Die unangenehmste Nebensache der Welt

Es gibt grundsätzlich 2 Arten von Menschen: Die, die einfach telefonieren und nicht darüber nachdenken, und die, die das Telefonieren fast so furchterregend finden, wie Karies und Zahnarzt. Naja und die dazwischen, da bin ich momentan angesiedelt.

Früher hätte ich mir eher den großen Zeh amputiert, als freiwillig jemanden anzurufen. Fremde Menschen, nicht sehr bekannte Menschen, bekannte Menschen, die einem aber nicht Nahe stehen. Bekannte Menschen, die einem nahe stehen, mit denen man aber nicht oft telefoniert. Eigentlich fast alle.

Mittlerweile gehe ich immer noch nicht ans Telefon, wenn es einfach so klingelt und eine unbekannte Nummer sich mir aufdrängt, ich bin ja nicht verrückt. Selbst wenn ich weiß, wer da dran ist, warte ich meistens ab, bis das Klingeln verstummt und die Person eventuell auf den Anrufbeantworter spricht, so dass ich ganz eventuell dann mit einer Nachricht oder E-Mail reagieren kann und ganz um das Gepräch herum komme. Ich komme grundsätzlich mit dem Vorgang an sich aber nun halbwegs klar und überlege mir nicht mehr im Voraus, was ich sagen werde und ganz wichtig, ich übe es auch nicht mehr vor dem Gespräch.

Was macht das Telefonieren so gruselig?

Mit fremden Menschen kommunizieren zu müssen, beinhaltet an und für sich ja schon genug Grauen. Wir wissen nicht, ob der andere lacht, wenn wir versuchen witzig zu sein, wir wissen nicht, ob der andere uns akkustisch verstehen wird, wir wissen nicht immer, ob wir überhaupt von der selben Sache sprechen. Das alleine birgt viel Potential, sich zum Affen zu machen, bzw. sich zumindest so vorzukommen.

Im Reallife kann man allerdings an der Visage des Gegenüber noch einiges ablesen, das bei der vielleicht holprigen Kommunikation hilfreich ist. Ob er gerade etwas ganz falsch verstanden hat, ob er entsetzt ist und man lieber zurückrudern sollte. Außerdem kann man die gemeinsame Aufmerksamkeit auf andere Dinge in der Umgebung lenken, wenn man nichts mehr zu sagen hat. Man ist mobil, man könnte zur Not auf die nächstgelegene Toilette flüchten und sich für einen Moment entschuldigen.

Am Telefon sieht die Sache anders aus. Im Gespräch geht man normalerweise nicht mal eben 4 Minuten auf‘s Klo, man hört oft nicht so richtig, was der andere vor sich hin nuschelt und hat keine Mimik und Gestik, um irgendwelche Hinweise zu erhalten. Man hat nur das verdammte Handy in der Hand, das einem nicht weiterhilft. Einfach auflegen ist gesellschaftlich höchst unangesehen und ein längeres Schweigen und sich pseudomäßih umsehen, geht auch nicht so wirklich.

Man ist dem einzigen Kanal der Kommunikation, dem Hören, ausgeliefert.  Man kann nicht ablenken und man kann sein Gegenüber kaum einschätzen.

Wie lernt man, gelassen zu telefonieren?

Keine Ahnung. Ich habe mittlerweile einfach genug telefoniert, um abgestumpft zu sein, glaube ich. Und ich mache mir keine Vorwürfe mehr und denke nicht, ich müsste super gerne telefonieren. Muss man nicht, absolut nicht. Das einzige, was mich noch richtig nervös macht, sind interview- und vorstellungsgesprächartige Telefonate.

Generell öfters zu telefonieren, ist gut. Mit Menschen, bei denen es einem nicht unangenehm ist (wenn es welche gibt). Kurze, informationsaustauschende Telefonate, bei denen es auf nichts ankommt. Arzttermine, Auskunftshotlines, etc. Oder es einfach ganz sein lassen und nur noch alles per Mail regeln. Mache ich auch am liebsten.

 

 

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