Meine Fresse

Plakativ, ich weiß.

Aber: Wir haben den 16. November. In 5,5 Wochen ist Weihnachten. In 6,5 Wochen ist das Jahr vorbei. 2018 ist fast vorbei!

Ja, das erzählt einem die Tage fast jeder, stöhnt, bejaht, nächstes Thema.

Aber das muss man mal richtig spüren, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, sich wirklich vorstellen. Ich fühle da dieses Aufzuggefühl, das, wenn einem siedend heiß einffällt, dass man etwas Wichtiges vergessen hat, wenn einem etwas total Peinliches passiert, oder man im Traum hinfällt und hochschreckt.

Das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Nämlich die Zeit, die Monate, Wochen, Tage und Stunden seit dem 1.1.2018. Richtiges Erschrecken. Meine Fresse, was habe ich die ganze Zeit eigentlich gemacht, wie konnte sie unbemerkt so an mir vorbeirauschen, durchschlüpfen und vor mir wegrennen? Kommt einem das Jahr kürzer vor, wenn es aufregend und vollgepackt war oder eher wenn es monoton, eintönig abgearbeitet wurde? Keine Ahnung.

Ich erinner mich ganz genau, wie ich am 31.12.2017 in meinem rosafarbenen Pullover in München beim Silvester-Essen mit meinem Freund sitze, wir uns den Bauch mit indischem Essen vollschlagen und uns jeweils notieren, was unsere Ziele für 2018 sind. Und dann vorlesen, darüber reden. Super ambitioniert war ich, unwissend, voller Vorfreude. Ein Foto von den Neujahrsvorsätzen ist auf meinem alten Handy, das Handy kaputt. Trotzdem weiß ich noch so ziemlich alles, was darauf stand.

Einige Wünsche oder Ziele erledigen sich ja immer im Laufe des Jahres von selbst, weil das Leben sich und uns verändert, Manches nicht mehr wichtig ist, ersetzt wird. Ich hatte viele konkrete Zahlen auf meinem Blatt Papier, Zahlen, die ich knacken wollte. Davon bin ich abgekommen, insgesamt. Ich bin kein Freund von Noten, mich ärgert das seit der Schulzeit und genau so will ich nicht den Erfolg meines Daseins und den Grad an Wohlbefinden und Zufriedenheit an einer Zahl festmachen. Das geht auch gar nicht. Also habe ich die Zahlen größtenteils gestrichen.

Gewisse Dinge brauchen auch keinen kontinuierlichen Wachstum. Stillstand ist NICHT immer gleich Tod. Es ist völlig in Ordnung, mit manchen Dingen auf einem gewissen Niveau zu bleiben, für eine Weile oder dauerhaft. Einfach zu machen, des Machen wegens, aus Spaß, vielleicht auch mit dem Gedanken, irgendwann damit zu wachsen, aber von alleine, organisch, wie es eben kommt. Ohne Druck, ohne zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem ganz bestimmten Punkt sein zu MÜSSEN.

Ich habe mir das Leben damit so viel leichter gemacht. Ich hatte einfach zu wenig vertrauen in mich selbst, ich dachte, wenn ich aufhöre, mich zu stressen, mich unter Druck zu setzen, zu zwingen, ständig Deadlines einzuhalten, höre ich ganz auf, werde ich so träge, dass ich gar nichts mehr mache. Aber so ist es nicht, ich habe genug innere Motivation und Tatendrang, um weiter zu machen, mit Allem, auch ohne Zwang. Ich mache die Dinge wieder mehr aus der Lust, sie zu tun, heraus. Das ist so, so viel besser!

Weniger bis keine Zahlenziele mehr also. Auch andere Punkte haben sich erstmal als nicht allzu relevant erwiesen. Weil die Zeit noch nicht reif ist, weil man Manches nicht erzwingen muss, sondern es sich ganz sicher ergeben wird, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Das bedeutet wieder weniger Stress, den Dingen mehr ihren freien Lauf lassen. Im Fluss bleiben, ohne ständig zu verhärten.

Insgesamt habe ich demnach Vieles nicht geschafft, was ich mie vorgenommen hatte. Weil sich die Perspektive verändert hat, was am Ende mehr wert ist, als alles stur abgehakt zu haben.

Trotzdem finde ich es beängstigend, dass dieses Jahr schon zu Ende geht. Mein Gott, ich werde alt. Ich will gar nicht mehr erreichen, einfach noch ein bisschen sein, dieses Jahr.

 

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