Warum ist dir alles egal?

Ich gehe am Samstag um 8:30 Uhr mit dem Hund durch den Park. Auf der Hälfte des Weges muss ich ausweichen, alles ist voller Scherben. Zig Bierflaschen, die offensichtlich mit Absicht auf dem Boden zerschellt sind, 1000 Scherben und Splitter. Hier sieht es im Sommer, am Wochenende, immer so aus. Ich weiß nicht, wer das macht, aber ich hasse diese Personen.

Warum? Mein Hund, ein anderer Hund, Kinder, irgendwer wird reintreten, sich verletzen. Wie kann man so ignorant sein? Oder das sogar wollen?

Nicht nur Scherben sind im Park am Wochenende zu Hauf zu finden. Auch viel Plastikmüll, Verpackungen, Plastikflaschen, alles, was man sich vorstellen kann. 3, 5, 10 Meter von einem Mülleimer entfernt. Warum?

Ich versteh’s wirklich nicht. Ich verstehe nicht, warum manchen Menschen alles egal ist, egal zu sein scheint, wirklich alles. Andere Menschen, Tiere, die Umwelt. Sie selbst eigentlich auch. Wie kann das sein?

Warum gehen die Menschen in Scharen auf die Barrikaden, wenn eine Kita kein Schweinefleisch mehr anbietet, keiner interessiert sich jedoch für das Kükenschreddern, die Massentierhaltung mit extremer Tierquälerei, das Klima, das demnächst kollabiert? Warum sind diese Dinge in den meisten Kreisen kein Skandal, vielleicht höchstens einen hämischen Kommentar wert?

Mir tut es so weh, über diese Dinge nachzudenken, dass ich eigentlich gar nicht darüber nachdenken kann. Ich ändere, was ich kann, beeinflusse die Menschen, an die ich rankomme, spende Geld an Organisationen und gute Zwecke. Nicht, weil ich ein so unglaublich toller Mensch bin, sondern um irgendwas besser zu machen, um meinen Schmerz zu verringern. Wenn ein paar mehr Leute irgendwas fühlen würden, würde die Welt anders aussehen. Warum ist das nicht so? Wie kann man 2019 alles Leid, alles, was ein bisschen unbequem ist, einfach ausblenden und kein bisschen besser werden wollen? Informationen sind überall, immer zugänglich, keiner kann sich entziehen. Und doch scheint es am Ende so wenige zu bewegen.

Klar, wer selbst leidet, hat kein Mitleid, kreist um sich selbst. Nicht jeder muss die Welt retten, nicht jeder hat Kapazitäten dafür. Aber es geht so vielen Leuten gut in diesem Land, auf diesem Kontinent, warum nicht etwas zurückgeben für all die Privilegien, die wir hier besitzen? Wie kann man kein Mitgefühl für seine Umgebung haben?

Ja, Geld regiert die Welt, alle wollen Macht, nach oben kommen, ein schönes, gemütliches Leben. Das reicht mir nicht als Erklärung. Was ist mit einem Menschen los, der sich für nichts interessiert außer sich selbst?

Wir sind doch nicht so verschieden?

3 Kommentare

  1. Es klingt bzw. liest sich wahrscheinlich ein bisschen komisch, liebe Arunika, aber ich fühle, was das da oben betrifft, genau wie Du, habe dieselben Fragen. Immer wieder. – Schlimm ist bei mir, dass mich all diese Dinge, diese offenbare Gleichgültigkeit so vieler anderer Menschen, sehr, sehr runterziehen. Ich fühle mich, als wenn mich die Kraft verlässt. –

    Um so mehr als ich in meiner Umgebung IMMER nur Leute reden höre, die sich über Probleme, wie Du oben nur einige wenige angedeutet hast, ebenso befremdet und verärgert zeigen. NIE höre ich andere. und ich beginne deshalb zu mutmaßen, dass es unter all denen, die so reden, die zustimmen, wenn es um mehr Umweltschutz, um mehr Müllvermeidung, um mehr Achtsamkeit gegenüber Mitmenschen (und zwar über die Brille der reichen weißen westlichen Welt hinausgehend), geht, eine nicht unerhebluiche Anzahl Heuchler sind. – Und das lässt mich noch verzweifelter werden, noch wütender.

    Ich weiß, dass derartige Reaktionen niemandem nutzen. Aber es quält mich halt auf diese Art und Weise. – Wie gehst Du ganz persönlich damit für Dich um, Arunika? Für mich ist es letztlich immer zu wenig „tröstlich“, dass ich mich wenigstens bemühe (ohne perfekt zu sein), Werte WIRKLICH zu leben und davon auch so viel als möglich weiterzugeben. Die, die mich dafür belächeln (bis in die eigene Familie hinein), auch weil ich in manchem auch sehr (unpopulär) konsequent bin, sind, so empfinde ich es, wenigstens noch „ehrlich“ … – Ansonsten bleibt oft nur viel Bitterkeit und Ohnmacht in mir.

    So wie Du oben geschrieben hast, hast Du mich dennoch ein bisschen aufgerichtet. Ich halte Dich für aufrichtig. Dein Text ist eine so sehr wichtige und wohl authentische Stimme! Und deshalb ist sie : SCHÖN !!

    Ich danke Dir sehr für Deinen Eintrag.

    Viele, liebe Grüße!

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