Stunde um Stunde

Zeit, die nicht vergeht, ist die reinste Folter. Wenn Sekunden extra langsam voranschreiten, zäh, hämisch. Ein Blick auf die Uhrzeit, nachrechnen, wie lange noch? Die Luft, die Sicht, der Kopf alles leer, alles schreit nach Inhalt. Ich sehe, wie sich nichts tut und warte, dass irgendwas passiert, es vorangeht. Ich will einfach nur nach Hause, alles bis dahin ist Zeit, die mir im Weg steht, mir ein Bein stellt, die Sicht verstellt, mich festhält

Eine Minute vergangen, keine Minute vergangen. Ich quäle mich.

Zeit, die wir absitzen, ist tot. Tote Zeit. Ungenutzt, weil ungenossen, unbelebt, nicht gefüllt, mit nichts, was gut für irgendetwas gewesen wäre. Kein Leben, keine Bedeutung, kein Sinn. Tote Zeit ist eine Folter.

Wie oft sitz ich einfach nur da, warte darauf, dass die Uhr sagt, dass ich gehen darf. Stress ist ermüdend, Leere ist noch ermüdender. Selbst schlafen würde mich mehr erfüllen als dieses Absitzen.

Warten macht stumpf, nichts-Tun macht matt. Kein Glanz in den Augen, gedämpftes Denken. Reizarmut. Wie eine ewige Wüste, rechts nichts, links nichts, vorne und hinten nichts. Sand und der Horizont, keine Sicht auf Veränderung. Verzweiflung, Durst nach Tageslicht im Kopf, wo ist der Lichtschalter?

Müde vom müde sein, wie ungerecht. Ich will nicht pessimistisch sein, keine Melancholie. Aber ich quäle mich, hier, jetzt, während ich hier sinnlos rumsitze. Alles hat seinen Preis, ich muss warten.

Die Hölle muss ein Ort sein, an dem nichts passiert.

Dankbar sein für‘s Gefängnis, in das man sich freiwillig begeben hat. Sich gegenseitig volljammern, dass man nicht mehr kann, nicht mehr will, gleich einfach geht. Wer kennt‘s nicht? Macht man am Ende eh nicht. Weil wir‘s ja brauchen. Das Geld, den Schein, die Note. Das gute Gewissen. Ich ertrag mich so selbst kaum.


What to do when waiting:

Handybilder, Chatverläufe und E-mails aussortieren

Lesen, Online-Zeitung, Blogs, ein Buch, immer ein Buch dabei haben

Dinge googlen, die man schon lange mal googlen wollte

Den Geldbeutel neu sortieren

In die Luft gucken. Nichts tun und seinen Gedanken nachhängen

Die Augen schließen, bewusst atmen, mit dem Bewusstsein den Körper abscannen. Wie fühlt sich welcher Körperteil an, wo ist eine Verspannung? Wie geht‘s mir gerade? 

2 Kommentare

  1. Wenn Worte Melodien sind, dann klingen Deine von heute traurig und auch ratlos. Ich kann über solche Worte nicht einfach hinweglesen. Eine „Hilfe“ zu sein vermag ich aber auch nicht wirklich.

    Aber einen sichtbaren, Dich irgendwie aufbauen wollenden Gruß hierlassen, das will ich um so mehr. Und, wenn Du die Frage beantworten magst: Wo und wann fühlst Du Dich am meisten so quälend wartend? Gibt es eine Möglichkeit, diesem „Milieu“ zu entkommen?

    Liebe Grüße an Dich, Arunika!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s