Warum Minimalismus?

Reizarmut ist was Tolles. In einer Welt, in der die Pixel, Farben, Bewegungen, Rufe, Witze, Werbung,… nur so auf uns einprasseln. Da liegt es nahe, sich irgendwann von all dem abzuwenden, weg vom Überangebot. Wir wollen ja auch gerne immer das haben, was aktuell nicht unseres ist. Und: Verzicht und Beschränkung sind sowieso In.


Nein, im Ernst.  Minimalismus ist eigentlich weniger das an einem leeren Schreibtisch vor einer weißen Wand sitzen, in einer Wohnung, in der nur 3 Möbelstücke stehen und seinen ganzen Besitz in einem Koffer unterbringen zu können. Das kann es sein, muss es aber absolut nicht.

 

Es geht viel eher um’s nachdenken, um’s bewusst sein. Wissen, was man eigentlich tut.

 

Ich bin noch vor ein paar Jahren regelmäßig losgezogen, zu DM, H&M und co. Aus Langeweile, für den kurzen Kick, wenn man etwas Neues in den Händen hält. Ohne irgendwas davon zu brauchen, ohne mir zu überlegen, ob ich das überhaupt wirklich nutzen werde. 30€ bei DM liegen lassen, für neue Duschgels, irgendwelche Beautyprodukte, nen Nagellack etc. Obwohl schon 5 Flaschen Duschgel in meiner Dusche standen. Obwohl ich Nagellack fast nie verwende und wenn dann eh immer die gleiche Farbe.

 

Sinnloser Konsum. Nicht nur, dass das Glücksgefühl in Lichtgeschwindigkeit wieder verpufft, wenn wir uns etwas Neues anschaffen. Der Scheiß fährt dann in unserer Bude rum, verstopft, erstickt uns, will benutzt werden, macht uns ein schlechtes Gewissen.

 

Ein Kleiderschrank, der aus allen Nähten platzt, und in dem wir trotzdem nichts anzuziehen finden, das ist doch einfach nur deprimierend. Ich habe lieber einen kleinen, der (fast) nur aus Lieblingsteilen besteht.

Es gibt Dinge, die ich gerne sammle und horte. Bücher. Die geben mir was, die kann ich gebraucht kaufen, bei Bedarf weiterverkaufen und mich an ihnen erfreuen. Bei Kleidung, die ich impulsiv gekauft habe, in wilden Farben und Formen, die ich eigentlich nicht trage, ist das nicht so. Die kaufe ich mittlerweile lieber in guter Qualität, am liebsten fair. Damit sie halten. Nicht, damit ich sie nächste Saison wieder aussortieren kann.

 

So richtig angefangen, über meinen Konsum nachzudenken, habe ich in meinem Auslandssemester. Da war ich noch nicht auf Instagram und das Wort Minimalismus war mir noch nicht geläufig.

Ich war mit meinem Backpack-Rucksack unterwegs, in Brasilien, einem heißen Land. Ich konnte und wollte nicht viel mitschleppen. Also waren es am Ende 7 Kg, mit denen ich mich mehrere Monate zufrieden gab. Das waren eine Hand voll Kleidung, ein paar Unterlagen, mein Laptop, und was man sonst noch so dringend braucht. Und es hat gereicht. Total. In Chile habe ich noch eine Pullover dazugekauft, dort war’s nicht so warm. Aber mehr an Klamotten kam nicht dazu.

Ich fand es sogar erfrischend, jeden Tag zwischen meiner minimalen Auswahl an Dingen zu wählen, diese sauber und zusammengelegt zu halten, und bequem in meinem Rucksack unterzubekommen.

 

Zeug kann einem die Luft zum Atmen nehmen. Ich finde vollgestopfte Räume beklemmend. Ich möchte nicht mehr, dass sich bei mir sinnlose Dinge stapeln, die ich verwalten, organisieren, herum räumen muss. Die zustauben, die mich einfach belasten, weil sie nerven. Für was auch. Zudem spart man viel Geld, wenn man nicht zur Befriedigung ständig shoppen geht.

Es ist viel angenehmer zu wissen, was man hat. Und sich zu überlegen, was man braucht. Nicht alle meine Einkäufe sind deshalb immer absolut sinnvoll, nachhaltig und sonst was. Aber ich konsumiere nicht wie blöd, um irgendeine Leere zu füllen, die sich damit sowieso nicht füllen lässt.

 

Man muss nicht immer und in jedem Bereich asketisch leben. Man muss nicht immer nur Dinge kaufen, die unheimlich sinnvoll sind und die man dringend benötigt. Spaß ist nicht verboten. Aber einfach nachzudenken, was man kauft und warum, kann einen frei machen. Vom pausenlosen Konsum, von dem Versprechen, das uns die Werbung gibt, das wir aber nie einlösen können. Zufriedenheit durch das 7. Haarspray und die 13. Jeans.

 

Zu empfehlen sind der Film Minimalism auf Netflix und das Buch Magic Cleaning von Marie Kondo.

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Arunika…Ich glaube solange die Menschen nach Perfektionismus streben, nicht wissen wer sie sind, innerlich zerrissen und immer auf der Suche nach irgendwas -temporäre Zufriedenheit zumeist, wird Minimalismus schwierig. In einer Gesellschaft des Überflusses sind zu viele entwurzelt und lassen sich durch den Konsum noch mehr verwirren. Es ist gut, dass minimalismus hip ist, Menschen reflektieren mehr, aber unterliegen dennoch ihren unsicherheiten und versuchen durch selbstoptimierung=komsum dies zu kaschieren. Ich glaube, wenn alle menschen einen guten Therapeuten hätten würde das Bruttoinlandsprodukt drastisch sinken😉die quadratur des kreises dennoch. Grüßle

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  2. Toller Beitrag! Regt zum Nachdenken an. Man hat viel zu viel Krams den man nicht braucht. Der Dachboden ist voll, der Kleiderschrank platzt aus allen Nähten. Man muss es sich nur ab und an mal eingestehen und die Momente nutzen in denen man sich der Sache bewusst ist und einfach aussortieren, verschenken, verkaufen, spenden oder wegschmeißen um sich frei zu machen. Danke für den Beitrag 🙂

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