Rennen, das

Aua.

Rennen, das: Schnelle Fortbewegung zu Fuß mit dem Ziel, möglichst rasch an einen anderen Ort zu gelangen.

Das Knie ist noch geschwollen vom letzten Sturz, aber du bist schon wieder unterwegs. Zu lange willst du dich nicht aufhalten, nicht verweilen. Ungeschönte Wahrheit kommt immer in der Ruhephase. 3 Tage Wunden lecken, dann rennst du wieder los, willst vergessen, weshalb du überhaupt gefallen bist. Schon wieder, du bist schon wieder gefallen.

Im Kreis rennen, der nicht als Kreis erkennbar ist. Es geht bergauf, bergab, nach rechts, nach links, scharfe Kurve, endlose Gerade. Und am Ende kommt der immer gleiche Punkt. Du denkst, du bist weiter, du bist an einer ganz anderen Stelle, aber sieh dich mal um, sieht’s hier nicht ganz genau so aus, wie bevor du losgerannt bist? Es sind vielleicht andere Umstände, Konstellationen, Zeiten, Menschen, Aufgaben. Aber in dir, ist dort irgendetwas anders als zuvor? Fühlst du dich nicht ganz genau gleich, immer und immer wieder. Losgerannt mit Hoffnung, mit der Hoffnung, dass es dieses Mal anders wird, weil alles so anders wirkt. Aber hast du in dir drin auch nur ein Puzzleteil verschoben? Denn wenn nicht, dann rennst du im Kreis. Die Figuren und Schauplätze routieren, sicher, kein Gesicht gleicht dem anderen, keine Geschichte ist wie zuvor.

Aber wie fühlst du dich nach dem Sturz, wenn alles vorbei ist, wenn es dich wieder erwischt hat. Ist dann irgendwas anders? Oder ist der Abgrund jedes Mal der selbe, weil du dir noch nie erlaubt hast, wirklich hineinzufallen?

Wenn du nie liegen bleibst, wirst du immer über die selben Steine stolpern. Wenn du dich nicht veränderst, wenn du dir nicht endlich zuhörst, dann ändert sich außen nichts. Die Stunden ziehen weiter, du triffst neue Menschen, du hast einen anderen Job. Aber wenn du dich nie wirklich wahrnimmst, nie wirklich reinsiehst, dann bleibt das Erdbebenrisiko, egal, ob Tropen oder Winterlandschaft.

Du rennst, weil du glaubst, dass du durch’s Rennen dem Sturz davon laufen kannst. Doch du stürzt doch gerade nur, weil du losläufst. Anstatt einfach mal inne zu halten. Stehen bleiben, deine Wunden genauer betrachten. Vielleicht wär das mal was.

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