F*ck, jetzt bin ich 25

Ich bin mittlerweile ein Meister darin, Bevorstehendes einfach völlig auszublenden, bis es dann vor der Tür steht und anklopft. Ereignisse nicht an mich heranzulassen, nicht darüber nachzudenken, es zu durchdenken, bis es schließlich soweit ist. Das kann eine große Reise, eine Prüfung, oder eben, wie in diesem Fall, mein Geburtstag sein.

Das ist einerseits ziemlich gut, weil ich mir dadurch davor keine Sorgen mache, nicht alles zerdenke, Wochen zuvor nervös bin, Panik schiebe. Andererseits ist es aber gefährlich. Weil mich manch eine Sache, auf die ich mich als ewiger Denker mental hätte vorbereiten sollen, aus heiterem Himmel einholt und völlig überrumpelt.

Wie nun mein 25. Geburtstag.

Für mich war 25 die letzten Jahre eine Art Meilenstein, ein Alter, bis zu dem ich gewissen Fortschritte erhofft habe zu sehen. Die letzten Wochen habe ich meinen Geburtstag dann aber ignoriert. Ich hatte keine Lust darüber nachzudenken, ich wollte cool sein, keine große Sache daraus machen, ihn mehr oder weniger unauffällig vorbeigehen lassen.

Der bewusste, vernünftige Teil meines Hirns weiß, dass es tatsächlich keine Große Sache ist, dass ich mit dieser Zahl absolut nichts verbinden brauche und dass sie auch keinen Druck auf mich ausüben muss. Ich finde es eigentlich lächerlich, wegen einer neuen Zahl hysterisch zu werden und bei Freunden würde ich nie denken, dass es in einem bestimmten Alter zu spät ist, für das, was sie vorhaben, wollen, machen oder nicht machen.

Unterbewusst nagt es aber doch an mir.

Deshalb war es wie ein kaltes Glas Wasser ins Gesicht, als es 0:00 uhr schlug vorgestern Nacht und ich aufeinmal das viertel Jahrhundert erreicht hatte. Obwohl sich de facto nichts verändert in so einem Moment, ging es mir aufeinmal nicht mehr gut. Ich lag wach, stundenlang. Und alles, was ich bis dahin weg geschoben habe, kam wieder  hoch. Existenzangst, die Abrechnung; was habe ich denn bisher erreicht, was nicht, was müsste ich eigentlich sein, wo müsste ich stehen.

Und ich stehe so schlecht eigentlich nicht da. Überhaupt nicht. Ich finde schon einiges, das ich aufzählen kann. Wenn ich mir jedoch die harten Fakten ansehe, ist es wie folgt:

Ich bin 25, stehe am Anfang meiner 2. Ausbildung und habe nicht, wie früher fest vermutet, zu diesem Zeitpunkt einen abgeschlossenen Master und den ersten ganz gut bezahlten Job. Mein Leben ist nicht weniger unsicher als noch vor ein paar Jahren.

Und sofort schreit ein Teil von mir, dass das doch völlig ok ist, mutig, viel echter und richtig so. Nur holt mich eben immer wieder die Unsicherheit ein. Ich denke, das muss ich so hinnehmen.

Wahrscheinlich werde ich mich ein Stück weit immer so fühlen. Ich habe einen Weg eingeschlagen, der das in gewisser Weise so mit sich bringt. Selbst wenn ich nicht mehr in der Ausbildung bin, Jobs habe, verdiene, werde ich doch nie die Konstanz eines Beamtenberufs haben.

That’s the life I chose. Und ich finds gut. Eigentlich. Manchmal macht es mir auch ziemlich Angst

 


Was ich in 25 Jahren gelernt habe

Erwachsensein heißt manchmal, im richtigen Moment loszulassen. Verantwortung übernehmen und das machen, was am unbequemsten ist. Für das große Ganze.

Das Leben wir immer unsicher sein und egal, ob es sich um Beziehungen, Job oder sonst eine Gegebenheit handelt, die man für selbstverständlich hält, man kann immer aufeinmal in die völlig entgegengesetzte Position geschleudert werden. Und das heißt nicht, dass man Sicherheit und Struktur deshalb gar nicht anstreben sollte. Sondern nur, dass man sich Veränderung gegenüber nicht steif machen darf. Sonst bricht man, wenn die Welle aufschlägt.

Meistens will dich der andere nicht grundlos ärgern, sondern er denkt wirklich -genau wie du- dass er recht hat. Perspektivwechsel hilft.

Schweigen ist oft nicht nur gold, sondern platin.

Akzeptieren was ist, ist so, so schwierig, aber so wichtig, um voranzukommen

Vieles nicht persönlich nehmen, macht das Leben leichter

Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind. Du änderst niemanden

Träume und Wünsche jetzt erfüllen. Natürlich passt der Zeitpunkt nicht, nie, aber je länger du weg schiebst, desto weiter entfernst du dich von dem Leben, das du leben willst und solltest

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6 Kommentare

  1. Ich komme immer wieder sehr gern her, um zu lesen. Und Dein Eintrag heute fasst ganz viele Gründe dafür zusammen:

    Du schreibst sehr schön. Du schreibst sehr reflektierend und differenzierend. Und Du hast immer wirklich etwas zu sagen.

    Du schreibst so, dass ich jedesmal zum eigenen Nachdenken angeregt werde. Weil Du schon begonmnen hast nachzudenken, und das in Deine Zeilen fließen ließest und auch manches Ergebnis Deines Nachdenkens. Es ist dabei zweitrangig, ob dieses Ergebnis schon „fertig“ ist oder nicht. Vielleicht wird es das manches Mal nie. – Und auch das finde ich schön. Ich weiß Dich dann weiterhin auf einem Weg und, dass Du offen bist und bleibst Neues zu finden. So zu sein und zu bleiben wünsche ich Dir. Mehr ist, glaube ich gar nicht so wirklich wichtig – egal, oib man nun 25 geworden ist oder 50 oder mehr oder weniger.

    Ich denke, dass Du Dich ziemlich (selbst)kritisch siehst. – Irgendwo habe ich letztens entdeckt, dass Du schon ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. Ein Buch zu einem ebenso interessanten und sensiblen Thema. – Ein Buch, dass insoweit, das meine ich inzwischen sagen zu können, Dir ähnlich ist.

    Ich glaube, ich würde es gern lesen wollen – ich werde es zu finden versuchen (Du hast es aber wohl unter anderem Namen veröffentlicht …?)

    Egal – neben meinem oben schon formulierten Wunsch, wünsche ich Dir, dass Du nie die Lust am Schreiben verlierst Dafür ist es wichtig, dass Du gesund bleibst. Das wünsche ich Dir auch. Und viel Sonne auf Deinen Wegen und Menschen, die Dir lieb und freundlich sind und Zeit, Zeit, wie Du sie nutzen magst, so dass Du Dich wohl und glücklich fühlst.

    Ich gartuliere Dir gern und herzlich zu Deinem 25., nachträglich!

    Liebe Grüße an Dich, Arunika.

    Gefällt 1 Person

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