Quarterlife Crisis 28.0

Bei mir verhält es sich mit kleinen bis mittelschweren Sinn-und Lebenskrisen, wie bei anderen Leuten mit Erkältungen. Kaum ist die eine weg und man fühlt sich für‘s erste sicher, steht die nächste vor der Tür und erwischt einen eiskalt, obwohl man es hätte ahnen müssen.

Eigentlich kann ich es schon selbst nicht mehr ernst nehmen. Tue es aber doch, denn wer soll meine Gedanken sonst ernst nehmen, wenn ich selbst nicht tue.

Ist es normal, alle 3-6 Monate sein Leben komplett anzuzweifeln und zu hinterfragen, egal wie selbstbestimmt und aktiv man es gestaltet? Geht es irgendwem da draußen genau so?

Ich habe mir selbst die Stadt ausgesucht, in der ich lebe. Meine Berufsrichtung komplett über Bord geworfen und etwas angefangen, wovon ich überzeugt bin, dass es zu mir passt und es das Richtige ist. Auch alle anderen Lebensumstände habe ich mir mühsam so eingerichtet, wie ich sie unbedingt haben wollte.

Und trotzdem: Es reicht, wenn mir jemand unangenehme Fragen stellt, oder ich andere sehe, die überzeugter, selbstbewusster auftreten und: ich zweifle und läute Quarterlife Crisis 28.0 ein.

Kann man das heilen, ist das eine Krankheit? Mein Hirn wird nicht müde, alle Eventualitäten, jede andere Möglichkeit vor und zurück zu spielen, mich ins Wanken zu bringen.

Ich bin vielseitig interessiert. Es gibt bestimmt insgesamt 10 Berufsrichtungen, die ich einschlagen könnte, die mir Freude machen könnten, in denen ich gut sein könnte. Ist es deshalb illegitim, dass ich mich für den jetzigen Weg entschieden habe? Hätte ich dann etwas wählen sollen, das einfacher, bodenständiger ist? Was, wenn es doch besser gewesen wäre, auf Nummer sicher zu gehen? Endlich Geld verdienen, keine Ausbildung mehr. Sorgenfrei Rechnungen bezahlen, anstatt immer wieder ins Minus zu rutschen. Wäre schon auch schön. Mache ich mir das Leben unnötig schwer? Fange ich einfach immer wieder Dinge an, um sie früher oder später wieder fallen zu lassen und mich dann wieder anderem zu widmen? Habe ich einfach einen Knall?

Ich mache mich selbst professionell wahnsinnig. Ich kann nicht aufhören zu hinterfragen. Was wäre wenn?

Das typische Millenial-Problem, die Quarterlife Crisis, wie sie im Buche steht. Aus der Menge der Möglichkeiten ist es nicht mehr möglich sich zu entscheiden bzw. sich zu entscheiden und damit zufrieden zu sein. Oder zu bleiben. Denn es kann ja eben doch was besseres geben und wie schrecklich ist es denn, das zu verpassen. Das ultimative Leben, das, das zum höchsten Glück führt?

Klar klingt es dumm, wenn man es so aufschreibt. Aber mal ehrlich, wer denkt nicht (immer mal wieder) so? Dass es vielleicht doch noch einen besseren Partner/ Studiengang/ Freundeskreis/ Beruf/ Minijob/ Wohnung/ Stadt/ Hobby/ Haarfarbe/… gibt. Dass man sich vielleicht doch wieder auf die Suche begeben sollte, weil man jetzt gerade in diesem Moment sein Leben falscht lebt, verschwendet. Vielleicht nach Jahren dann doch einsehen muss, dass man es gleich hätte anders machen sollen. Gruseliger als Britney Spears ohne Haare ist das.

Ich habe mich gerade soweit wieder gefangen, bin back on track und bleibe bei dem, was ich mache umd bin davon überzeugt. Wahrscheinlich nicht lange, ich genieße die Zeit bis dahin am besten, bevor es wieder soweit ist.

 

 

 

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