No Black Friday

Gestern schickt mir eine Freundin, die ich nach der Arbeit treffen will, ein Foto aus der Mall of Berlin. Es ist Black Friday, ein Strom an Menschen mit gehetzten Gesichtern ist zu sehen. Es ist die Hölle los, sagt sie.

Wir kennen die Videos vom Black Friday aus Amerika, in denen sich Menschen prügeln, gegenseitig Ware aus den Händen reißen, massenpanisch durch die Einkaufsläden rennen, stürzen, übereinanderfallen. Auch in einem TK Maxx in Deutschland fand gestern eine Massenschlägerei statt, die Polizei musste anrücken.

Black Friday ist wie Halloween, finde ich. Es kommt aus Amerika, ist zu uns herübergeschwappt und keiner braucht es.

 

Ganz ehrlich, ich find’s ekelhaft. Wie normalerweise zivilisierte Menschen, die was auf sich halten, die sich sonst über andere echauffieren, plötzlich zu wilden Tieren werden, die auf Gazellen-Jagd sind. Nach mir die Sinnflut, um Leben und Tod. Es wird sich aus dem Weg geschubst, niedergetrampelt und beleidigt – um Einzukaufen, um sein Geld loszuwerden (?!). Es geht lediglich um Konsum. Um Gegenstände. Ein T-shirt, ein drei-teiliges Küchenset, eine Uhr, ein Handy. Nichts, was wir zum Überleben brauchen. Auch weil: Wir das meiste, wahrscheinlich alles, schon haben.


Nichts gegen die Menschen, die sich nur durch hohe Rabatte überhaupt gewisse Dinge leisten können. Natürlich ist dagegen nichts einzuwenden. Und auch auf Black Friday zu warten, um sich mal etwas zu gönnen oder den lange notwendigen neuen Staubsauger anzuschaffen. Ja, klar, warum nicht.

Aber das ist nicht das, was die Masse an Zombies, die durch die Innenstädte zieht, macht. Es geht darum zu konsumieren, bis man blöd wird, die schon randvollen Kleiderschränke bis zum Platzen weiter zu füllen. Ganz egal, ob man das Gekaufte benötigt, egal, ob man es überhaupt verwenden wird. Denn es ist ja reduziert, das ist für viele quasi eine Pflicht einzukaufen. Konsum des Konsums wegen. Blind, ohne Gefühl für’s Verhältnis.

 

20% reduziert heißt 80% bezahlen, man bekommt absolut nichts geschenkt.

Die 17. Jeans, weil sie 20% billiger ist. Ein neuer Föhn, obwohl der alte noch tut. Vielleicht die 4. Uhr, die zum neuen Outfit passt. Krank ist das.

Es ist absolut nicht zeitgemäß in dieser Welt, einer Welt, die wir langsam zum Sterben bringen mit unserm Konsumwahn, mit Plastik, CO2 und co. immer noch auf Masse zu setzen, immer noch kein bisschen Bewusstsein ins Gehirn vordringen zu lassen.

Bitte kauf dir eine Jeans, wenn du sie brauchst, wenn du sie tragen wirst, wenn du nicht schon 16 Jeans hast, aber kauf sie doch nicht nur, weil eine rote Zahl auf dem Preisschild steht. Denn wenn die Jeans von H&M, Zara, Mango oder co. kommt, haben dafür ArbeiterInnen verdammt wenig Geld zu verdammt schlechten Arbeitsbedingungen bekommen, wurde die Umwelt enorm belastet, wird neuer Müll produziert, wenn dir nächste Saison das Teil nicht mehr gefällt oder es wegen seiner schlechten Qualität auseinanderfällt. Also denk doch bitte kurz nach, bevor du die Kreditkarte zückst. Du unterstützt mit deinem Geld eine schon ziemlich miese Sache. Wenn du das tust, dann bitte wenigstens nur, wenn es sich lohnt.


Da Black Friday nun vorbei ist, können wir uns ab jetzt auf Cyber Monday und die ganze Woche, in der das Internet seine Schnäppchen raushaut, freuen. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

 

Wer sein Geld unbedingt materialisieren möchte, könnte das auch für eine gute Sache tun. Fair Fashion gibt es, um einen Überblick zu bekommen, z.B. bei loveco oder Avocadostore. Auch Secondhand-Ware gibt es mittlerweile online. Man könnte auch mal in einem Unverpackt-Laden vorbeischauen, bei Sirplus, Naturkosmetik kaufen, einen Rasierhobel statt Plastikrasierer, wiederverwendbare Wattepads, eine Bambuszahnbürste.

 

 

 

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