Instagram ist tot, ich entfolge

Jo, zumindest bei mir stirbt Instagram gerade ein bisschen. Im Vergleich zu vorher, wo ich teilweise stundenlang am scrollen war, geliked, selbst hochgeladen habe, was das Zeug hält. Jetzt schau ich ein paar Mal am Tag rein, schaue Instastories eigentlich nur am Wochenende, bin über 100 Feeds entfolgt in den letzten Monaten. Das fühlt sich ziemlich gut an, nach weniger Macht, die ich Social Media über mich gestatte.

Ich war aufjedenfall ein bisschen süchtig. Ich hatte Spaß, ich war voller Eifer. Dann kam der Algorithmus und hat das fröhliche Plantschen erstmal beendet. Keine chronische Beitragsanzeige mehr, immer weniger Leute sehen die eigenen Inhalte, ich sehe immer weniger Inhalte, die ich sehen will. Das verdirbt den Appetit kräftig und irgendwann folgt Resignation. In dem Fall war das gar nicht schlecht. Mein Blog lebt auch noch ohne 2 neue Bilder täglich auf Instagram, ohne Follower-Wachstum und mir ist es mittlerweile so egal, wie nur irgendwas, ob ich Morgen 5 Follower weniger hab. Ich hab mich losgelöst von dem ständigen Wunsch, mitzuhalten und up to date zu bleiben und zu wachsen auf Instagram. Dann habe ich eben irgendwann 3 Klicks pro Woche und nur noch 30 Follower. Mir ist es wichtiger, mein eigentliches Projekt, den Blog, aufrecht zu erhalten. Das ist meine Plattform, da ändert keiner irgendwas, außer ich. Instagram möchte mit allen Mitteln kleinen Accounts den Gar aus machen, es wird wohl früher oder später etwas Neues kommen. Weil wir immer mehr dazu gedrängt werden, zu bezahlen, um Reichweite zu bekommen. Und das wird (hoffentlich) kaum einer machen. Instagram mutiert zur Werbeplattform, die nur noch für große Influencer und Firmen, die in Werbung investieren, Sinn und Spaß macht. Ok, dann ist das so. Ich werd nicht hechelnd hinterherrennen, mit Schaum vor dem Mund, bis ich nen Schlag bekomm. Dann steig ich lieber aus.

Ergo: Instagram ist enttäuschend, entwickelt sich zum Negativen, macht immer weniger Spaß. Das ist zwar eigentlich schade, aber auch gut, weil die magische Anziehungskraft und das Suchtpotential (zumindest bei mir) damit immer weiter sinkt.

Entfolgen, entfolgen, entfolgen, entfolgen, entfolgen

Ich folge noch ca. 180 Feeds im Moment. Bis vor kurzem waren es noch 250 und vor längerer Zeit sogar mal über 500. Ich fühle mich super selbstbestimmt mit jedem Unfollow, weil ich mir nicht mehr ungefiltert die ganze Rotze in den Feed spülen lassen, die gerade irgendwie angesagt ist, sondern gezielt auswähle.

Folgende Kriterien habe ichangewendet, für die Profile, die bleiben durften. Eins davon muss mindestens erfüllt sein:

  • Die Person hat Charakter, strahlt für mich etwas aus, ich finde die cool
  • Es wird ein bestimmter Lifestyle (z.B. Minimalismus) vorgelebt, den ich gut finde
  • Der Feed hat sehr ästhetische Fotos, die meinem Geschmack entsprechen
  • Es gibt keine inhaltsleeren Werbebilder
  • Der Feed ist nicht 1 zu 1 gleich wie 49.765 andere auf Instagram
  • Es gibt keine kitschig inszenierten Fotos in weiß-rosa
  • Die Person steht für etwas
  • Die Person hat einen Blog, den ich lese, oder einen Podcast, den ich höre
  • Es geht nicht nur oder gar nicht um Beauty oder Mode – wenn dann um Fairfashion oder Vintage-Kleidung
  • Die Person schreibt gute Bildunterschriften, regt zum Nachdenken an
  • Ich habe irgendeinen Bezug zu den Inhalten und fühle mich nicht schlechter oder minderwertiger, wenn ich Fotos von diesem Feed angezeigt bekomme

Sehr viele Profile haben nicht bestanden. Alle großen Instastars, die um die Welt jetten, in-ein-schwarzes-Loch-werfen-Konsum promoten, Natürlichkeit, Mindfulness und Dankbarkeit predigen und im Schnitt trotzdem 4,5 Schönheitsoperationen hinter sich haben, sind weg.

Da sind noch viele Profile, die Minimalismus, Fair Fashion, bewussten Konsum, Veganismusm gesellschaftliche Kritik und Ähnliches unterstützen. Manche Feeds finde ich auch einfach nur ansprechend. Manche posten viel über Berlin. Irgendwelche Girls mit no obvious Brain sind bestimmt noch übrig, aber das, was mir jetzt hauptsächlich auf Instagram angezeigt wird, entspricht meinen Interessen und Werten. Das erleichert ungemein. Klar, will ich ab und an mal sehen, welcher Z-Promi jetzt wieder schwanger ist und was für ein krass inszeniertes Bild gerade gefeiert wird. Aber bitte nicht 10 mal am Tag in 100 facher Ausführung. Nur weil jemand 1 Million Follower hat, heißt das nicht, dass er irgendwas zu sagen hat. Meistens gerade nicht. (Fast) Fashion interessiert mich nicht. Beauty interessiert mich nicht. Dein Gesicht in jedem erdenklichen Winkel, mit einem von Buddha geklauten Spruch darunter interessiert mich nicht.

Kein Inhalt, kein Follow.

2 Kommentare

  1. Ging mir genauso, ich hab’s auch nicht mehr ertragen und irgendwann bemerkt, wie abhängig ich von dieser Plattform war und wie doof es ist, sich so intensiv mit dem Leben der anderen zu beschäftigen statt mit seinem eigenen. Ich finde es furchtbar, dass gerade die großen Insta-„Stars“ ihre Reichweite nicht für wirklich wichtige Dinge nutzen, sondern sie bloß für Werbezwecke missbrauchen oder dafür, um zu zeigen, wie schön und toll ihr Leben gerade ist und welche Produkte sie gekauft haben. Ich finde das traurig und erschreckend, und wünsche mir da mal wirklich ein Umdenken. Wir alle haben doch eine Stimme, bloß nutzen sie auf Social Media so wenige und inszenieren sich lieber als lebende Litfasssäulen.. hach..

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    1. Geht mir genau gleich! Ich hab auch einfach keine Lust mehr, mich mit so nem nicht-Inhalt zu befassen. Das ist so ne zeitverschwendung. Dann gucke ich mir lieber kleinere Profile an, die was zu sagen haben oder wenigstens „echt“ sind.

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