Hundekolumne: Andere Hundebesitzer

Wer sich für einen Hund entscheidet, entscheidet sich nicht nur dafür, die nächsten Jahre seines Lebens mit dem eigenen Vierpfötler zu verbringen – sondern auch mit allen anderen.

All den anderen Hundebesitzern, die nun nicht mehr einfach nur Passanten sind, blasse Figuren im Straßenbild, sondern feste, kräftige Mitspieler eines jeden Spaziergangs mit seinem Hund. Ab jetzt muss man sich zu ihnen verhalten, ob man will oder nicht.

Die Bandbreite ist schier endlos, trotzdem kann man die meisten Hundebesitzer in eine Kategorie packen. An dieser Stelle soll es um die einem weitestgehend unbekannten anderen Hundemenschen gehen.

Andere Hunde, andere Sitten

1. Es gibt die, die stoisch an einem vorbeischreiten, ihrem Hund derweil verschiedene Mantras einflüstern und ihn strikt an ihrer Seite halten. Natürlich nicht auf Seite des entgegenkommenden Hundes, sondern der anderen. Es wäre ja auch fatal, wenn der eigene Hund mit einem seiner Art zusammentrifft. Man male sich aus, was passieren würde, wenn sich zwei Hunde beschnuffeln. Geht. Gar. Nicht. Wenn der Hund genauso unbeirrt an dem anderen Hundeobjekt vorbeisieht, bekommt er vom strengen Hundebesitzer kleine Leckerlies verabreicht. Manchmal wird noch mit einem Klickerteilchen geklickt. Kritische Situation überstanden, alle haben überlebt.

2. Manch andere machen direkt einen weiten Bogen und versuchen, möglichst viel Platz zwischen sich und den anderen Hundebesitzer zu bringen. Oft auch völlig zurecht: Sie haben eine Töle, die irre anfängt zu keifen, wenn sie einen anderen Hund sieht, das Herrchen fast aus den Schuhen zieht und sich auf einen ernsthaften Kampf vorbereitet. Herrchen oder Frauchen lächeln oft entschuldigend oder sind damit beschäftigt, auf ihr Vieh einzureden. Als ob das irgendetwas bringt. Der Hund hat eh schon lange entschieden, dass er andere Vierbeiner, andere Lebensformen, hasst.

3. Der an sich offene Hundebesitzer, der zuallererst aber das Geschlecht seines haarigen Gegenüber wissen möchte, diese Information voller Selbstbewusstsein einfordert.

„Ist das ein Mädchen?“

„Ist das auch ein Rüde? Oh, nee, mit anderen Rüden kann meiner nicht.“

Ich habe schon oft erlebt, wie andere Hundebesitzer panisch werden, wenn sich herausstellt, dass mein Hund wider Erwarten kein „Mädchen“ ist. Mit einem kräftigen Ruck wird der andere Rüde aus der Situation geschleift, auch wenn er bis dahin ganz friedlich reagiert hat. Meist stellt sich nämlich heraus, dass der andere Hund darauf scheißt, ob ihm Männlein oder Weiblein gegenübersteht. Er möchte einfach kurz schnuppern und gut ist. Die diffusen Ängste über einen bevorstehenden Hahnenkampf existieren meistens nur im Kopf der Besitzer.

Die Netten sind noch schlimmer

Oft sind es aber die freundlichen, aufgeschlossenen Pfotenfreunde, die mir Angst machen.

4. Es ist nach 22 Uhr, man möchte noch eine letzte Hunderunde drehen, bevor man schlafen geht. Man ist nicht in Plauderlaune, man hat ein Ziel: Möglichst schnell wieder reinzugehen. Man sieht von Weitem einen dunklen Schatten auf sich zukommen, kneift die Augen zusammen – läuft da ein kleines, dunkles Paket neben der Person her oder nicht? Wenn man es schließlich erkennt, ist es zu spät: Ja, es ist ein anderer Nacht-Gassigänger.

Wenn man Pech hat und die andere Person gut drauf ist, steht man da erstmal. Die Hunde interessieren sich nicht für die Uhrzeit und noch weniger für die Befindlichkeit des Besitzers. Es wird sich am Hintern geschnuffelt, die Leinen werden ineinandergedreht. Man wartet auf den Moment, in dem beide Hunde leicht das Interesse verlieren. Tun sie meistens doch recht schnell. Nur die Menschen dazu nicht immer. Dann wird der andere Hund immer wieder aufgefordert, doch weiterzuspielen, es wird so getan, als ob da noch irgendwas los wäre zwischen den zweien, obwohl beide schon wieder längst mit etwas Anderem beschäftigt sind. Oder man kann sich anhören, dass der kleine Luke gerade nicht gut frisst, gestern beim Tierarzt war oder abends immer so aufgedreht ist. Wie alt denn der eigene Hund sei, was für eine Rasse und was er sonst so in seinem Leben mache. Man sollte hart sein und sich einfach verabschieden. Kann ich oft nicht und stehe dann da, nett lächelnd, unruhig, darauf wartend, endlich gehen zu können. Merkt der andere nicht.

Es ist jedes Mal aufs Neue eine Überraschung – strikt, nett, zu offen oder sogar aggressiv. Man weiß nicht, wie die beiden Objekte reagieren, die auf ähnlicher Mission wie man selbst draußen unterwegs sind. Man kann dazu neigen, sich vor anderen Hundebesitzern ganz zu verstecken, um jeglichen unangenehmen Kontakt zu vermeiden. Mache ich nicht selten. Der eigene Hund freut sich aber leider immer noch sehr, wenn er sich endlich wieder mit seinesgleichen unterhalten kann. Also geht man das Risiko ab und an ein und wechselt nicht hektisch die Straßenseite, wenn ein anderer Hund am Horizont erscheint.

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