Perfektionismus als Flucht vor uns selbst

Die Badewanne ist immer staubig, weil sie nie einer benutzt. Abnutzung durch Nichtnutzung, wie man’s macht, macht man’s falsch.

Ich würde gerne jeden Tag zur gleichen Uhrzeit aufstehen, 8 Uhr, oder besser 7 Uhr. Dann sofort duschen, Zähne putzen, anziehen. Frühstücken.

Arbeiten, Uni, einen Termin haben. Sport, lesen, up to date sein. Podcasts hören.

Die Wohnung aufräumen, putzen, Müll wegbringen. Freunde treffen. Aussortieren.

Lernen, mich fortbilden, Projekte starten, Projekte abschließen, vorankommen.

Alles gerne bis ca. 20 Uhr. Dann zur immer gleichen Zeit schlafen gehen. Gegen 22:30 Uhr

Keiner hält mich für eine Künstlerin außer ich selbst, das reicht doch, oder?

Ich würde gerne weniger im Bett liegen, ich wäre gerne jemand, der tagsüber nicht im Bett liegt. Keinen Mittagschlaf macht. Generell nicht viel Schlaf braucht, immer fit und gut drauf ist und auch mit 4 Stunden Schlaf frisch aussieht. Ich hätte gerne keine Verspannungen im Rücken, wäre gerne lässig.

Ich wünschte, ich würde mal wieder die Fenster putzen. Ich wünschte, der Hund würde aufhören, sie mit seiner nassen Nase zu verschmuddeln.

Es wäre gut, mit ihm in die Hundeschule zu gehen.

Es wäre gut, es wäre gut, Krafttraining zu  machen und Ausdauer. Es wäre gut, täglich Obst zu essen.  Es wäre gut, wenn Nagellack nicht abblättern würde. Es wäre gut, kein Geld auszugeben.

Eine Maschine sein, um kein Wrack zu sein. Vollständig technisch, zu jeden Zeit abrufbar. Immer ausführend.

Perfekt, um nicht sich selbst sein zu müssen, endlich perfekt, um nicht mehr so verdammt menschlich zu sein. Maschine sein für bessere Gefühle.

Warum kann ich nicht endlich perfekt sein, verdammte Sche***?

Maschinelles Ausführen, menschlich positive Anerkennung. Weg davon, so unvollständig, an allen Ecken so unangenehm scharfkantig und spitz zu sein. Leisten, leisten, leisten, nie müde sein, nie mehr müde sein. Kapitalismus im Blut.

Ich bin müde. Ich sehe fertig aus, ich hab Kopfweh. Ich geh ins Bett, schlafen.

3 Kommentare

  1. Schlaf gut, liebe Arunika.

    Dein Text ist auf seine Weise richtig schön, weil nicht beschönigend, weil ehrlich, weil treffend. Besonders das „Kapitalismus im Blut“ trifft es. Das ist unsere Welt, wie sie ist, von Menschen dazu gemacht.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass es Dir bald ein Stückchen besser geht, Du irgendwie ein bisschen Erholung und Regeneration finden kannst. Das wünsche ich Dir sehr.

    Viele liebe Grüße nach Berlin an Dich!

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