Tinderella to be // Versalzener Kuchen

„Ich glaube langfristig wird das ein Problem“, sagt er, lächelt schief. „Ich bleibe gerne lange wach, bis in die späte Nacht, und ich kann nicht ohne Fernseher einschlafen“.
Also liege ich noch länger wach, versuche, den Fernseher zu ignorieren, das fehlende Teil zu ignorieren.
An so vielen Stellen knarrt und zieht es, will sich nicht richtig zusammenfügen. Doch ich will es nicht sehen, will es wieder und wieder einfach wegwischen, übergehen, will die roten Flaggen abfackeln, bis sie unübersehbar werden, bis wir beiden nicht mehr so tun können als wäre da kein riesiger Riss zwischen uns, ein Krater, über den es keiner von uns beiden wagt hinüberzuspringen.

Mein 1. Jahr in Berlin // Januar 1

Es gibt keinen Fahrstuhl. Ich weiß nicht, in welchem Stock meine Wohnung ist und schleife meinen Koffer von Stockwerk zu Stockwerk, schaue auf alle Klingelschilder. Meine Arme tun weh, mir geht die Puste aus. Schließlich finde ich in der 6. Etage den Namen, nach dem ich suche. An der Tür gegenüber klebt ein weißes Papier, auf dem „Einbruch lohnt sich nicht, HARTZ 4“ steht. Ich schmunzle. Welcome to Berlin.

Tinderella to be // Tinder im Feldexperiment

Es ist Januar 2016. Ich sitze in einem netten Café in Prenzlauer Berg und warte auf mein Date, nennen wir ihn Bernd. Ich hasse es, nicht zu wissen auf wen man wartet, denjenigen gar nicht erkennen zu können, weil ich nur ein, zwei Fotos gesehen habe. Es macht mich nervös und unsicher. Ich schaue also ständig abwechselnd zur Tür und auf mein Handy.

Yes, I can, want to and will! // Warum ich nicht ‚nein‘ sagen kann

Nein, will ich nicht! Ich muss noch Wäsche waschen (bunt und hell!), den stinkenden Biomüll entsorgen, einkaufen, einen Text schreiben, staubsaugen und das Bad putzen (Meine elektrische Zahnbürste hinterlässt überall, wo ich sie hinstelle, weiße, antrocknende Zahnpasta-Rückstände, die sich rasend schnell vermehren).

„Ja, klar“, sage ich. Ich denke laut und deutlich „NEIN!“ und sage gequält lächelnd, nuschelnd „ja“.

Tinderella to be // Die Sache mit der Unverbindlichkeit

Sind wir wirklich nicht mehr fähig, uns dauerhaft -oder zumindest mal für die nächsten Monate und gegebenenfalls Jahre- zu binden? Wenn man in Sachen Beziehung Ausflüchte wie „Sorry, aber ich will gerade keine Beziehung“ abzieht, denn diese bedeuten in den meisten Fällen sowieso nur, dass wir den anderen einfach nicht soo toll finden und er deshalb nicht als Partner in Frage kommt, bleibt trotzdem eine Hand voll Unentschlossenheit, Bindungsunwilligkeit, Zweifel. Eine große Hand voll.