Nachts in Kreuzberg

Wir treffen uns zu dritt gegen 20:30 Uhr in einer Bar in Kreuzberg. Sie ist brechend voll, es ist Freitag und es gibt Aperol Spritz für 4,50€.

Wir sitzen also draußen, unterhalten uns, trinken Wein und Aperol.

Irgendwann kommt ein Mann mitte Fünfzig aus der Bar gestolpert, er ist offensichtlich schon gut dabei. Er unterbricht unser Gespräch nonchalant, quatscht uns erst auf Englisch an und setzt sich dann auf Deutsch faselnd auf den freien Platz zu uns. Ich sage, dass der Stuhl nass ist, in der Hoffnung, dass er abzieht und sich woanders hinsetzt. Er fängt an von seiner Tweedjacke zu erzählen, wie gut die mit Nässe klar kommt, dass er seit 100 Jahren eine Tischlerei in Kreuzberg besitzt und seine Kinder in unserem Alter sind. Er ist unglaublich peinlich und unangebracht, merkt es aber natürlich nicht.

Ich unterbreche ihn und sage, dass wir mitten im Gespräch waren und ich das eigentlich gerne fortführen würde.Er versteht, frotzelt, raucht seine Zigarette zu Ende und geht mit einem blöden Spruch zurück in die Bar.

Wir ziehen nach dem ersten Drink weiter, um die Ecke ist die nächste Bar, die jeder kennt und die übervoll ist. Im hintersten Eck sitzt auch wieder der Idiot aus der letzten Bar, läuft zwei mal an uns vorbei, hat jedes Mal einen unverschämten Spruch auf den Lippen. Ich überlege zu ihm zu gehen und ihn zu beleidigen, lasse es aber sein.

Nach zwei Stück Kuchen und einem weiteren Wein gehen wir. Eine Straße weiter ist eine Tanzbar, wir stellen uns in die kurze Schlange am Einlass. Der Türsteher bittet darum, in unsere Taschen schauen zu dürfen. Das Wasser muss weg, es könnte ja, Zitat, „liquid Ectasy“ drin sein. Haha, ok. Während wir austrinken, darf ein anderer in der Schlange vor. Der Türsteher sagt zu ihm, er könne uns ja dann drinnen abschleppen. Ich denke, ich höre nicht richtig, sage aber nichts, bzw. reagiere gelassen. Ein anderer, keine Ahnung ob auch Türsteher oder einfach so dort rumstehend, meint, wir sollen nicht in einer großen Männergruppe kommen, dann lassen sie uns nicht rein. Aber wie seien ja eh Frauen, oder, oder nicht, haha.

Ich ärgere mich, sage aber nichts. Ich weiß wieder, warum ich nach 20 Uhr normalerweise zuhause auf dem Sofa sitzen bleibe.

Am nächsten Tag schreibe ich eine Mail an den Club, beschwere mich über den Vorfall. Es wird sich entschuldigt, immerhin.

Mich hat übrigens auch eine Frau an dem Abend angesprochen. Um mich darauf hinzuweisen, dass mir ein 5€-Schein aus der Tasche gefallen ist.

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