Warum ich nicht mehr in der Stadt wohne

Vor fast genau einem Jahr bin ich aus meiner WG in Friedrichshain ausgezogen. Raus aus dem Ring, raus aus der Stadt.

Für alle Nicht-Berliner: Der Ring sind die Berliner Innenstadtbezirke. Die S-bahn-Linien 41 und 42, die Ringbahn, umkreisen den Kern der Stadt. Alles was außerhalb liegt ist…außerhalb vom Ring. Außerhalb der Stadt, außerhalb der Party, außerhalb von da, wo was geht.

 

G O O D B Y E  R I N G

 

Zu sagen, dass ich jetzt ländlich wohne, wäre übertrieben. 12 Minuten Fahrzeit mit der S-Bahn und ich bin wieder im Ring.

Kleinstädtisch ist es hier. Vorstädtisch. Viel grün, Wald, Seen und der Fluss.

 

Raus aus der Party, raus aus dem Dauerstrom, der Energie, die nie zur Ruhe findet.

 

Zu gerne erzähle ich die Geschichte, wie ich am 1.01.2016 mit meinem Koffer in Berlin angekommen bin, voller Hoffnung und einer sauteuren Zwischenmiete in Prenzlauer Berg. Danach folgten eine WG in Mitte, Steglitz, Friedrichshain.

Im Leben nicht hätte ich mir damals vorstellen können, aus dem Ring rauszuziehen. Eigentlich kamen immer nur die Szenebezirke im Osten in Frage. Und wenn man neu ist in der Stadt, macht auch genau das sind. Dorthin ziehen, wo was los ist, wo du aus der Tür kommst und das Leben pulsiert, du eine coole WG hast, schnell überall bist, die Bars und Clubs nicht weit sind.

 

F O M O   A D É

 

Dass mein Naturell keiner Dauerparty entspricht, ist kein Geheimnis. Die Unruhe, die Lautstärke, die Masse. Das vermisse ich nicht. Nicht zum wohnen. Ich fahre sowieso jeden Tag in die Stadt, arbeite dort, studiere dort, treffe Freunde, erledige Dinge. Alles spielt sich sowieso dort ab. Aber am Ende des Tages irgendwo hinfahren, wo ich meine Ruhe habe, und trotzdem Berlin in Fülle auszukosten. Das ist für mich genau das Richtige gerade, glaube ich.

 

Trotzdem: Der größte Vorteil ist zugleich der größte Nachteil. Es ist draußen. Weg. Ein bisschen weiter weg. Ich bin selten irgendwo schnell. Wer ist das in Berlin schon. Auch im Ring braucht man Zeit von A nach B. Bei mir ist es eben meistens noch ne halbe Stunde länger.

Abends, nachts ist das aufwendig und nervig. Morgens früh ist es ätzend. Für die Ruhe und die schöne Wohnung zahle ich mit meiner Zeit.

 

Wenn Geld keine Rolle spielen würde…

 

…würde ich vielleicht noch im Ring wohnen. In Prenzlauer Berg wahrscheinlich. Ruhig gelegen, in einer Seitenstraße.

Da ich keine Million horte, aber trotzdem eine neue, schöne, gehobene, große Wohnung wollte, bin ich hier gelandet. Außerhalb des Rings.

Hier steigen die Preise zwar auch immer weiter an und die Gentrifizierung macht auch vor den Außenbezirken keinen Halt, aber man kann es sich immer noch leisten, hier gut zu wohnen.

Ich weiß nicht, ob ich nicht irgendwann wieder in der Stadt wohnen möchte. Wo ich die Restaurants, Cafés, Bars, Geschäfte, die ich liebe, direkt vor der Haustüre habe. Kann schon sein.

 

P A S S I E R T

 

Gerade genieße ich allerdings meinen Rückzug hier. Der Hund hat genug Parks, Wald und Wiese zum austoben, keine Menschenmassen, Ruhe. Die Wohnung ist für mich ein Traum. Ein bisschen wie die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, ist es hier.

 

Ich frage mich, ob es eine Alters oder ein Typfrage ist. Ob man mitten im Geschehen leben will oder nicht. Manche tun es ihr ganzes Leben lang, andere haben schnell genug.

 

Vor ein paar Jahren hab ich noch die Leute belächelt, die mir erzählt haben, dass sie außerhalb vom Ring wohnen und es gut finden. Heute bin ich selbst so eine.


Passiert.

 

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