Näher bei mir

Ich schaue in den Spiegel, offen und entwaffnet, zart und weich. Ich find es schön, was ich sehe, nach Jahren kann ich das ehrlich sagen. Auch mit den Schatten, Flecken, den Augenringen, den Narben. Es ist okay, kein Krieg gegen Geister. Es ist mein Gesicht, nicht mehr, nicht weniger. Es muss nichts, es ist einfach. Kein Verstecken. Es gibt keine hässlichen Wahrheiten, nur Wahrheiten.


 

Ich bin ein bisschen näher bei mir.

 

Erst fühlen, dann handeln.

Meine Maschinerie läuft gerade nicht mehr auf hochtouren. Es bleibt mehr liegen, es häuft sich mehr an. Es ist okay, mein Kopf hämmert weniger, ein paar mehr Schäfchen, der Hammer ist weg . Der Takt hat sich verlangsamt, die Melodie sich karamellisiert.

 

Wem muss ich etwas recht machen, wem etwas beweisen?

 

Ich bin näher bei mir, mit sanften Klängen, mit dem, für das mein Herz schlägt. Für die Menschen, die mir wirklich wichtig sind, die Musik, die ich wirklich hören will, das tun, was mir etwas zurückgibt. Ich lern mich besser kennen, das macht mein Leben luftiger.

Ich bin näher bei mir.

 

Wenn ich meine Meinung sag, wenn ich auch mal die Stimme erheb. Ich nehm mich wichtig und deshalb sag ich’s, wenn sich nichts um mich dreht, wenn ich drohe, vergessen zu werden. Weil’s für mich wichtig ist, wichtig zu sein. Ich versinke nicht im Moos, keiner sieht die letzte ausgestreckte Hand. Ich hau mein Stopp-Schild in den nassen Beton, nicht zu übersehen, für keinen.

Öfters sagen wie’s gemeint ist, wie der Kopf es wieder und wieder vorformuliert, zurechtlegt, nur um im Mund erstickt zu werden. Raus bevor ich implodier.

Ich muss nicht jeden mögen, ich muss dich nicht mögen. Und ich muss von dir nicht gemocht werden. Ich muss keine Rücksicht nehmen, auf alles und jeden.

Um Anzuecken muss man Ecken haben. Ecken und Kanten, an denen sich andere stoßen können. Blaue Flecken, um zu wissen, wo die Grenzen sind.

Es tut so gut, den Mund aufzumachen.

 

Ich bin näher bei mir, weil ich genauer hinseh, das Unnötige wegschneide, ausradiere. Konzentriert auf das Wesentliche. Das Einfache präzisiert. Das Leben muss nicht kompliziert sein.

 

 

4 Kommentare

  1. Dein Text schenkt mir mehr Freude als Du wahrscheinlich ahnst. Er liest sich wirklich so, als wenn ihn jemand schrieb, die sich tatsächlich gefunden hat und die sich so, wie sie sich nun wahrnimmt, mögen gelernt hat.

    Das ist etwas sehr Schönes, etwas sehr Großes. Und Wichtiges. Und ich freue mich FÜR Dich!

    In mir ist diese Freude, weil ich den Weg der Suche nach sich selbst sehr gut kenne.

    Besonders liebe Grüße und der Wunsch, dass Du für immer so bei Dir bleiben kannst, wie Du es heute bist, liebe Arunika!

    Gefällt 1 Person

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