Text geschlachtet, Titel weg

Ich fange gerade an zu tippen, ohne Titel, ohne zu wissen, was ich gleich schreibe. In meinem Kopf ist ein Regal, da lege ich Themen ab, über die ich eventuell jetzt oder später schreiben will. Das Regal ist unaufgeräumt und leer und voll gleichzeitig. Ich gehe an das Regal, es ist aus Metall, eher so für die Garage oder den Keller geeignet, nicht so hübsch. Bevor ich da rumsuchen kann, ist mir schon klar, dass ich nicht über etwas anderes schreiben kann, als das, was meinen Kosmos gerade den ganzen Tag über einnimmt, auch wenn ich das gerne würde.

Ich wollte eben sagen, dass ich beschlossen habe, mein halbes Leben auf den Kopf zu stellen, aber das stimmt nicht, das Leben hat beschlossen mich auf den Kopf zu stellen, mich von der Decke baumeln zu lassen, ich muss mich arrangieren. An den Socken aufgehangen.

Und das ist gar nicht so negativ gefühlt, wie es klingt. Das Leben macht nicht irgendetwas, um mich zu ärgern, glaube ich, das will mir eher den Kopf waschen, zurechtrücken, auf die Schulter klopfen „Mensch, jetzt ist aber mal gut!“

Wenn man loslässt, im Kopf, dann ist das wie mit gebrochenen Dämmen. Dann schießen die Massen an Gefühlen und an Wahrheiten ungehindert ein, die die ganze Zeit schon darauf gewartet haben, endlich ungehindert strömen zu dürfen. Deswegen lässt man ja so ungern los. Weil man mit dem, was da reinfließt dann auch klar kommen und umgehen muss. Was einmal da ist, was man einmal gesehen hat, das kann man sich nicht wieder wegdenken. Und dann wird’s unbequem. Was ich nicht wieder vergessen machen kann, das muss ich weiterverarbeiten, wenn ich nicht verrückt werden will. Wer schlachtet muss auch zu Wurst verarbeiten. Oder so.

Ich frage mich, ob jeder Mensch sich ständig von der Makro-Perspektive beobachtet. Von außen drauf blickt und einschätzt, wie der Marktwert, wie die Beobachtung anderer Menschen über einen selbst gerade aussieht und wie man diese am besten beeinflusst. Ego-Marktforschung. Wahrscheinlich schon. Generell muss man davon ausgehen, sehr unbesonders zu sein und Dinge zu tun, die sehr viele andere auch tun, weil man so schrecklich individuell am Ende des Tages nunmal nicht ist. Das finde ich eher beruhigend als frustrierend.

Dieser Text ist verwirrt und verwirrend, so wie ich auch. Das ist gut, denn wenn sich außen und innen gleichen, ist das für mich schon ein Fortschritt. Denn ich zwinge mich gerne dazu, so zu tun, als wären mir Dinge wichtig, die mir völlig egal sind, als würde ich Menschen mögen, die ich nicht ab kann, als würden Umstände zu mir passen, die mich ersticken. Um nicht durch’s Raster zu fallen, nehme ich an. Ich zwinge mich außerdem nicht nur, all das zu tun, das wäre ja noch in Ordnung, irgendwie, ich zwinge mich dazu das auch noch Ernst zu nehmen. „Doch, du magst die, du musst die mögen, verdammt, gib dir Mühe!“

Es ist aber einfach nur unendlich anstrengend, zu lächeln, wenn man kotzen möchte. Mir ist so viel egal, mich interessiert so viel nicht. Und das darf man in vielen Konstellationen so unbedingt nicht sagen, wenn man nicht moralisch geahndet werden will. Und als soziales Wesen fühlt sich das nicht gut an, ausgestoßen zu werden. Also habe ich zuletzt gefühlt nur noch vorgegeben. Vorgegeben zu mögen, zu sein, zu wissen, zu kennen, zu schätzen. Ich möchte mir die Farbe gerne abwaschen und wieder dazu stehen, dass ich saumäßig langweilig, faul und desinteressiert bin. Ich übertreibe.Ich will einfach nur echt sein.

 

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