ThoughtCloud#4: Chemnitz, Ghosting reversed, …

 

G H O S T I N G   R E V E R E S E D

 

“Long time no see,…”, sagt eine DM in meinem Instagram-Postfach. Das Profilbild hat sich nicht geändert, der Mensch offensichtlich auch nicht. Ich habe, glaube ich, lange niemanden mehr online angegangen, den ich eigentlich nicht kenne, für den jedes Wort zu schade ist. Normalerweise ignoriere ich einfach, aber dieses mal konnte ich nicht anders.

Ich habe den Typen vor fast 2 Jahren kennengelernt. Es war recht schnell klar, dass es nicht viele Gemeinsamkeiten gibt, trotzdem hatten wir 2 oder 3 ganz nette Treffen mit Aussicht auf ein Weiteres. Mitten im Gespräch, mit der Aussage “Ich antworte später”, ist der Gute einfach untergetaucht. Ghosted away. Zu dem Zeitpunkt war das irgendwie ok, auch wenn ghosting nie ok ist. Ich habe schon mal darüber geschrieben. Ich könnte keine konkrete Situation nennen, aber ich bin mir sicher, dass ich selbst auch schon geghosted habe. Ehrlich, wer nicht? Es ist bequem, einfach und durch moderne Kommunikation auch allzu leicht möglich.

Trotzdem ist es arm und verletzt eine andere Person so viel mehr, als einfach den Mut zusammenzunehmen für ein kurzes: “Hey, von meiner Seite aus ist da nicht wirklich was, ich möchte mich nicht mehr treffen”.

Das Beste an beschriebener Story ist aber, Monate später mit eben jenem dämlichen Satz anzukommen. Ich musste wirklich lachen, als ich das gelesen habe. Er impliziert, dass man sich zufällig, wie alte Bekannte, aus den Augen verloren hat, völlig unbeabsichtigt und ohne Hintergedanken. Man hat halt einfach nicht mehr geschrieben und sich jetzt zufällig wiedergesehen, auf ner Cocktailparty oder im Supermarkt, ach wie nett. Dreister geht es kaum. Jemanden einfach ignorieren, eine laufende Konversation, in der einer auf eine Antwort wartet, ohne Vorwarnung abbrechen und dann scheinheiligen Smalltalk anfangen. In der Hoffnung, dass? Ich vergessen habe, wie kindisch sein Abgang war? Mir das egal ist, weil ich genauso verzweifelt bin wie er?

 

Ich appelliere an alle Geghosteten sich nicht herunterzulassen, nochmal mit jemandem in Kontakt zu treten, der einen einfach im Regen stehen lassen hat. Es kommt immer auf die Situation an, klar. Aber ohne Entschuldigung mit nem coolen Spruch, dafür muss man sich wirklich zu schade sein.

 

Ich habe zurückgeschrieben, dass das das unreifste ist, was ich lange Zeit gesehen habe.

Nach 2 weiteren Nachrichten hin und her, habe ich ihn blockiert. Auf der einen Seite muss man sich über so eine Person nicht aufregen und ein paar geschriebene Zeilen werden aus einem Polo keinen Porsche machen, das ist mir schon klar.

Andererseits muss man sich nicht alles gefallen, alles unkommentiert lassen, finde ich.


 

W I R  S I N D  M E H R

 

Wir sind mehr. Und das müssen wir zeigen, egal auf welche Art und Weise. Wenn wir wollen. Keiner muss. Anstatt sich gegenseitig auf Social Media anzugreifen, sich darüber aufzuregen, wie wer Position bezieht und ob er überhaupt das Recht dazu hat, wäre es besser sich zu vergegenwärtigen, dass wir auf einer Seite sind, dass wir für das gleiche, gegen das gleiche sind.

Lieber nebeneinander statt sich über den anderen stellen.

Wer sich gegen rechts bekennt, ist auf der gleichen Seite.


 

B A L A N C E

 

Die Balance finden. Wo fängt man an zu suchen? Wenn Unterforderung in Überforderung fließt, lediglich in unterschiedlichen Nuancen schimmert, wie lässt sich das eine vom andern trennen, die beiden auseinanderhalten, bevor sie sich wieder einmal die Klinke in die Hand geben? Ich kann das nicht, konnte das nie.

 

Entweder es ist zuviel, oder es ist zu wenig. Leer oder übervoll. Wie stellt man einen Kopf ruhig, der pausenlos sendet, Gedanken schleudert, wie eine Waschmaschine am Ende des Waschgangs?

Stress ohne Stress. Das muss man erstmal schaffen. Mehr Stress ohne tatsächlichen Stress. Was man sich nicht alles antun kann. Die Fernbedienung ist so weit weg, ich kann nicht einmal erahnen, wo ich sie liegen lassen habe, wo sie versteckt ist. Vielleicht muss sie jemand anders suchen gehen.


 

 

 

4 Kommentare

  1. Ich glaube nicht, dass Du je „fernbedient“ gewesen bist, liebe Arunika. 😉 Aber die Sache mit dem Balance finden und behalten ist ganz wichtig. Das sagt ein „gebranntes Kind“ – Im Übrigen stehe ich auf DER GLEICHEN SEITE wie Du. Mit ganzem Herzen.

    Vieleliebe Grüße an Dich!

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