns gar nicht so unähnlich.

 

Meine Gedanken flimmern, finden keinen Anhaltspunkt. Ich kann mich nicht konzentrieren, muss es aber auch nicht. Ich lass die Luftschlösser ziehen, die Rechnungen entgleiten. Fluffige Wolken in meinem Kopf, mehr geht gerade nicht.

Ich brauche Wasser, ich bin träge. Siesta den ganzen Tag.

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Die Bahn ist nicht klimatisiert. Die Sitzplätze, die von der Sonne angestrahlt werden, sind frei. Der Hund legt sich auf die Seite, versucht, so viel kühlen Boden wie möglich, zu berühren. Ich würd’s ihm gerne gleichtun.

Mein Kopf pocht bei jeder Bewegung. Nicht zu viel, nicht zu schnell. Meine Kehle ist trocken, kratzt schmerzhaft. Ich verharre.

Schwarz zieht die Sonne an. Mein Kopf glüht. Der Himmel wird langsam dunkler, ich kann den Regen schon riechen.

Bald wird es Gewittern. Ich hoffe, dass es bald gewittert. Amazonas vor der Haustür.

Der erste Tropfen, den ich spüre, fühlt sich noch vorsichtig, zaghaft an, ist sich nicht sicher, ob er die Hitze vertreiben darf. Aus diffusem Nass wird prasselnder Regen, der unablässig auf mich niederschlägt. Befreiend.

Von weitem ist der Donner zu hören, der sekündlich näher rückt. Mutter Natur wird bedrohlich, bedroht mich.

Von drinnen sind Gewitter schön.

 

 

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